USA:Trübe Brühe

Wer ein echter Trump-Fan ist, der würde nie zu Starbucks gehen. Also kauften die Rechten ihre Bohnen bei "Black Rifle Coffee". Bis jetzt.

Von Thorsten Denkler, New York

Für Trump-Anhänger ist es gar nicht so leicht, einen ordentlichen Kaffee zu bekommen. Marktführer in den USA ist Starbucks, die von linken Hippies im ultraliberalen Seattle gegründete Kaffeehaus-Kette. Die gibt es praktisch überall. Nichts für Leute, die Waffen lieben, den Trumps folgen und den Sturm auf das Kapitol für ein Komplott der Antifa halten.

Aufrechten Republikanern ohne Kaffeeheimat bietet ein Unternehmen aus Salt Lake City seit einiger Zeit beides: eine feine Röstung und das gute Gefühl, mit jedem Schluck "America first" zu trinken. Schon der Name hat Feuerkraft: "Black Rifle Coffee", "Schwarzes Gewehr Kaffee". Der Kriegsveteran Evan Hafer hat das Unternehmen 2014 explizit als Pro-Militär-, Pro-Polizei- und Anti-Hipster-Marke gegründet. Was das bedeutet, zeigt sich im Online-Shop. Dort können die Kunden etwa zwischen den Kaffeesorten "Sanfter Schalldämpfer", "Kanonenboot" oder schlicht "Freiheit" wählen.

Lange Zeit gab es die Röstungen nur auf der Website des Unternehmens. Doch der politische Auftstieg von Donald Trump zum US-Präsidenten ließ auch das Unternehmen wachsen. Die Macher nutzten das. Und schalteten Anzeigen, in denen sie sich zu Trump bekannten. "Black Rifle Coffee" wurde so zum "inoffiziellen Heißgetränk" der "Make America Great Again"-Bewegung, schrieb die New York Times, zum Starbucks für Rechte. Inzwischen gibt es den Kaffee landesweit in Supermärkten, Tankstellen-Shops und natürlich in diversen Waffengeschäften.

Wer seine Sympathien für die "Maga"-Bewegung subtil kundtun wollte, der kaufte sich zudem ein "Black Rifle Coffee"-Hoodie oder -T-Shirt. Genau das aber hat das Unternehmen am Ende in Konflikt mit seinen treuesten Kunden gebracht: Im vergangenen Sommer, auf dem Höhepunkt der "Black Lives Matter"-Proteste, erschoss der Teenager Kyle Rittenhouse zwei linke Demonstranten. Es gibt ein Bild von ihm aus dem Herbst 2020, auf dem er ein "Black Rifle Coffee"-T-Shirt trägt. Er war da gerade gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar gingen zwei Bilder von Aufrührern um die Welt, die Baseballkappen der Kaffeemarke trugen.

In beiden Fällen hat sich Hafer von den Ereignissen distanziert. Und dann schnell zu spüren bekommen, dass mit einem gewissen Teil seiner Kundschaft nicht zu spaßen ist. In rechten Online-Gruppen wird Hafer seitdem als Verräter bezeichnet. Ihm werden die übelsten Sachen an den Hals gewünscht. In einem Gespräch mit der New York Times bricht Hafer jetzt mit Teilen der "Maga"-Bewegung. Die Hardcore-Rechten, das sei eine "abstoßende Gruppe von Leuten". Sie gehörten zum "Schlimmsten in der amerikanischen Gesellschaft".

Manche seiner Kunden sind jetzt verzweifelt auf der Suche nach neuen Kaffeelieferanten. Die stehen auch schon bereit. Etwa die 2017 gegründete Rösterei "Right Wing Brew". Beworben wird die bisher einzige und gleichnamige Röstung so: "Dieser Kaffee kann Sie dazu verleiten, Waffen zu lieben, Adler zu reiten, Steaks zu essen, Republikaner zu wählen, für die Nationalhymne aufzustehen und sich weniger um Europa zu kümmern." Ein Kaffee also ganz nach Trumps Geschmack.

© SZ
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