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Iran und USA:Staatsstreiche, Geiselnahmen, Sanktionen

Iranian students holding pictures of Iran's Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei stand in front of an anti U.S. mural, painted on the wall of the former U.S. Embassy in Tehran

Schülerinnen posieren zu Propagandazwecken vor einem antiamerikanischen Wandbild vor der ehemaligen US-Botschaft in Teheran. (Archivbild aus dem Jahr 2011)

(Foto: REUTERS)

Das Verhältnis von USA und Iran ist seit Jahrzehnten vor allem von Misstrauen geprägt. Die Geschichte einer innigen Feindschaft.

Anfang des 20 . Jahrhunderts waren sich die USA und Persien noch herzlich egal. Und kaum einer hätte damals vermutet, dass die beiden Länder einmal eine der innigsten Feindschaften der Weltpolitik entwickeln würden. Die Geschichte dieser Feindschaft dreht sich um Geld, Öl, Macht und Verrat. Sie beginnt ganz unspektakulär.

Machtwechsel in der Weltpolitik - London geht, Washington kommt

Vor dem Zweiten Weltkrieg pflegen Iran, Erbe des längst vergangenen persischen Großreiches, und die Vereinigten Staaten, aufstrebende Weltmacht, ganz normale diplomatische Beziehungen. Ein paar amerikanische Missionare besuchen das Land mit der großen Geschichte, sind aber nicht besonders erfolgreich dabei, die schiitische Mehrheit vom Christentum zu überzeugen. Dass Iran auch in der modernen Welt eine große strategische Bedeutung haben wird, ist zwar spätestens klar, seit dort 1903 Öl entdeckt wurde. Aber das Land liegt damals außerhalb der amerikanischen Einflusssphäre - noch hat das britische Empire das Sagen, das sich auch umfangreiche Schürfrechte für die Erdölvorkommen sichert.

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs allerdings ändert sich das internationale Kräfteverhältnis. Und das zeigt sich auch im Nahen Osten. 30 000 US-Soldaten sichern während des Krieges in Iran für die Alliierten den strategisch wichtigen Versorgungsweg in die Sowjetunion.

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Nach dem Krieg sehen viele Iraner die Schwäche des britischen Empires als Chance. 1951 kommt in Teheran der bis heute populäre Mohammad Mossadegh als Premier an die Macht. Der national-liberale Politiker steht einer "Nationalen Front" vieler verschiedener Parteien vor, die auch die kommunistische Tudeh-Partei einschließt. Seine Regierung sorgt für bis dato nicht wieder erreichte Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Pluralismus in Iran. Neben der Demokratisierung des politischen Systems verstaatlicht die "Nationale Front" aber auch das iranische Öl, das bis dahin über die Anglo-Iranian Oil Company faktisch im Besitz der Briten war. London will sich das nicht bieten lassen und erwägt, Truppen zu entsenden, um seine Interessen durchzusetzen. Die USA als neue Weltmacht und enger Verbündeter Großbritanniens müssen in dem postkolonialen Streit Stellung beziehen.

Präsidenten Harry Truman drängt zunächst bei den Briten auf Mäßigung. Die Zurückhaltung wird unter dem neuen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower allerdings aufgegeben. Zu Mossadeghs "Nationaler Front" gehört unter anderen auch eine kommunistische Partei und gemäß der neuen Domino-Theorie der US-Regierung läuft Iran somit Gefahr, in die Einflusssphäre der Sowjetunion zu rutschen. Am 19. August 1953 läuft die "Operation Ajax" an, bei der CIA und MI6 einen Putsch gegen Mossadeqh anzetteln. Sie wollen statt seiner eine westliche Marionette an die Macht bringen. Gerechtfertigt wird der Putsch der amerikanischen und britischen Geheimdienste mit einer angeblich bevorstehenden kommunistischen Machtübernahme, was allerdings völlig erfunden war.

Es ist das erste Mal, dass die USA in dieser Region eine Regierung stürzen. Aber der von Washington und London aus organisierte Staatstreich hat sich bis heute ins kollektive Gedächtnis Irans eingebrannt, obwohl viele junge Iraner amerikanischen Lebensstil und Werte bewundern. Die Verantwortung für diese Erbsünde im amerikanisch-iranischen Verhältnis übernahm erst im Jahr 2000 die damalige Außenministerin Madeleine Albright, als sie erstmals von offizieller Seite die amerikanische Beteiligung an dem Staatsstreich eingestand.

Ein Freund in Teheran - der Westen und der Schah

Mit dem Coup gewinnen die Vereinigten Staaten die politische Vorherrschaft im Nahen Osten, die zuvor das britische Empire ausgeübt hatte. Das britische Monopol auf iranisches Öl geht auf ein Konsortium internationaler (meist amerikanischer) Firmen über. Unter Schah Reza Pahlavi wird Iran de facto ein amerikanischer Satellitenstaat.

Gemeinsam mit dem israelischen Geheimdienst Mossad baut der CIA anschließend den berühmt-berüchtigten Geheimdienst Savak auf. Er wird zum mächtigsten Kontrollinstrument des Schahs. Zunächst unterdrückte der Schah jede Liberalisierung im Keim. Doch unter dem Druck nationaler Revolutionen in Irans arabischen Nachbarstaaten und der neuen US-Regierung von John F. Kennedy beschließt Reza Pahlavi später eine Vielzahl liberaler Reformen.

Von Konservativen und schiitischen Mullahs werden diese Reformen jedoch als imperialistischer Anschlag der USA auf die nationale Souveränität des Landes verstanden und bekämpft. Der Sicherheitsapparat des Schahs unterdrückt 1963 einen Aufstand konservativer Schichten unbarmherzig. 1964 erkennt das Schah-Regime die politische Immunität aller in Iran stationierten US-Soldaten an, fortan gilt Pahlavi im eigenen Land als "amerikanischer Schah". Spätestens damit ist auch der Samen für die Revolution von 1979 gesät.

Wirtschaftlich nimmt der Ölstaat unter dem Schah Fahrt auf, eine neue Mittelschicht entsteht. Aber die politischen Partizipationsmöglichkeiten bleiben unterentwickelt. Trotzdem setzen die USA voll auf ihren neuen Verbündeten und machen Iran zum Polizisten der Region. Der Schah kauft immer neue Waffen von den USA und erschafft (neben Saudi-Arabien) eine regionale Supermacht: Iranische Soldaten kämpfen in Oman und mit den rebellierenden Kurden im Irak. Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 versorgt Teheran Israel mit Öl, obwohl das Land offiziell als aussätzig gilt.