Hans-Peter Friedrich: Neuer Innenminister Der fleißige Franke

Bei der Kabinettsumbildung in Berlin bleibt auch der bayerische Regionalproporz gewahrt - für den Franken Guttenberg kommt der Franke Friedrich. Ein sichtlich erleichterter Seehofer präsentiert die Entscheidung am Mittag in München.

Von Birgit Kruse und Lena Jakat

Es muss ein wahrer Konferenzenmarathon gewesen sein. Seit fast 24 Stunden führe er nun schon Gespräche, erzählt CSU-Chef Horst Seehofer, als er in München vor die Presse tritt. Und in all den Gesprächen drehe es sich nur um diese eine Frage: Wer wird Verteidigungsminister in Berlin? Denn Karl-Theodor zu Guttenberg hat das Handtuch geschmissen - und Seehofer sowie die Regierung Merkel an den Rand einer Regierungskrise gebracht.

Und dann geht es manchmal doch schneller als erwartet: Nach der Bundestagswahl 2009 wurde CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich schon als Verkehrsminister gehandelt, doch das Ressort ging an Peter Ramsauer.

(Foto: dapd)

Doch die konnte nun abgewendet werden. Und Seehofer ist froh, dass "in sehr kurzer Zeit" eine Lösung gefunden wurde. Seehofer selbst ist die Anstrengung des letzten Tages kaum anzusehen, selbst seinen Humor hat er inzwischen wiedergefunden. "Ich habe sicher das eine oder andere Pfündchen verloren", witzelt er über die langwierigen Gespräche. Während er gestern noch vollkommen geschockt den Rücktritt des fränkischen CSU-Hoffnungsträger kommentierte, wirkt er fast schon entspannt, als er die Personalie verkünden kann: CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich wechselt ins Innenministerium nach Berlin.

Ein Franke geht, ein Franke kommt: 1998 zieht der Oberfranke Friedrich in den Bundestag ein. Er weiß, wie das Berliner Geschäft funktioniert, ist in der Hauptstadtpolitik gut vernetzt. Friedrich beerbt Peter Ramsauer als Landesgruppenchef nach der Bundestagswahl 2009, die der CSU das schlechteste Ergebnis seit 1949 beschert, und Peter Ramsauer trotzdem den Posten des Verkehrsministers einbringt. Friedrich ist für diesen Posten ebenfalls im Gespräch, nachdem er sich in den Koalitionsverhandlungen profiliert hat. Die Entscheidung fällt dann aber doch für Ramsauer. Als Wadlbeißer von Amts wegen erreicht er allerdings nie Ramsauers Niveau: Der 53-Jährige gilt eher als Mann ruhiger, freundlicher Worte. Er setzt auf Kommunikation statt auf Provokation.

Er mag kein großer Charakterkopf sein, vom Charisma eines Guttenberg ist er Lichtjahre entfernt. Seine Partei sieht in dem Sachpolitiker eine "solide Lösung" für das Amt des Innenministers.

Absage an die Hauptstadt

Als Seehofer am Mittwochmittag vor die Presse tritt, ist die Personalie bereits durchgesickert. Und noch etwas macht die Runde: So einfach war die Lösung nicht, wie sie sich jetzt darstellt. Denn Seehofers Pläne sollen andere gewesen sein. Glaubt man den Gerüchten, wollte Seehofer einen Landesminister nach Berlin schicken: Finanzminister Georg Fahrenschon und Innenminister Joachim Herrmann waren im Gespräch. Doch dazu kam es nicht. Bis zwei Uhr in der Früh habe man zusammengesessen, in zahlreichen Telefonkonferenzen mit Berlin die Pläne besprochen - um dann am Ende festzustellen: Beide wollen nicht nach Berlin. Beide aus privaten Gründen.

Dann also Friedrich. Seine politische Karriere ist eine wie aus dem Bilderbuch: In Naila bei Hof geboren, tritt er bereits mit 16 Jahren der Jungen Union bei und gründet eine der ersten Schüler-Unions-Gruppen in Oberfranken. Das ist 1973, als auf dem Schloss bei Kulmbach Guttenberg gerade das Laufen lernt. Mit ihm verbindet Friedrich die fachliche Ausbildung: Auch er ist Jurist, legt 1986 - allerdings nach dem zweiten Staatsexamen - seine Doktorarbeit zum Thema "Die Testamentsvollstreckung an Kommanditanteilen" vor. An einer Fernuniversität setzt das protestantische Mitglied einer katholischen Studentenverbindung noch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften obendrauf.

Lehrjahre bei Michael Glos

Derart gerüstet, steigt Friedrich als Regierungsrat in der Industrieabteilung des Wirtschaftsministeriums ins Berufsleben ein, arbeitet für die deutsche Botschaft in Washington, für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. 1993 kommt er dem Amt des Landesgruppenchefs schon einmal ganz nah: als persönlicher Referent des damaligen Amtsinhabers Michael Glos. Friedrich bleibt im Bundestag, wechselt aber wenige Jahre später selbst in die Legislative. Zum ersten Mal zieht er 1998 für die CSU ins Parlament ein und bleibt - wiedergewählt wird er stets als Direktkandidat seines Wahlkreises Hof. Der Vater dreier Kinder gilt als zielstrebiger und zugleich glaubwürdiger Politiker.

In Berlin ist Friedrich von Anfang an auch in heiklen Ausschüssen dabei, fungiert als stellvertretender Vorsitzender der Untersuchungsausschüsse zu Parteispenden und Wahlbetrug. Prominent vertritt er seine Fraktion in der Föderalismuskommission II, 2005 wird er zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Und jetzt also Innenminister.

In München reagiert man zufrieden auf die Entscheidung von Seehofer. Sicher, das sei nicht der große Wurf. Aber weder macht er durch Poltern auf sich aufmerksam, noch lässt er sich aus der Münchner Staatskanzlei Vorschriften machen.

Und Seehofer? Der wird sich heute Abend erst mal ein Glas Wein gönnen, sagt er.