Köhler-Nachfolge:Die Ministerin, auf die Merkel nicht verzichten will

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An eine Öffnung für Leute von außen wurde nie ernsthaft gedacht. Angesichts der schweren Krankheit, welche die schwarz-gelbe Regierung befallen hat, war den Spitzen dieser Regierung Großzügigkeit bei der Kandidatenselektion nicht möglich. Die Bundespräsidenten-Wahl wird von Schwarz-Gelb als ein entscheidender Test der Funktionsfähigkeit der Koalition gesehen. Deswegen die schnelle Nominierung, deswegen die parteiische Auswahl. Am 30. Juni steht im Reichstag nicht nur Christian Wulff zur Wahl, sondern es steht auch die Zukunft der Regierung auf dem Spiel. Die Koalition muss zeigen, dass sie wichtige Entscheidungen noch durchsetzen kann.

Joachim Gauck, der von SPD und Grünen nominiert wird, wäre in einer anderen Situation unter stabileren politischen Umständen ein Mann, der viel Rückhalt auch in Union und FDP, wenn auch nicht in der Linkspartei, finden könnte. Er verkörpert jenes größere, komplizierte Deutschland, in dem wir seit 1990 leben, allemal besser als ein jüngerer Ministerpräsident aus dem Westen.

Das Verkörpern ist eine Frage der Lebensführung und der Lebenserfahrung, es schafft im besten Falle Identifikation. Sicher, ein Bundespräsident muss auch repräsentieren, aber Respekt, Anerkennung oder gar Beliebtheit wird er gewinnen, wenn sich viele Menschen mit ihm identifizieren können, weil er, pathetisch gesprochen, etwas von dem verkörpert, was Deutschland ausmacht. Christian Wulff kann repräsentieren, aber es ist nicht klar, was er verkörpert.

Merkel hat sie politisch allesamt überlebt

Die Ministerin Ursula von der Leyen wollte Merkel nicht ziehen lassen. Sie ist ihr zu wichtig im Kabinett und auch sonst. (Anders übrigens als der Ministerpräsident Wulff.) Merkel wird nun nach dem Rückzug von Roland Koch und der Himmelfahrt Wulffs auch die Parteispitze umbauen müssen. Die Ära der grau gewordenen CDU-Nachwuchsmänner Wulff, Koch, Oettinger etc. ist unter Mithilfe Merkels zu Ende gegangen.

Angela Merkel hat sie politisch allesamt überlebt - und dies ist kein Zufall. Sie formt die Partei, mal bewusst, mal eher aus Versehen, nach ihrem Bilde, was auch zur Folge hat, dass man nicht immer so ganz genau weiß, wo die CDU gerade mit wem steht. Und Angela Merkel, die Königin der entschiedenen Unentschiedenheit, ist immerhin gerade dabei, ihren zweiten Bundespräsidenten zu machen: nach Horst Köhler nun Christian Wulff.

Und dennoch hat die Operation Bundespräsident auch gezeigt, wer nun als Kronprinz, nein: als Kronprinzessin der Königin Angela zu gelten hat. Ursula von der Leyen ist es, die Frau, die als Politikerin zu wichtig ist, als dass sie Bundespräsidentin hätte werden sollen.

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