G-20-Gipfel in Hamburg:Gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Polizei und Demo-Organisatoren

Wer hat schuld an der Eskalation? Die harte Linie der Polizeiführung dürfte zur Verschärfung zumindest beigetragen haben. Daher dürfen sich auf gewisse Weise die Organisatoren nach dem Demo-Abbruch bestätigt fühlen. Sie hatten bereits im Vorfeld vor gezielten Provokationen der Polizei gewarnt und befürchtet, dass diese den Protestzug nicht weit gewähren lassen würde.

Demo-Anmelder Andreas Blechschmidt klagte noch am Vormittag: "Die Gewaltfantasien kommen ausschließlich von der Polizei, um unseren Protest zu delegitimieren." Blechschmidt hatte sich öffentlich gewundert, dass die Hamburger Versammlungsbehörde die Demo ohne Auflagen gewährt habe - das passe nicht mit dem öffentlich kommunizierten Gefahrenpotenzial zusammen. Die "Welcome to Hell"-Leute seien seit Wochen denunziert, stigmatisiert und vorab kriminalisiert worden. Dass Blechschmidt Gewalt nie explizit verurteilt hat, sondern vom Recht auf Verteidigung gegen die Staatsgewalt sprach, hat aber auch nicht für Entspannung gesorgt.

In dieser Nacht vor dem offiziellen Beginn des G-20-Gipfels zeigt sich, wie wenig Sympathien die Polizei bei den Anwohnern auf St. Pauli und im Schanzenviertel genießt. Manche machen sich einen Spaß daraus, sich den Beamten in den Weg zu stellen, immer wieder rufen die Menschen: "Haut ab!"

Eine versöhnliche Ausnahme spielt sich vor einem Asia-Imbiss in der Wohlwillstraße ab. Dort stehen sechs Polizisten mit Helmen und schwerer Montur an der Häuserwand und ruhen sich für einen Moment aus, während ihnen eine Mitarbeiterin des Restaurants Wasserflaschen zur Erfrischung nach draußen reicht.

Am Freitag wartet ziviler Ungehorsam - und die nächste Demo

Doch solche Szenen bleiben eine Seltenheit an einem Tag voller Krawalle. Ausschreitungen waren zwar befürchtet worden, aber dass es Hamburg noch vor Beginn des Gipfels so heftig erwischt, ist dann doch überraschend. Die Hoffnung auf einen friedlichen Freitag dürfte damit ebenfalls dahin sein. Von acht Uhr morgens soll am "Tag des zivilen Ungehorsams" versucht werden, die Routen für die Autokolonnen von Putin, Trump und Co. zu blockieren.

Und wenn am Abend Bundeskanzlerin Angela Merkel die Staats- und Regierungschefs in die Elbphilharmonie einlädt, um Beethovens neunter Symphonie zu lauschen, versammeln sich die G-20-Gegner zu ihrer nächsten Demo. Dieses Mal geht es auf der Reeperbahn los. Das kompromisslose Motto lautet: "G 20 entern, Kapitalismus versenken."

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