Linke und SPD in der Krim-Krise "Horizont kniende Ameise"

Die Netzwerker in der SPD-Bundestagsfraktion hatten immerhin Linken-Fraktionschef Gregor Gysi für kommenden Donnerstag zu sich eingeladen, um mit ihm über die aktuelle Lage zu sprechen. Und ihn jetzt wieder ausgeladen, weil - auch dank Linken-Politikern wie Dağdelen - die Atmosphäre ziemlich vergiftet ist.

Die Netzwerker bezogen sich in ihrer Absage zwar auf Gysis Bundestagsrede zur Ukraine vergangene Woche. Die aber war sogar fast moderat: "Putin hat nicht begriffen, dass die Probleme der Menschheit weder mit Gewehren noch mit Soldaten zu lösen sind. Sein Denken und Handeln ist falsch." So begann Gysi seine Rede (Hier im Video). Das allein dürfte kaum der Grund für seine Ausladung gewesen sein.

Macht Gesprächsansätze zunichte: Sevim Dağdelen, Politikerin der Linken.

(Foto: DIE LINKE im Bundestag)

Schlimmer ist für die SPD wohl, dass es Gysi nicht gelingt, die Hardliner in seiner Truppe ruhigzustellen. Dazu zählt auch seine Stellvertreterin Sahra Wagenknecht, die Gysi gerne bald beerben würde und jetzt den Schulterschluss mit den Russlandfreunden in der Fraktion sucht. Statt Putin zu kritisieren, attestiert sie Außenminister Steinmeier, in der Ukraine "Schiffbruch erlitten" zu haben. Den Grünen hielt sie vor, blind zu sein für die "faschistischen Teile" in der Ukraine.

"Jede Ebene nutzen"

Dass sich die Krim Russland anschließe, müsse akzeptiert werden. Wagenknecht zeigt großes Verständnis für die Sorgen Russlands, wenn es etwa um eine mögliche Aufnahme der Ukraine in die Nato geht. Sie verliert kein Wort über die Ängste und Sorgen der Ukrainer, wenn es um ihre territoriale Integrität geht.

Sitte hofft, dass das alles bald vorbei ist. Der ganze Streit spiele sich am Horizont einer knienden Ameise ab, sagt sie. Was auch für Wagenknecht kein Kompliment sein dürfte. Sitte will jedenfalls "jede Ebene nutzen, um Gesprächsfäden zu halten", sagt sie. Ein kleine Spitze Richtung SPD muss aber wohl sein: "Wir hätten den Netzwerkern nicht abgesagt." Das Gespräch sei ja gerade dazu da, sich näherzukommen.

Sie wolle jetzt aber nichts überstürzen: "Wir haben jetzt noch gute drei Jahre Zeit." Dağdelen und ihre Freunde aber auch - um das Projekt Rot-Rot-Grün an die Wand zu fahren.

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