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Diplomatie:China bestätigt Besuch von Nordkoreas Machthaber Kim

  • Kim Jong-un habe sich von Sonntag bis Mittwoch in Peking aufgehalten, teilte die chinesische Staatsagentur Xinhua mit.
  • Zuvor war über den mysteriösen Besuch eines ranghohen Politikers aus Nordkorea spekuliert worden, der mit einem gepanzerten Zug in der chinesischen Hauptstadt eingetroffen war.
  • Gegenüber Chinas Staatschef Xi wiederholte Kim, dass er sich "der Denuklearisierung verpflichtet" fühle.

China hat einen Besuch von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bestätigt. Bei Kims Aufenthalt in Peking habe es sich um eine "inoffizielle Visite" gehandelt, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Kim sei auf Einladung des chinesischen Staatschefs Xi Jinping angereist und habe sich von Sonntag bis Mittwoch in der chinesischen Hauptstadt aufgehalten.

Zuvor war über den mysteriösen Besuch eines ranghohen nordkoreanischen Politikers in Peking spekuliert worden, nachdem ein gepanzerter Zug aus Nordkorea eingetroffen war. Die Spekulationen hatten unter anderem Hoffnungen auf neue Bewegung im Atomkonflikt mit Pjöngjang geweckt.

Kim und Xi seien zunächst zu Gesprächen in der Großen Halle des Volkes zusammengekommen, berichtete Xinhua. Später hätten Xi und seine Frau Peng Liyuan einen Empfang für den koreanischen Machthaber und dessen Frau Ri Sol-ju gegeben. Auch Regierungschef Li Keqiang und Mitglieder des Zentralkomitees trafen demnach zu Gesprächen mit Kim zusammen.

"Die Frage der Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel kann gelöst werden"

Chinas Präsident Xi unterstrich die Bedeutung der Freundschaft der beiden Nachbarstaaten und hob hervor, dass Kims Besuch zu einer besonderen Zeit erfolge. Er würdigte zudem die "positiven Veränderungen" auf der koreanischen Halbinsel in diesem Jahr, wobei China weiterhin am Ziel der Entnuklearisierung sowie an der Lösung von Problemen durch Dialog festhalte.

Gegenüber Chinas Staatschef Xi wiederholte Kim demnach seine Aussage, dass er sich "der Denuklearisierung verpflichtet" fühle. "Die Frage der Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel kann gelöst werden, wenn Südkorea und die USA auf unsere Bemühungen mit Wohlwollen reagieren, eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität schaffen, während gleichzeitig progressive und synchrone Schritte in Richtung des Friedens ergriffen werden", wurde Kim zitiert.

Es war das erste Mal seit seinem Amtsantritt vor gut sechs Jahren, dass Kim Jong-un sein Land verließ und ins Ausland reiste. Er hatte die Macht nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-il im Dezember 2011 übernommen. Kim Jong-il hatte China etliche Male besucht, zuletzt noch im Mai 2011. Seine Visiten in China erfolgten stets im Geheimen und wurden von Peking immer erst bestätigt, nachdem er bereits wieder zurück in Nordkorea war.

Absprache vor dem Gipfeltreffen mit den USA?

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump wurde nach eigenen Angaben von China über den Besuch Kim Jong-uns in Peking informiert. Die chinesische Regierung habe das Weiße Haus am Dienstag kontaktiert und dabei auch eine persönliche Nachricht von Präsident Xi an Trump übermittelt, erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders in Washington. Die jüngsten Entwicklungen seien ein weiterer Beweis dafür, dass Trumps Kampagne des maximalen Drucks eine "angemessene Atmosphäre" für einen Dialog mit Nordkorea schaffe, fügte sie hinzu. Die US-Regierung stehe in engem Kontakt mit Südkorea und Japan.

Nordkoreas Machthaber plant nach Angaben aus Seoul und Washington Ende April ein Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon und bis Mai eine Zusammenkunft mit US-Präsident Trump. Experten gehen davon aus, dass Kim sich vor den beiden Gipfeltreffen mit China absprechen wollte.

Tatsächlich ist Peking der wichtigste Verbündete Pjöngjangs. Chinas Hilfslieferungen und dessen Unterstützung bei Energieversorgung und Handel halten die marode nordkoreanische Wirtschaft über Wasser. Zuletzt hatten sich die bilateralen Beziehungen wegen der von Kim vorangetriebenen Entwicklung von Atomwaffen und Langstreckenraketen jedoch abgekühlt. Im vergangenen Jahr hatte die Führung in Pjöngjang die Muskeln spielen lassen: Neben dem bisher umfangreichsten Atomtest führte das kommunistische Land drei Versuche mit Interkontinentalraketen durch, die theoretisch US-Festland erreichen können.

© SZ.de/dpa/AP/AFP/jobr
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