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Landtagswahl in Hessen:Bouffier setzt auf das Prinzip Huckepack

Volker Bouffier, CDU, Landtagswahl Hessen

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier auf einer Wahlkampfveranstaltung der CDU

(Foto: dpa)

Ausgerechnet in Hessen, wo Roland Koch in früheren Wahlkämpfen zuweilen bis über die Schmerzgrenze hinaus polarisierte, setzt CDU-Spitzenkandidat Bouffier auf eine Wohlfühl-Kampagne. Merkel soll mit ihrer Popularität helfen - sie ist Vorbild und Zugmaschine zugleich. Doch selbst im eigenen Lager gibt es Zweifel an dieser Taktik.

Es gab deftige Kost, und vor allem die Christdemokraten selbst langten richtig zu. Sie lachten und freuten sich über ihre Idee. Es war eine Attacke ganz nach ihrer Art, bewusst gesetzt im hessischen Landtag. Allerdings wählte die hessische CDU für ihre Aktion nicht das Plenum des Landtags. Ministerpräsident Volker Bouffier hielt keine Rede, wie man es für eine Sitzung kurz vor der Landtagswahl hätte erwarten können. Er redete auch gar nicht im Landtag, überließ das politische Geschehen seinen Parteifreunden; die finale Redeschlacht mit seinem Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel von der SPD blieb aus. Bouffier aß Wurst.

Um vor der drohenden vegetarischen Mission der Grünen, dem "Veggie-Day", zu warnen, servierte die CDU-Fraktion im Landtag zu Wiesbaden Würste, und der Regierungschef erklärte, dass er es "prima" finde, wenn sich Menschen gesund ernähren. Ebenso prima fände er es, wenn es überall ein vegetarisches Angebot gebe, nur vorschreiben solle man das den Bürgern nicht. Und aß weiter Wurst. Kontrahenten von SPD und Grünen klagten hinterher, dass sie den Regierungschef lieber in den Debatten im Plenum erlebt hätten, zur Steuergerechtigkeit oder zur Energiewende. Aber die große politische Kontroverse ist nicht Bouffiers Sache, nicht mehr.

Ausgerechnet in Hessen, wo sein Vorgänger Roland Koch in früheren Wahlkämpfen zuweilen bis über die Schmerzgrenze hinaus polarisierte, setzt dieser CDU-Spitzenkandidat auf eine Wohlfühl-Kampagne. Hier hieß es seit Jahrzehnten: die oder wir! Bei extrem engen Wahlausgängen stand das schwarz-gelbe Lager unerbittlich gegen Rot-Grün. Faktisch ist das auch diesmal so, zwischen den Lagern gibt es keine Brücken, einige Spitzenkandidaten trennt tiefe Antipathie. Wenn sie nur kurz nebeneinander stehen müssen, wirken Bouffier und Schäfer-Gümbel schnell angespannt.

Bouffier will auch den Rest

Der 61-jährige Christdemokrat hat sich einst als Innenminister unter Koch einen Ruf als Hardliner und Haudegen erworben, bevor er 2010 dessen Nachfolge übernahm. Seit einigen Monaten aber gibt er den Regierungschef für alle, und zwar wirklich alle: Sein Wahlwerbespot ist eine Provokation für jeden, der an das Wort Kampf in Wahlkampf glaubt: Mehr als ein Dutzend Hessen geben ein kurzes Bekenntnis ab, das aus einem "Ja!" besteht, mal schnurrend, mal lachend, mal gedehnt zufrieden ausgesprochen. Einzelne setzen ein "Super!" hinzu, und am Ende freut sich Bouffier, dass 96 Prozent aller Hessen das Land gut fänden. Genug sei ihm das aber nicht, er wolle auch den Rest.

Also breitet er seine Arme im Wahlkampf weit aus: Da mag Rot-Grün beklagen, dass Hessen faktisch beim Ausbau der Kinderbetreuung zurückliegt, wie auch beim Ausbau der Ganztagsschulen. Bouffier verspricht, dass er sich für berufstätige Eltern ebenso einsetzen will wie für alle, die bei ihren Kindern bleiben. Sogar beim größten Streitthema in Hessen, der Schulpolitik, gibt er sich offen: Er will sowohl das G 8 als auch das G 9 zulassen, sogar Gesamtschulen lässt er gelten.