Gaza-Krieg:Eigentümer gesucht

Gaza-Krieg: Das Frachtschiff Galaxy Leader wurde auf dem Weg von der Türkei nach Indien vor der Küste Jemens von Huthi-Rebellen überfallen.

Das Frachtschiff Galaxy Leader wurde auf dem Weg von der Türkei nach Indien vor der Küste Jemens von Huthi-Rebellen überfallen.

(Foto: Owen Foley/Reuters)

Die Huthi-Rebellen aus Jemen haben per Helikopter ein Schiff gekapert, das sie Israel zuordnen - dem widerspricht Tel Aviv.

Von Bernd Dörries, Kairo

Die Huthi-Rebellen in Jemen hatten in den vergangenen Wochen immer mal wieder angekündigt, dass Schiffe das nächste Ziel sein könnten. Bislang hatten sie vor allem Raketen in Richtung Israel abgefeuert - denn schließlich liegt Jemen direkt an der Einmündung in das Rote Meer und damit in den Suezkanal, eine der am stärksten befahrenen Routen der Welt. Die Tanker und Container-Schiffe müssen durch die Meerenge Bab al-Mandab, das Tor der Tränen, das schon seit Jahrhunderten so heißt, in den vergangenen Jahren seinem Namen immer mal wieder Ehre machte, weil die Huthi-Rebellen dort auf saudische Tanker schossen.

Dieses Mal wählten sie eine eher klassische Methode und kaperten am Sonntag im Roten Meer einen Autofrachter, der ohne Ladung auf dem Weg von der Türkei nach Indien war. Ein Sprecher der Huthi sagte, die Beschlagnahmung des Schiffes sei eine Reaktion auf die "abscheulichen Taten gegen unsere palästinensischen Brüder im Gazastreifen und im Westjordanland". Der Besitzer des Schiffes, die auf der Isle of Man registrierte Firma Galaxy Maritime Ltd., teilte am Montagabend mit, dass sich tags zuvor "militärisches Personal mit einem Helikopter auf illegale Weise" Zugang verschafft habe. Der Kontakt sei abgerissen.

Am Montagabend veröffentlichten die Huthi-Rebellen ein Propaganda-Video, das den Überfall zeigen soll. Die Huthi kontrollieren Teile der Küsten Jemens und werden von Iran unterstützt; auf der anderen Seite steht die eigentliche Regierung mit ihren Truppen, die wiederum von Saudi-Arabien finanziert werden. Die Huthi sehen sich neben der Hamas, der Hisbollah in Libanon und anderen Terrorgruppen im Irak und in Syrien als Teil der "Achse des Widerstandes" gegen Israel. Ihr Motto lautet: "Tod Amerika, Tod Israel, verflucht seien die Juden, Sieg dem Islam."

Zweimal trafen Raketen der Huthis auch den israelischen Badeort Eilat

In den vergangenen Wochen hatten die Huthis mehrmals Raketen in Richtung Israel abgeschossen, die aber meist ihr Ziel verfehlten, in Ägypten oder Jordanien niedergingen oder von der Luftabwehr abgefangen wurden. Zweimal trafen sie aber auch den israelischen Badeort Eilat, Menschen kamen aber nicht zu Schaden.

Die Kaperung der israelischen Galaxy Leader sei ein großer Sieg für alle Feinde Israels, sagten die Huthis. Israel hingegen bezweifelte, dass es sich um ein israelisches Schiff handele. Ein Armeesprecher sagte, dass unter der internationalen zivilen Besatzung des Schiffes keine Israelis seien. "Es handelt sich nicht um ein israelisches Schiff". Die Galaxy Leader fährt unter der Flagge der Bahamas und wird von der japanischen Reederei Nippon Yusen betrieben.

Ab sofort seien alle Schiffe ein Ziel, die unter der Flagge Israels führen, so die Huthis

Öffentlich zugängliche Schiffsdatenbanken zeigen jedoch, dass die Galaxy Leader wohl zumindest teilweise der Gesellschaft Ray Car Carriers gehört, die wiederum von Abraham "Rami" Ungar gegründet wurde, einem der vermögendsten Männer Israels. Bereits 2021 explodierte eines seiner Schiffe vor der Küste Omans, israelische Medien sprachen damals von einem Angriff aus Iran. "Dies ist ein weiterer Akt des iranischen Terrorismus", sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Montag.

An Bord des Schiffes befinden sich offenbar mehr als 20 Besatzungsmitglieder, sie stammen von den Philippinen, aus Bulgarien, der Ukraine, Rumänien und Mexiko. Die japanische Regierung kündigte an, sich um die Freilassung der gekidnappten Seeleute zu kümmern. Die Huthis hatten im vergangenen Jahrzehnt immer wieder Schiffe aufgebracht, gleichzeitig hatten die USA, aber auch Ägypten ihre Patrouillen verstärkt.

Die Huthis kündigten weitere Aktionen an: "Wenn die internationale Gemeinschaft um Sicherheit und Stabilität in der Region besorgt ist, sollte sie der israelischen Aggression gegen den Gazastreifen ein Ende setzen, anstatt den Konflikt auszuweiten", sagte ein Huthi-Sprecher. Ab sofort seien alle Schiffe ein Ziel, die unter der Flagge Israels führen, die im Besitz israelischer Unternehmen seien oder die von israelischen Firmen betrieben würden.

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