Landtagswahl in Hessen:Wahlkampf, weichgekocht

Lange lag Rot-Grün in Umfragen deutlich vorn, doch kurz vor der Landtagswahl hat plötzlich niemand mehr eine Mehrheit. Ministerpräsident Bouffier "bleibt locker", Herausforderer Schäfer-Gümbel macht Wahlkampf mit Jutesack. Die Hessen-Kandidaten im Überblick.

Von Carina Huppertz

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Volker Bouffier

Quelle: dpa

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Lange lag Rot-Grün in Umfragen deutlich vorn, doch kurz vor der Landtagswahl hat plötzlich niemand mehr eine Mehrheit. Ministerpräsident Bouffier "bleibt locker", Herausforderer Schäfer-Gümbel macht Wahlkampf mit Jutesack. Die Kandidaten im Überblick.

Volker Bouffier, CDU

Er regiert Hessen seit mehr als drei Jahren, doch in diesem Jahr muss sich Volker Bouffier zum ersten Mal den Bürgern zur Wahl stellen. Der 61-jährige Jurist rückte 2010 auf den Posten des Ministerpräsidenten, als sein politischer Vertrauter Roland Koch nach elf Jahren das Amt niederlegte und in die Wirtschaft wechselte. Unter Koch war Bouffier vorher hessischer Innenminister, kämpfte für mehr Überwachung und modernisierte die Polizei. Die Opposition verpasste ihm deshalb den Spitznamen "schwarzer Sheriff". Als Ministerpräsident bemühte sich der konservative CDUler, sein Hardliner-Image loszuwerden. Im Wahlkampf zeigt ihn ein Plakat mit Jugendlichen am Kicker, darüber wirbt er gar mit dem Slogan "Hessen bleibt locker". Bouffiers Taktik scheint aufzugehen, die CDU liegt in Umfragen mit 39 Prozent vorne - für die Regierungsmehrheit bräuchte sie trotzdem einen Koalitionspartner.

SPD fordert härtere Steuergesetze

Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

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Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD

Fast drei Meter hoch ist der Jute-Sack, neben dem Thorsten Schäfer-Gümbel vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt posierte. "800 Millionen mehr für Hessen" steht darauf - ein Symbol für den Kampf gegen die Steuerflucht, den der Chef der Hessen-SPD zu seinem Wahlkampfthema gemacht hat. Sein Einsatz geht so weit, dass der 43-jährige gebürtige Allgäuer nach der Steueraffäre um Uli Hoeneß aus dem FC Bayern austrat. Schäfer-Gümbel übernahm vor vier Jahren den SPD-Vorsitz in Hessen. Seine Vorgängerin Andrea Ypsilanti wollte eine rot-grüne Minderheitsregierung bilden. Die Idee wurde von den Linken geduldet, scheiterte dann aber an Gegenstimmen in der eigenen Partei. Schäfer-Gümbel versöhnte die zerstrittene SPD und feilte an seinem Ruf als Finanzexperte - so erfolgreich, dass es ein Jahr vor der Wahl nach einem klaren Sieg für Rot-Grün aussah. Jetzt liegt seine Partei in Umfragen mit 30 Prozent deutlich hinter der CDU. Ob sie die Christdemokraten nach 14 Jahren in Wiesbaden ablösen wird, hängt auch von den Grünen ab - die hatten zuletzt deutlich Stimmen verloren.

Hessischer Landtag

Quelle: dpa

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Jörg-Uwe Hahn, FDP

Jörg-Uwe Hahn (rechts im Bild, im Hintergrund Volker Bouffier) macht mit Gemüse Wahlkampf. Der Chef der Hessen-FDP wettert kräftig gegen die Grünen. Bevormunden würde die Öko-Partei die Bürger, twitterte der 56-Jährige, man müsse das Grünzeug retten. Und: "Die freie Wahl gibt's nur mit liberal". Seine Partei liegt in Umfragen mit fünf Prozent deutlich hinter den Grünen und muss um den Einzug in den Landtag fürchten. Ganz anders vor vier Jahren: Damals erreichten die Liberalen mit ihm als Spitzenkandidaten 16,2 Prozent - ein Rekord-Ergebnis. In der schwarz-gelben Regierung wurde der Rechtsanwalt Hahn Justizminister. Diese Koalition will er weiterführen, die FDP hat sich als einzige Partei im Wahlkampf auf einen Partner festgelegt - und spekuliert wohl auch auf Leihstimmen von den Christdemokraten.

Klausur Grünen Bundesvorstand

Quelle: dpa

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Tarek Al-Wazir, Bündnis 90/Die Grünen

Einmal schon war der Ministerposten für ihn zum Greifen nahe. In einer von der Linkspartei geduldeten Minderheitsregierung unter SPD-Chefin Andrea Ypsilanti wollte Tarek Al-Wazir 2008 deren Stellvertreter und Umweltminister werden. Doch abtrünnige Sozialdemokraten verhinderten die Regierung. Nach den Neuwahlen landeten die Grünen wieder in der Opposition, obwohl sie ihr Ergebnis fast verdoppelten. Al-Wazir, Politologe mit jemenitischen Wurzeln, führt die Öko-Partei in Hessen seit 2007, Fraktionschef ist er schon 13 Jahre lang. Zum Jahreswechsel sagten Prognosen seiner Partei noch 20 Prozent voraus, der 42-Jährige hoffte auf eine zweite Chance. Selbstbewusst erklärte er seine Ambitionen auf das Amt des Wirtschaftsministers in Wiesbaden. Acht Monate später ist fraglich, ob es für eine Regierung mit der SPD reicht - die Grünen hatten zuletzt in Umfragen deutlich schlechtere Ergebnisse erzielt.

Dorn und Al-Wazir auf Wahlkampftour

Quelle: dpa

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Angela Dorn, Bündnis 90/Die Grünen

Mit 81,9 Prozent der Stimmen wählten die hessischen Grünen Angela Dorn auf Platz 1 ihrer Landesliste, vor Fraktionschef Al-Wazir mit 92,9 Prozent. Dass die 31-jährige Dorn auf der Spitzenposition landete, obwohl der Grünen-Vorsitzende gute zehn Prozent mehr Stimmen erhalten hat, liegt an einer parteiinternen Regel: Der erste Platz auf der Wahlliste geht immer an eine Frau. Die Opposition nannte Dorn deshalb eine "Alibifrau", die eigentlich nichts zu sagen habe. Die Diplom-Psychologin, Jahrgang 1982, ist vor vier Jahren in den Landtag gewählt worden, als jüngste Parlamentarierin in Hessen. Mittlerweile ist sie umwelt- und energiepolitische Sprecherin ihrer Fraktion und setzt sich für den Bau von Windrädern ein - die finde sie nicht nur energiepolitisch sinnvoll, sondern auch ästhetisch.

Janine Wissler

Quelle: dpa

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Janine Wissler, Die Linke

Vor zwei Jahren wollte Janine Wissler Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main werden. 3,8 Prozent der Frankfurter stimmten für sie. Die damals 30-Jährige nahm es mit Humor. "Ich habe es ausgerechnet: Ich könnte noch fünf Mal zur Oberbürgermeisterwahl antreten," erklärte die Chefin der Linke-Fraktion später. Jetzt führt sie ihre Partei in die Landtagswahl, die Prognosen sagen ein Ergebnis von etwa vier Prozent voraus - damit würde die Linke aus dem Landtag fliegen. Ein Wechsel nach Berlin ist für die Politikwissenschaftlerin trotzdem keine Option, auch wenn sie bei den Linken im Bundestag immer wieder ins Gespräch gebracht wird. Im hessischen Wahlkampf will Wissler mit Kritik am Fluglärm punkten und erklärte vor kurzem, sie würde eine rot-grüne Minderheitsregierung dulden. Aber nur, wenn diese die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen schließe.

Landtag Wiesbaden - van Ooyen

Quelle: dpa

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Willi van Ooyen, Die Linke

Zehn Monate lang führte er die Links-Fraktion, ohne Linke-Mitglied zu sein. Vor fünf Jahren wurde Willi van Ooyen zum ersten Mal in den hessischen Landtag gewählt und dort gleich Fraktionschef. Bei den Neuwahlen im folgenden Jahr trat er als Spitzenkandidat an - und kurz vorher der Partei bei. Die Linke bekam 5,4 Prozent der Stimmen und schaffte es gerade so in den Landtag. Der 66-jährige van Ooyen, gelernter Elektroinstallateur und Diplom-Pädagoge, hatte sich vorher jahrzehntelang ohne Partei politisch engagiert: gegen den Vietnamkrieg, gegen Kapitalismus, gegen Nazis. Weil ihn als Chef der Deutschen Friedens-Union in den achtziger Jahren die DDR bezahlte, nannte die CDU ihn einen kommunistischen "Einflussagenten". Van Ooyen, erklärter Pazifist, revanchierte sich und betitelte Ex-CDU-Chef Roland Koch als "schießwütigen Gewalttäter".

© Süddeutsche.de/chu/beitz/rus
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