Kämpfe um Ost-Ghouta Ich kann gar nicht mehr so viele Superlative finden, um die verheerende Situation vor Ort zu beschreiben

Noch mal: Unter den Verteidigern von Ost-Ghouta sollen sich auch Al-Qaida-Verbündete wie Jabhat Fateh al-Sham (ehemals Al-Nusra-Front) befinden.

Ost-Ghouta wird beschossen, aber das kann ja nicht dazu führen, dass wir zu dem Leid der Hundertausend Zivilisten vor Ort schweigen. In den vergangenen 48 Stunden sind eben auch viele zivile Einrichtungen unter massiven Feuerbeschuss geraten. Ich kann gar nicht mehr so viele Superlative finden, um die verheerende Situation vor Ort zu beschreiben. Ähnliches kenne ich nur aus Aleppo, wo auch niemand Rücksicht auf die Zivilisten genommen hat, um zu einer Lösung des Konflikts zu kommen.

In Aleppo wurden Ende 2016 Korridore geschaffen, die den Abzug der Rebellen ermöglichten.

Das zivile Leben in dieser Großstadt wurde unmöglich gemacht. Es ist schwierig zu sagen, ob es Zufall war, dass man immer die Krankenhäuser, Märkte und Bäckereien trifft.

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Nun benennt auch die Kanzlerin die Zustände in Syrien als Massaker und verurteilt Assad. Doch seine Verbündeten machen ihn erst gefährlich.

Wie kann man sich eine moderne Belagerung vorstellen?

Dass eine Stadt komplett abgeschlossen wird, funktioniert oft noch immer wie im Mittelalter. Allerdings war es bis vor etwa zehn Monaten noch möglich, über die Checkpoints verschiedener Gruppierungen Hilfslieferungen in die belagerten Städte zu bekommen. Dadurch entsteht natürlich eine ganz eigene Kriegsökonomie, bei der man letztendlich nicht weiß, wer davon alles profitiert. Es müssen etwa für Lebensmittel und Benzin wesentlich höhere Preise als anderswo bezahlt werden. In Ost-Ghouta gab es zudem ein weit verzweigtes Tunnelsystem, dass den Schmuggel begünstigte. Ein Kilo Reis soll dort inzwischen viereinhalb Dollar kosten, was sich aber kaum noch jemand leisten kann. Dies führt zu einer massiven Unterernährung gerade der Kinder und Mütter.

Care musste jetzt wegen der Luftangriffe die Hilfe einstellen. Was ist notwendig, damit Hundertausende Syrer wieder lebensrettende Hilfslieferungen bekommen?

Eigentlich klingt alles hohl: Die Menschen in den Kellern vor Ort sagen, dass sie kein Brot, sondern Sicherheit brauchen. Deshalb haben wir uns der UN-Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe von wenigstens einem Monat angeschlossen, um wenigstens die Nahrung zu liefern und die Verletzten zu versorgen.

Wie könnte eine längerfristige Lösung aussehen?

Es geht uns jetzt primär darum, dass eine Waffenruhe herbeigeführt wird und der humanitäre Zugang sichergestellt wird. Seit sieben Jahren leidet die Zivilbevölkerung nun unter diesem Krieg und die humanitäre Hilfe ist unter Dauerbeschuss. Das muss aufhören - unabhängig davon, um welche Kriegsparteien es sich handelt.