Katholische Kirche:Strafbefehl gegen polnischen Priester

Debate About LGBT Ideology and Gender in Krakow

Dariusz Oko stellt sich als Opfer des Kölner Amtsgerichts dar.

(Foto: Artur Widak/picture alliance/NurPhoto)

Das Amtsgericht Köln verhängt eine Geldstrafe wegen Volksverhetzung gegen den bekannten Theologen Dariusz Oko, weil dieser homosexuelle Priester als "rücksichtslose Parasiten" bezeichnete. Die Nationalkonservativen in Polen reagieren empört.

Von Annette Zoch

Eine deutsche Gerichtsentscheidung löst im katholischen Polen große Aufregung aus: Das Kölner Amtsgericht hat gegen den polnischen Theologieprofessor und Priester Dariusz Oko einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung erlassen. Grund ist ein Artikel Okos in der deutschsprachigen Zeitschrift Theologisches, in dem er homosexuelle Priester unter anderem als "Plage" und bezeichnet. Wörtlich heißt es im Artikel: "Eine solche Homomafia verhält sich wie jede Mafia wie ein rücksichtsloser Parasit, wie ein Krebsgeschwür, das sogar bereit ist, seinen Wirt zu töten, die letzten Ressourcen und Vorräte aus ihm herauszusaugen, um seine bequeme Existenz zu sichern", so schreibt Oko über homosexuelle Priester. Der Artikel trägt die Überschrift "Über die Notwendigkeit, homosexuelle Cliquen in der Kirche zu begrenzen".

Diese Aussagen seien geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören und gegen einen Teil der Bevölkerung zum Hass anzustacheln, entschied das Kölner Amtsgericht in dieser Woche und erließ eine Geldstrafe gegen Dariusz Oko über 4800 Euro. Auch gegen Chefredakteur Johannes Stöhr, der in Köln lebt, wurde Strafbefehl verhängt. Laut einer Gerichtssprecherin haben Stöhr und Oko jeweils Einspruch dagegen eingelegt. Deshalb gebe es noch keine rechtskräftige Entscheidung, es komme in beiden Fällen voraussichtlich zu einer Hauptverhandlung. Ein Termin hierfür stehe noch nicht fest.

In Polen hat das deutsche Urteil auch die Politik auf den Plan gerufen: Der nationalkonservative Vizejustizminister Marcin Romanowski verurteilte die Strafbefehle scharf. Das Gericht habe "die akademische Freiheit mit Füßen getreten und gezeigt, dass es die Folterer mehr schätzt als die Opfer". Solche "Paranoia" dürfe man in Polen nicht zulassen. Oko äußerte sich im polnischen Fernsehen: Er habe einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben und "bekannte Fakten über Homosexuelle in Soutane und ihre Gewohnheiten" gesammelt.

Oko ist in Polen kein Unbekannter: Der 61-Jährige ist Leiter des Lehrstuhls für Kognitive Philosophie der Päpstlichen Universität "Johannes Paul II." in Krakau und häufig Gast in polnischen Talkshows. Er ist Autor eines Buchs mit dem Titel "Lavendel-Mafia" über angebliche schwule Netzwerke innerhalb der katholischen Kirche. Kritiker verurteilten es als offen homophob. Die Zeitschrift Theologisches ist laut Selbstdarstellung "um die Wahrung der katholischen Identität" bemüht, "ohne falsche diplomatische Rücksichten, aber auf wissenschaftlich fundierte, von kleinlicher Polemik freie und dem kirchlichen Lehramt treu ergebene Weise".

Hassmails gegen den Münchner Priester, der die Strafanzeige stellte

Manfred Hauke, Herausgeber der Zeitschrift und Professor für Dogmatik im schweizerischen Lugano, verteidigte den Text: Oko habe "zum Teil kräftige Ausdrücke gebraucht", sagte er der SZ. "Wer sie aus dem Zusammenhang reißt, könnte sie eventuell als Verunglimpfung von Menschen verstehen mit homosexuellen Neigungen. Das wäre freilich ein Missverständnis." Wer die sizilianische Mafia kritisiere, wende sich damit ja auch nicht gegen Sizilianer im Allgemeinen. Die Kritik von Oko betreffe nicht Homosexuelle im Allgemeinen und nicht pauschal homosexuelle Geistliche, er beziehe sich vielmehr auf eine Gruppe, die Oko mit Verweis auf ein Zitat von Papst Franziskus am Beginn seines Aufsatzes definiere: "Es ist besser, das Priestertum oder ihr geweihtes Leben aufzugeben als ein Doppelleben zu führen."

Auf einer Homepage sammeln Unterstützer nun Unterschriften für eine Petition an Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Kölner Amtsgericht, "verteidigen wir Pfarrer und Prof. Dariusz Oko, sagen wir Nein zur Zensur des Wortes" heißt es dort. Ins Leben gerufen hat die Homepage das umstrittene, ultrakonservative polnische Institut Ordo Iuris, das der Regierungspartei PiS nahesteht.

Die Homepage richtet sich insbesondere auch gegen den Münchner Priester Wolfgang Rothe, der im April Strafanzeige gegen Oko und Stöhr gestellt hatte und der im Mai bei der bundesweiten Aktion #liebegewinnt homosexuelle Paare gesegnet hatte. Er erhalte nun aus Polen eine Flut von Hassmails, sagte Rothe der SZ. "Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass Rechtspopulisten auf pseudokirchliche Themen anspringen, um konservative Christen ins Boot zu holen. Es geht den Rechtspopulisten dabei nicht um religiöse Motive, sondern um Aufmerksamkeit für ihre Sache."

© SZ
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