Kanzlerin bildet Kabinett um Merkel schaltet Röttgen ab

Was ist zwischen den beiden vorgefallen? Ganz genau wissen das nur Merkel und Röttgen. Es muss aber dramatisch gewesen sein. Die Kanzlerin macht kurzen Prozess mit dem Wahlverlierer von NRW und ersetzt ihn als Umweltminister durch ihren Vertrauten Peter Altmaier. Klar ist: Röttgen hat sich maßlos verzockt - und Merkel geht ein hohes Risiko ein.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Eine Entlassung war das nicht. Das wäre noch harmlos gewesen. Nein, Kanzlerin Merkel hat ihren Umweltminister Norbert Röttgen schlicht rausgeschmissen, vor die Tür gesetzt. Und das in hohem Bogen. Nur Merkel und Röttgen wissen im Moment, was genau in den vergangen zwei Tagen seit der desaströsen Wahlniederlage von Röttgen zwischen ihnen passiert ist, dass die Lage so eskalieren konnte.

Röttgen galt als "Muttis Liebling", als "Muttis Klügster". Als treuer Diener seiner Herrin. Er hat immer deutlich gemacht: Er wäre gerne Kanzler geworden. Nicht gegen Merkel. Mit ihr. Er hätte keinen Putsch gegen Merkel geführt. Er nicht. Merkel wusste das.

Und doch muss er sie maßlos enttäuscht haben. Anders ist die Art und Weise dieses Rauschmisses nicht zu erklären. Merkel steht im Kanzleramt allein vor der Presse. Kurz danach meldet sich aus dem Bundestag der Nachfolger Peter Altmaier zu Wort. Von Norbert Röttgen ist nichts zu hören. Er darf oder will nichts sagen.

Vielleicht war es Röttgens Versuch, die Abstimmung in NRW zu einer Abstimmung über Merkels Politik zu machen, der Merkel erzürnt hat. Vielleicht war er ihr nach dem Wahldebakel nicht demütig genug. Wie selbstverständlich hat er noch am Montag klargemacht, er sehe sich bis wenigstens zur Bundestagswahl 2013 im Amt. Merkel hat da nicht widersprochen.

Vielleicht aber hat sich Röttgen auch einfach zu viele Feinde in Berlin und Düsseldorf gemacht auf seinem Weg nach oben, als dass Merkel jetzt noch an ihm hätte festhalten können. Einer heißt Volker Kauder, der Fraktionschef im Bundestag. Röttgen wäre nach der Bundestagswahl 2009 gerne Fraktionschef geworden. Er hatt schon seine Truppen um sich geschart, um Kauder auszubooten. Kauder hat Wind von der Sache bekommen. Seitdem ist das Verhältnis zerrüttet.