Krieg in Syrien:Kampf gegen den IS - der kleinste gemeinsame Nenner

Turkish army tanks take position on top of a hill near Mursitpinar border crossing in the southeastern Turkish town of Suruc

Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien. Das Land möchte Russland im Kampf gegen den IS stärker unterstützen.

(Foto: Umit Bektas/Reuters)
  • Die Türkei und Russland wollen gemeinsam gegen den Islamischen Staat kämpfen. Das hat der türkische Außenminister erneut öffentlich bekräftigt.
  • In der Vergangenheit waren die Beziehungen der beiden Länder belastet.
  • Wie ihre Kooperation in Zukunft aussehen soll, ist nicht klar.

Von Moritz Baumstieger und Luisa Seeling

Die Türkei hat Russland ein gemeinsames Vorgehen gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) in Syrien angeboten. "Wir müssen gemeinsam gegen Daesch kämpfen", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu am Donnerstag dem Sender NTV.

Das von ihm gebrauchte Wort "Daesch" ist ein abwertender arabischer Begriff für die Dschihadistenmiliz. "Wir werden uns mit unseren Flugzeugen aktiv an den Operationen beteiligen." Wie genau die angestrebte militärische Kooperation aussehen könnte, dazu wurde zunächst weder aus Ankara noch aus Moskau etwas bekannt.

Die Präsidenten Russlands und der Türkei hatten am Dienstag ein Ende der Krise zwischen ihren Ländern verkündet. Bei einem Treffen in St. Petersburg vereinbarten Recep Tayyip Erdoğan und Wladimir Putin die Einrichtung eines bilateralen Komitees, in dem gemeinsame Interessen in der Syrien-Krise ausgelotet werden sollen. Diese Gruppe hat ihre Arbeit nun aufgenommen. Vertreter des türkischen Geheimdienstes, der Armee sowie Außenpolitik-Experten seien zu Gesprächen in Moskau, bestätigte Çavuşoğlu.

Russisch-türkische Beziehungen sind belastet

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern hatten sich im November dramatisch verschlechtert. Das türkische Militär schoss an Syriens Grenze einen russischen Kampfjet ab, der angeblich in den türkischen Luftraum eingedrungen war. In der Folge setzte die Türkei ihre Angriffe auf den IS aus, weil sie einen Vergeltungsschlag russischer Einheiten von syrischem Boden aus fürchtete.

Moskau verhängte Sanktionen. Importverbote und ein Stopp aller Charterflüge für russische Touristen in die Türkei trafen deren Wirtschaft hart. Ankara begründet die angestrebte Militärkooperation mit Moskau damit, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen sollen. "Wir haben vereinbart, in engem Kontakt zu bleiben, um solche Vorkommnisse zu verhindern", sagte Erdoğans Sprecher Ibrahim Kalın dem Sender A Haber. Die Zusammenarbeit dürfte sich allerdings schwierig gestalten. Einig sind sich die Türkei und Russland nur darin, dass der IS bekämpft werden muss; in anderen Punkten verfolgen sie diametral entgegengesetzte Ziele. Moskau unterstützt die Kurdenmiliz YPG, die Türkei hingegen will verhindern, dass kurdische Kräfte quasi-staatliche Strukturen in Syrien errichten. Auch in ihrer Haltung zum syrischen Präsidenten sind die beiden Staaten uneins, wie Çavuşoğlu einräumte: "Wir mögen anders denken, was Assad betrifft." Während Russland alles tut, um dessen Macht zu retten, unterstützt die Türkei die Rebellen, die ihn bekämpfen - auch islamistische Gruppen.

Kurze Feuerpause

Russland wird immer wieder vorgeworfen, den Kampf gegen den IS nur als Vorwand zu benutzen, um gegen die anderen Rebellen vorzugehen, die Assads Macht bedrohen. Nachdem die Kämpfe in Aleppo eskalierten und zu katastrophalen humanitären Zuständen führten, hatte Moskau am Mittwoch eine tägliche dreistündige Feuerpause zugesagt.

Doch schon am ersten Tag brach Russland nach Angaben von Beobachtern dieses Versprechen, die Kämpfe gingen weiter. Am Donnerstag griff die russische Luftwaffe auch die IS-Hochburg Raqqa an. Dabei starben mindestens 30 Menschen, nach Angaben von Aktivisten sowohl Zivilisten als auch Kämpfer des IS.

© SZ vom 12.08.2016
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