bedeckt München 23°
vgwortpixel

Machtkampf in der CDU:Spahn fischt im selben Teich wie Merz

Aber warum tritt Schäuble jetzt auch öffentlich und dermaßen eindeutig für Merz ein? Schäuble scheint die Sorge zu haben, dass es für Merz eng werden könnte - und er deshalb dringend der öffentlichen Unterstützung bedarf. Offenbar herrscht in seinem Lager Nervosität. Das Rennen zwischen Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer scheint ausgesprochen knapp zu sein. Wer in diesen Tagen mit Vorstandsmitgliedern spricht, bekommt Einschätzungen wie "Es wird 52 zu 48 ausgehen" oder "Es ist so eng, dass es auf die Bewerbungsreden auf dem Parteitag ankommen wird". Es könnten in Hamburg also wenige Stimmen den Ausschlag geben. Dem Lager von Merz bereiten deshalb einige Zahlen Sorge, auf die wegen der ansonsten üblichen klaren Mehrheiten unter normalen Umständen keiner achten würde.

Auf dem Parteitag werden gut ein Drittel der Delegierten Frauen sein. Es wird angenommen, dass sie mit deutlicher Mehrheit für Kramp-Karrenbauer stimmen werden. Für Merz wird es nicht einfach sein, diesen Vorsprung durch ein gutes Abschneiden bei den Männern wieder auszugleichen. Außerdem sind 150 der 1001 Delegierten im Hauptberuf Bundestagsabgeordneter. Sie haben ein Interesse daran, dass es keine vorzeitige Neuwahl gibt. Da sich aber kaum jemand eine dauerhaft gedeihliche Zusammenarbeit zwischen einem CDU-Chef Merz und Kanzlerin Merkel vorstellen kann, dürfte Kramp-Karrenbauer unter den Mandatsträgern nicht schlecht abschneiden. Auch wer eigentlich für Merz ist, wird es sich genau überlegen, ob er mit einem Votum für ihn vielleicht seine eigene Zeit im Bundestag verkürzt.

Und dann ist da noch der dritte Kandidat, Gesundheitsminister Jens Spahn. Der gilt zwar nur als Außenseiter. Aber er fischt im selben Teich wie Merz. Beide treten mit einem eher wirtschaftsliberalen Profil an, und beide stammen aus Nordrhein-Westfalen. Der Landesverband stellt auf dem Parteitag 296 Delegierte. Vor allem in der Jungen Union gibt es Delegierte, die im ersten Wahlgang Spahn wählen wollen - und erst in einer Stichwahl Merz.

Es ist vermutlich Schäubles letzte große politische Schlacht

Auf die Meinungsumfragen kann man wenig geben. Sie bilden ja nur die Stimmung in der Gesamtbevölkerung oder unter den CDU-Anhängern ab. Gewählt wird der oder die neue Vorsitzende aber lediglich von den 1001 Delegierten. Auch die Eindrücke von den acht Regionalkonferenzen, auf denen sich die drei Kandidaten vorgestellt haben, sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Das gilt auch für das Ergebnis der Mitgliederbefragung in Sachsen-Anhalt, bei der 55,8 Prozent der Teilnehmer für Merz, 39,5 Prozent für Kramp-Karrenbauer und 4,7 Prozent für Spahn gestimmt haben. Der Landesverband stellt außerdem nur 18 Delegierte - und dass Merz im Osten besser als Kramp-Karrenbauer abschneidet, davon ist man eh ausgegangen. Alle anderen CDU-Landesverbände haben auf eine Mitgliederbefragung verzichtet.

Das ist die Gemengelage, in der Schäuble sich jetzt öffentlich festgelegt hat. Im Lager von Merz hoffen sie, dass das der Bewerbung des ehemaligen Fraktionschefs noch einmal Schub verleiht - immerhin ist Schäuble so etwas wie der Übervater der CDU. Allerdings befürchten einige Merz-Unterstützer, dass Schäuble zu früh in den Wettbewerb eingegriffen hat. Bis zur Wahl am Freitag könne die Wirkung seines Interviews schon verpufft sein. Auch weil nicht erwartet werde, dass Schäuble auf dem Parteitag das Wort ergreift. Im Lager von Kramp-Karrenbauer hoffen sie sogar, dass das ungewöhnliche Schäuble-Interview bei vielen Delegierten, die der Generalsekretärin nahe stehen, eine "Jetzt-erst- recht-Stimmung" auslöst.

All das sind aber nur Spekulationen. Am Freitagabend wird man wissen, ob Schäuble die vermutlich letzte große politische Auseinandersetzung seines Lebens gewonnen hat - und Merz neuer CDU-Chef ist.

Politik CDU Die Rache des Wolfgang Schäuble

CDU

Die Rache des Wolfgang Schäuble

Er ist ein politischer Held dieses Landes, aber die Kanzlerschaft war Schäuble nicht vergönnt. Seine vehemente Intervention für Friedrich Merz hat mit den tiefsitzenden Kränkungen zu tun.   Kommentar von Heribert Prantl