Axel Springer:Ausverkauf in Osteuropa

Mathias Döpfner und Friede Springer bei der Verleihung des B.Z.-Kulturpreises am 28. Januar im Haus der Berliner Festspi

Mathias Döpfner und Friede Springer müssen sich inzwischen die Macht mit dem Finanzinvestor KKR teilen.

(Foto: imago images/Eventpress)

Er ist der erste große Einschnitt seit dem Einstieg des Finanzinvestors KKR: Axel Springer veräußert alle osteuropäischen Medienaktivitäten bis auf Polen an den Partner Ringier.

Von Caspar Busse

Vor zwei Jahren war Mathias Döpfner voll des Lobes. "Es ist eine neue Ära im Sinne eines Befreiungsschlags", sagte der Vorstandsvorsitzende des Medienunternehmens Axel Springer zum Einstieg des amerikanischen Finanzinvestors KKR. Jetzt könne Springer seine Wachstumsstrategie umsetzen, und zwar "mit einem Partner, der nicht an das nächste Quartalsergebnis denkt". KKR auf der einen Seite sowie Friede Springer und Döpfner auf der anderen Seite halten seitdem jeweils knapp die Hälfte der Anteile an Springer.

An diesem Mittwoch verkündete Döpfner nun den ersten großen strategischen Schritt: Springer trennt sich von fast allen journalistischen Aktivitäten in Osteuropa. Der langjährige Partner der Berliner, das Schweizer Medienunternehmen Ringier, übernimmt sämtliche Anteile von Axel Springer in Ungarn, Serbien, der Slowakei und in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Bislang wurde das Geschäft in einem gleichberechtigten Gemeinschaftsunternehmen betrieben. Es geht um insgesamt mehr als 200 Digital- und Printprodukte mit zusammen 3100 Mitarbeitern. 2019 lag der Umsatz des Bereichs bei rund 260 Millionen Euro, neuere Zahlen gibt es nicht. Nur in Polen, mit rund 40 Millionen Menschen einer der größten Medienmärkte in Osteuropa, bleibe Springer zusammen mit Ringier weiter tätig. Axel Springer werde sich künftig auf das Digitalgeschäft in den großen strategischen Märkten Deutschland, USA und Polen konzentrieren. Ringier zahlt einen Kaufpreis an Springer, über dessen Höhe wurde nichts bekannt.

The logo of Swiss publishing group Ringier is seen in Zurich

Das Logo des Schweizer Medienunternehmens Ringier.

(Foto: ARND WIEGMANN/REUTERS)

Springer (Bild, Welt) und Ringier - zum Unternehmen gehört unter anderem die größte Schweizer Boulevardzeitung Blick - haben sich vor elf Jahren zusammengetan und ein Gemeinschaftsunternehmen für Osteuropa gegründet. Springer brachte damals die Aktivitäten in Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn sowie eine Ausgleichszahlung von 125 Millionen Euro ein, Ringier das übrige Geschäft. Es war ein 50-50-Unternehmen "auf Augenhöhe", wie es hieß, was bei Springer voll konsolidiert wurde. Ursprünglich war mal ein Börsengang des Gemeinschaftsunternehmens geplant, der aber nie zustande kam. Investiert wurde vor allem in die Digitalisierung. Der Anteil der digitalen Aktivitäten am Umsatz liege heute bei 70 Prozent, am bereinigten operativen Gewinn im ersten Halbjahr 2021 habe er bei rund 85 Prozent gelegen, teilte der Chef des Gemeinschaftsunternehmens, Mark Dekan, mit. Die Übernahme der Aktienanteile soll im Verlaufe des Jahres 2021 abgeschlossen sein. Der Vollzug der Transaktion setze eine Zustimmung der zuständigen örtlichen Kartellrechtsbehörden voraus.

Springer will eigentlich als Digitalkonzern "weltweiter Marktführer" werden

Springer hatte nach dem Einstieg von KKR, in dessen Folge auch die Notierung an der Börse aufgegeben wurde, ein deutliches Wachstum angekündigt. "Wir wollen als Digitalkonzern eine weltweite Marktführerrolle erlangen", sagte Döpfner vor zwei Jahren. Seitdem ist aber noch nicht viel passiert, ganz große Zukäufe gab es nicht. Stattdessen wurde immer wieder über die Zukunft der Medienmarken diskutiert, vor allem über die Welt. Verlagserbin Friede Springer hat sich aber klar zu der Tageszeitung bekannt. Zuletzt wurde bekannt, dass die wochentäglichen Ausgaben der Welt weiter ausgedünnt und die Samstagsausgabe gestrichen werden soll. Stattdessen erscheint die Welt am Sonntag nun am Samstag und aktualisiert nochmal am Sonntag.

Nun trennt sich Springer erstmals in großem Ausmaß von journalistischen Produkten. Das Mediengeschäft in Osteuropa gilt ohnehin als schwierig, auch andere Medienunternehmen haben sich zurückgezogen. Man setze weiter auf Osteuropa, sagte dagegen Ringier-Chef Marc Walder: "Diese Transaktion ist ein Bekenntnis zu unserem langfristig angelegten Engagement als moderner Medieninvestor in Osteuropa. Das Portfolio dieser Länder passt ideal zu uns mit." Ringier ist zusätzlich in Rumänien und Bulgarien präsent.

© SZ
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