Islamischer Staat Obamas Kampf gegen westliche Dschihadisten

Tausende Ausländer kämpfen in Syrien und im Irak für die Islamisten, schätzt die US-Regierung. Wie Präsident Obama jetzt gegen amerikanische IS-Unterstützer vorgehen will.

Von Nicolas Richter, Washington

Im August untersuchten syrische Rebellen die Leiche eines feindlichen Kämpfers, den sie gerade erschossen hatten. Der Mann war für die Dschihadisten-Armee des Islamischen Staats (IS) in die Schlacht gezogen; wie sich aber herausstellte, stammte er nicht aus dem Nahen Osten. In seinen Taschen fanden die Rebellen 800 Dollar und einen US-Reisepass. Bald bestätigte die US-Regierung, dass der Mann namens Douglas McAuthur McCain Amerikaner war - der mutmaßlich erste, der im Kampf für IS sein Leben gelassen hat.

Die US-Regierung schätzt, dass in Syrien und im Irak inzwischen Tausende Ausländer kämpfen, Hunderte von ihnen sollen aus Europa und den USA stammen. Wenn westliche Regierungen dieser Tage ihren Bürgern erklären, warum man dem IS entgegentreten müsse, weisen sie immer wieder auf diese Kämpfer hin: Wenn diese eines Tages in ihre Heimatstaaten zurückkehrten, heißt es, könnten sie dort noch zum Sicherheitsproblem werden, zum Beispiel als Terroristen.

Obama will zu dem Thema den UN-Sicherheitsrat einberufen

US-Präsident Barack Obama möchte dem Phänomen nun größere Aufmerksamkeit widmen. Am 25. September, wenn sich die Staats- und Regierungschefs der ganzen Welt am Sitz der Vereinten Nationen in New York treffen, möchte Obama eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats abhalten.

Der Präsident wolle sich damit dem "wachsenden und gefährlichen" Problem der "ausländischen terroristischen Kämpfer" widmen, erklärte jetzt seine Botschafterin bei den UN, Samantha Power. Immer mehr Terroristen reisten um die Welt, um in fernen Kriegen mitzuwirken, sagte Power: "Diese Kämpfer begehen brutale Gräueltaten und kehren oft radikalisiert nach Hause zurück."

Obama will gegen IS-Kämpfer vorgehen.

(Foto: AFP)

Auch Russland ist beim Anti-Terror-Kampf dabei

Der Sicherheitsrat ist über das Vorgehen in Syrien, der Keimzelle des IS, seit Jahren tief gespalten. Im Gegensatz zu den USA etwa steht Russland weiterhin fest zu dem syrischen Diktator Baschar al-Assad. Der Terror des IS aber hat zuletzt eine leichte Annäherung ermöglicht.

Mitte August verurteilte der Sicherheitsrat den IS in der einstimmig verabschiedeten Resolution 2170 wegen seiner Brutalität und setzte die Namen sechs mutmaßlicher Terroristen auf eine Sanktionsliste. Selbst Russland stimmte zu und erklärte dies mit der Notwendigkeit, den Terror zu bekämpfen.

Die Initiative nützt Obama auch innenpolitisch

Die US-Regierung möchte nun auf diesen Konsens bauen und mehr Kooperation und Informationsaustausch ermöglichen, um den Strom neuer Kämpfer in Kriegsgebiete zu unterbinden. Power sagt, man müsse mögliche IS-Kämpfer identifizieren, ihre Spuren verfolgen und sie am Reisen hindern, sie aber auch davon überzeugen, dass es "Alternativen zur Gewalt" gebe. Die von den USA Ende September angestrebte Resolution sei nur der Anfang, danach komme auf die einzelnen Staaten eine langfristige, "enorme" Arbeit zu.

Diese Initiative dürfte Obama auch innenpolitisch nützlich sein. Zuletzt haben ihm auch Parteifreunde vorgeworfen, nicht mit der notwendigen Entschlossenheit gegen den IS vorzugehen. Al Franken, Senator des Staats Minnesota, der im November zur Wiederwahl antreten muss, klagte dieser Tage in einem Brief an die Regierung, dass Obama keine Strategie gegen den IS in Syrien skizziert habe. Franken erklärte seinen Staat für unmittelbar betroffen: Der im August getötete IS-Kämpfer McAuthur McCain ging dort einst zur Schule.