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Jakob Blasel:Er möchte seine eigene Marke werden

Jakob Blasel - Mitorganisator von Fridays for Future

Jakob Blasel bei der Internationalen Klimaschutzkonferenz ICCA2019

(Foto: dpa)

Bisher galt er als männliches Gesicht von "Fridays for Future", nun will Jakob Blasel für die Grünen in den Bundestag. Pläne für seine Arbeit als MdB hat er schon.

Von Philipp Bovermann

Bis vor Kurzem war er Aktivist bei "Fridays for Future". Jetzt präsentiert sich Jakob Blasel, 19 Jahre alt, auf seinem -Twitter-Profil nur noch als "Klimaaktivist". Die Marke "Fridays for Future" braucht er nicht mehr, denn er möchte gern seine eigene Marke werden und als solche in den Bundestag einziehen. Am Montagmorgen gab er bekannt, über die Landesliste der Grünen in Schleswig-Holstein kandidieren zu wollen.

Damit verliert die Bewegung ihr wahrscheinlich bekanntestes männliches Gesicht in Deutschland. Zwar sind die Aktivisten bemüht, Einzelpersonen nicht zu stark zu profilieren, nach Möglichkeit ein wechselndes Tableau empörter junger Menschen in Talkshows und auf Podien zu verteilen. Die Öffentlichkeit aber ignoriert diesen Wunsch geflissentlich. Die Berliner Aktivistin Luisa Neubauer wird häufig gehandelt als eine inoffizielle weibliche Vorsitzende, der etwas weniger bekannte Kieler Jakob Blasel als ihr männlicher Co-Pilot. Eine typische Abordnung von "Fridays for Future" - etwa beim Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) oder bei der Verleihung der Goldenen Kamera an Greta Thunberg - besteht aus zwei Frauen und einem Mann. Weil die Bewegung auf Bundesebene wenige männliche Aktivisten hat, die neben eindringlicher Rhetorik auch das mitbringen, was man ein "kamerataugliches" Gesicht nennt, besetzt den männlichen Part häufig ein junger Mann mit knuffigem Lockenkopf, Jakob Blasel.

Berlin und Kiel, die Heimatstädte von Neubauer und Blasel, waren die ersten beiden Ortsgruppen von "Fridays for Future". Blasel verschickte die Kettennachricht, aus der das System der dezentralen Ortsgruppen und der Delegierten hervorging. Der Bewegungsslogan "Wer nicht hüpft, der ist für Kohle" war angeblich eine Idee von Blasels Bruder, der an Wochenenden seine Mannschaft Holstein Kiel anfeuerte. Fußballfans, so soll er gesagt haben, benutzten diesen Schlachtruf im Stadion, wobei statt "Kohle" der Name der gegnerischen Mannschaft verwendet werde. Das sorge für gute Laune, außerdem werde den Leuten beim Hüpfen warm. Das war im ersten Winter von "Fridays for Future".

"Ich war ein sehr fauler Schüler, und plötzlich hatte ich einen halben Vollzeitjob", sagte Blasel, Sohn einer Juristin und eines Journalisten, einmal über seine Anfänge bei "Fridays for Future". Als sich die Bewegung nach zwei kräftezehrenden Großstreiks im Herbst 2019 und einem aus ihrer Sicht völlig enttäuschenden Klimapaket auf Sinnsuche befand, fegte Corona das Klima von der politischen Agenda. "Wir sind zu frustrierten Aktivisten geworden", sagte Blasel in dem Interview auf Zeit Online, in dem er seine Kandidatur bekannt gab.

Es ist nun wohl kein Zufall, dass Blasel sich ausgerechnet dieses Foto als Titelbild über seinem Twitter-Profil ausgesucht hat: Neubauer am Megafon, er daneben, an der Spitze eines Demozugs, hinter ihnen die empörte Jugend. Eine weiblich-männliche Doppelspitze - wie bei den Grünen, für die Blasel nun kandidiert, auch wenn sie bei den Klimaaktivisten eigentlich nur in der Außenwahrnehmung existiert. Aber die ist in der Politik häufig entscheidend. Blasel nennt seine mediale Wirkung "eine Basis für meine Arbeit".

Er möchte nun eine neue Kampagne starten, bei der er sich ehrenamtlich von "Fridays for Future"-Weggefährten unterstützen lassen will, aber auch von jungen Menschen aus anderen Gruppen und solchen, die zuvor gar nicht politisch aktiv waren. Wenn alles gut geht, will er, der 19-Jährige, im Bundestag gegen die drohende ökologische Katastrophe kämpfen, aber auch für die Interessen junger Menschen ganz allgemein. Vielleicht geht es ihm dann wie in den Talkshows, in denen er als Aktivist eingeladen wurde. Bei "Hart aber fair" sagte er einmal, der "ganz große Unterschied" zu den anderen Gästen sei, "dass die nicht mehr so lange hier sitzen wie ich."

© SZ vom 26.08.2020/mkoh
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