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Formel 1 in Bahrain:Rennwagen und Schützenpanzer

Eine Rennstrecke als Hochsicherheitszone: Das Königshaus in Bahrain lässt Truppen aufmarschieren und Panzer rollen, damit das Spektakel in Manama nicht von Protesten gestört wird. Die Golfregenten sehen hinter dem Aufstand das schiitische Nachbarland Iran.

Im Fahrerlager nahm der Kronprinz den Mund voll: "Ich kann garantieren, dass sich keine Attacke gegen die Formel-1 richtet." Bei seinem Auftritt an der Seite von Renn-Boss Bernie Ecclestone gab sich Prinz Salman bin Hamad al-Chalifa dann auch mehr als Sportsmann denn als Politiker: "Das Rennen ist das Rennen. Wir sind hier, um zu zelebrieren."

Polizist vor einem Werbeplakat für den Grand Prix - das Rennen ist das wichtigste internationale Ereignis in Bahrain.

(Foto: AP)

Aber wenn die Ferraris und McLarens am Sonntag um den Formel-1-Ring kurven und bei der Siegerehrung die Frucht-Champagner-Korken knallen, dürften auf den Straßen der nahen Hauptstadt Manama nicht nur Freudenschüsse zu hören sein: Bahrains Opposition, deren Proteste blutig unterdrückt werden, begreift den internationalen Renn-Zirkus als Chance, das Medieninteresse auf die Zustände in dem Inselstaat am Persischen Golf zu lenken.

Im Zuge des arabischen Frühlings hatten sich im Frühjahr 2011 auch Bahrains Schiiten erhoben. Sie stellen mit 70 Prozent die Bevölkerungsmehrheit, werden aber vom sunnitischen Königshaus der al-Chalifa regiert und politisch benachteiligt. Seither sollen bei Protesten mindestens 50 Menschen umgekommen sein. Hunderte wurden inhaftiert, Oppositionelle zu langen Haftstrafen verurteilt.

2011 wurde das Rennen wegen des Schiitenaufstands kurzerhand abgesagt, zur Verärgerung des Königshauses. Am Sonntag wird gefahren - nach langem Gezerre zwischen dem Formel-Eins-Organisator Ecclestone und den Rennställen. Die Opposition begreift, dass dies das Medieninteresse für einige wenige Tage auf ihr Land lenkt: Das kleine Land spielt in der internationalen Berichterstattung über die arabischen Aufstände kaum eine Rolle. "Wir nutzen das Rennen, um unsere politischen und demokratischen Forderungen herauszustellen", sagt Abdeldschalil Chalili von der Wifak-Partei. Die Oppositionspartei hatte eine Protestwoche vor dem Rennen angekündigt: "Standhaftigkeit und Herausforderung". Die letzten drei Tage vor dem Rennen firmieren als "Tage des Zorns".

Man suche zwar die Öffentlichkeit, erklärte die Partei. Das Rennen selbst werde man aber nicht behindern. Die Opposition muss das eigentlich auch nicht tun: Die Regierung hatte in den vergangenen Monaten wenige Journalisten ins Land gelassen; wegen des Formel-Eins-Rennens kommen Hunderte Reporter aus aller Welt in die Hauptstadt Manama.