Demonstrationen für Klimaschutz "Wofür lernen, wenn es keine Zukunft gibt?"

Schüler demonstrieren am vergangenen Freitag in der Bonner Innenstadt für den Klimaschutz.

(Foto: dpa)

Jakob Blasel, 18, ist Mitorganisator der "Fridays for Future"-Proteste. Ein Gespräch über Klimaschutz, Abiturnoten und was seine Eltern vom Schulstreik halten.

Interview von Matthias Kohlmaier

Vergangenen Freitag gingen deutschlandweit etwa 30 000 Schülerinnen und Schüler nicht in den Unterricht, sondern protestierten unter dem Motto #FridaysForFuture für den Klimaschutz. Auch für diesen Freitag sind Demonstrationen angekündigt, hauptsächlich in Berlin, wo die Kohlekommission erneut tagt. Einer der Organisatoren der Proteste ist Jakob Blasel. Der 18-Jährige besucht ein Gymnasium nahe Kiel und macht in diesem Jahr Abitur.

SZ: Herr Blasel, warum gehen Sie freitags für den Klimaschutz auf die Straße statt zur Schule?

Jakob Blasel: Mich beschäftigt das Thema Klimawandel schon länger und ich habe mein Leben in den vergangenen Jahren verändert: Fleischkonsum reduziert, auf Flugreisen verzichtet, meine Eltern dazu gedrängt, auf Ökostrom umzustellen. Irgendwann habe ich gedacht: Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Lösung im Kampf gegen den Klimawandel, und diese Botschaft muss hinaus in die Welt.

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Dafür bestreiken Sie den Unterricht seit Ende 2018. Warum demonstrieren Sie nicht einfach am Freitagnachmittag, wenn die Schule nicht davon betroffen wäre?

Wenn nachmittags ein paar Jugendliche auf die Straße gehen und für Klimaschutz demonstrieren, interessiert das doch niemanden. Maximal ein kleiner Artikel in der Lokalpresse wäre das. Mit dem Schulstreik brechen wir bewusst Regeln, um auf unser Ziel aufmerksam zu machen. Allerdings haben wir nichts gegen unsere Schulen und Lehrkräfte. Wir setzen uns nur über eine Regel hinweg, um zu zeigen: Klimaschutz, Kohleausstieg und Kampf gegen den Klimawandel sind uns wichtiger als unsere Bildung. Denn wofür sollen wir lernen, wenn es für uns gar keine Zukunft gibt?

Sehen das Ihre Lehrkräfte auch so?

Natürlich dürfen sie mich und andere Teilnehmer der Demos nicht offen unterstützen. Aber wir bekommen auch aus unseren Schulen viel Zuspruch.

Manche Schulleitungen drohen aber bereits mit Strafen, wenn weiterhin freitags gestreikt werden sollte.

Die dürfen das natürlich nicht still hinnehmen. Es ist ja deren Aufgabe, sicherzustellen, dass wir zur Schule gehen. Einige Schulen greifen dabei aber zu pädagogisch sinnvollen Mitteln. Demo-Teilnehmer müssen etwa vor ihrer Klasse erläutern, worum es bei "Fridays for Future" geht und sich kritisch mit dem Streik auseinandersetzen. Wirklich weitreichende Konsequenzen seitens der Schulen fürchten wir nicht. Ähnlich hat sich sogar die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien geäußert - aber natürlich betont, das Fehlstunden notiert werden müssen.

Mit ihr hatten Sie schon die ein oder andere Auseinandersetzung.

Ich habe ihr vorgeworfen, dass die CDU den Erhalt des Zweitwagens über den der christlichen Schöpfung stellt. Dem hat sie natürlich widersprochen und wir hatten einen kurzen Dialog via Twitter. Aber ich bin ja froh, wenn wir Politiker überhaupt dazu bekommen, sich mit unseren Zielen zu beschäftigen und mit uns ins Gespräch zu kommen. Vielleicht schaffen wir es ja auch noch, die Politik zum Handeln zu bewegen.