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Guido Westerwelle:"Man braucht einen Autoverkäufer im Team"

Am 16. April hat Westerwelle den nächsten Boersch-Termin in seinem Kalender stehen. Dann wird er eine Key Note auf dem von Boersch organisierten Unternehmertag im luxuriösen Seehotel Überfahrt am Tegernsee halten. Manche in Berlin fragen sich inzwischen, ob Westerwelle eigentlich noch Zeit für sein Hauptamt als Außenminister bleibt.

Als Bundesminister darf Westerwelle für solche Auftritte kein Geld verlangen. Das war früher anders. In den Jahren 2006 und 2007 hielt Westerwelle für jeweils wenigstens 7000 Euro mehrere Vorträge im Auftrag der Eutop Speaker Agency GmbH mit Sitz in München, die zum Firmenkonglomerat des schillernden Lobbyisten Klemens Joos gehörte. Joos wiederum war auch Inhaber der Internet-Politiksuchmaschine Polixea. Guido Westerwelle hatte zweitweise einen Polixea-Link auf seiner persönlichen Website.

Danach bekam Polixea einen neuen Namen: Trupoli. Das Unternehmen hat - wie kann es anders sein - Westerwelle-Spezi Cornelius Boersch gekauft. Das Unternehmen scheint jedoch eher zu den Flops unter Boerschs Beteiligungen zu gehören: Die Webseite www.trupoli.com ist seit einem halben Jahr offline.

Mronz beteuert, er sei als Vorstand von "Ein Herz für Kinder" dabei

Auch ein ehemaliger enger Mitarbeiter von Guido Westerwelle ist zeitweise bei Boersch untergekommen. Jörg Arntz, bis 2007 Westerwelles Assistent, zeichnete bis vor kurzem als Vizepräsident von Boerschs Mountain Business Angels AG verantwortlich.

Bleibt noch Michael Mronz, Lebenspartner und wie Boersch aktiver Begleiter von Außenminister Guido Westerwelle auf dessen Auslandsreisen. Der erfolgreiche Manager großer Sportveranstaltungen beteuert, er sei als Vorstandsmitglied der Springer-Aktion Ein Herz für Kinder aus sozialem Interesse und auf eigene Kosten mit dem Außenminister "Herrn Westerwelle" nach Lateinamerika geflogen.

Wie der Zufall es will, findet aber 2014 in Brasilien, eine der Stationen auf Westerwelles Reise, die Fußballweltmeisterschaft statt. Für einen Sportevent-Manager wie Mronz ein durchaus lohnendes Ereignis. Kürzlich managte Mronz mit seiner Firma MMP Veranstaltungs- und Vermarktungs GmbH die Eröffnung eines Bonner Luxushotels. Gastredner unter anderem der Bonner FDP-Bundestagsabgeordnete Guido Westerwelle.

Mronz war auch Aufsichtsrat und Aktionär der Arygon AG, einer Technologiefirma mit Sitz in Mainz. Im vergangenen Jahr ist dort ein Technik-Unternehmen Namens ACIG, ebenfalls mit Sitz in Mainz, eingestiegen. ACIG wiederum gehört zum Firmennetz von Cornelius Boersch.

Auf der amtlichen Südamerikareise seines Lebenspartners Westerwelle konnte Mronz einen weiteren alten Bekannten begrüßen: Ralph Dommermuth, Gründer der United Internet AG. Dommermuth ist, wie der Spiegel schreibt, auch ein alter Kumpel von Westerwelle - und wie Boersch fleißiger Spender für die FDP: 48.000 Euro waren es 2005.

Westerwelle weist Vorwürfe zurück

Dommermuth und Mronz haben zusammen schon Geschäfte gemacht. Der Internetmann war über seine Firmen 1&1 und gmx.de Hauptsponsor der Segelcrew vom Team Germany. Vor drei Jahren hatte es am America's Cup teilgenommen hat. Vermarkter des weltgrößten Segelevents: Michael Mronz.

Die Brüder Westerwelle, Michael Mronz, Clemens Boersch - die vier scheinen ein eingespieltes Businessteam zu sein. Wäre Westerwelle nicht Außenminister und FDP-Chef, wäre das vermutlich gar kein Problem. So aber stellt die Opposition die Frage, ob Westerwelle unter diesen Umständen überhaupt geeignet ist, Deutschland in der Welt zu vertreten.

Guido Westerwelle selbst weist die Vorwürfe zurück. "Da der Opposition die politischen Argumente ausgehen, versuchen sie es jetzt mit persönlichen Attacken gegen mich und meine Familie", konterte der FDP-Chef am Donnerstag am Rande seiner Südamerika-Reise. Ein Sprecher des Außenministeriums bezeichnete die Vorwürfe der Vetternwirtschaft als "haltlos".

Andererseits: Ohne Guido Westerwelle würde vermutlich einiges in dem Team nicht so laufen, wie es sich die Geschäftsleute Mronz und Boersch wünschen mögen. Boersch hat kürzlich über das Erfolgsgeheimnis von jungen Start-up-Unternehmen gesagt: "Man braucht einen im Team, der ein Autoverkäufer ist."

Mit anderen Worten: eine Rampensau. In dieser Rolle hat sich Guido Westerwelle schon immer wohlgefühlt.

© sueddeutsche.de/gba/odg

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