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Flüchtlinge in Griechenland:Im Camp gibt es Schlangen, Skorpione und Ratten

Aus einer Zeltgasse stürzt ein Mann auf eine Helferin zu, schreit auf Englisch: "Give me a room." Die Helferin geht weiter, sagt nichts. Sie heißt Maria, ist Griechin, will Geografie studieren: "Hier kannst du nur arbeiten, wenn du dich daran gewöhnt hast", sagt sie. Sie erzählt von der Schule für Kinder im Camp und davon, dass man etwa 60 unbegleitete Jugendliche nun in einem "geschützten Bereich" im Lager unterbringen konnte. Darauf ist sie ein bisschen stolz.

Ein Mädchen, vielleicht drei Jahre alt, sitzt im Staub vor einem Zelt, reibt mit Sand einen leeren Yoghurtbecher aus. Kochen ist nicht erlaubt im Camp, das Essen wird angeliefert. Vial wurde wie alle Hotspots vom griechischen Militär errichtet. Vielleicht wirkt das Camp deshalb, als wäre es in einem Kriegsgebiet gerade erst errichtet worden, unfertig, mit einfachsten Mitteln. Migrationsminister Dimitris Vitsas hat jüngst der Zeitung Kathimerini gesagt, bis Jahresende wolle er die Zuständigkeit vom Militär übernehmen. Vitsas versprach eine enge Zusammenarbeit mit den internationalen Akteuren, den lokalen Gemeinden und den NGOs.

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Ohne die Mithilfe der Freiwilligen würde es in Vial noch viel schlimmer aussehen. "Für die Unterstützung sind wir dankbar", sagt Direktorin Danou. Trotzdem trifft man die NGO-Vertreter lieber außerhalb des Camps, in einem Café in Chios-Stadt. Eine Ärztin sagt, "wenn die Menschen verstehen, dass sie in diesem Camp feststecken, dann sind viele verzweifelt, haben Panikattacken". Einige sagten dann auch: "Ich würde am liebsten zurückkehren." Im Camp gebe es Schlangen, Skorpione und Ratten, sagt die Ärztin.

"Inakzeptabel" nennt ein anderer Helfer die Bedingungen. Er sagt, Migranten, die auf Chios ankämen, wüssten oft gar nicht, wo sie gelandet seien. "Es gibt tausend Gerüchte, und viele denken, sie müssten nur zwei Tage hier bleiben, dann gehe es weiter." Kein Schmuggler würde den Flüchtlingen sagen, dass sie von der Insel nicht mehr wegkämen. Der Helfer sagt, er habe junge Syrer getroffen, "die hören die gleiche Musik wie ich", und junge Afrikaner, die sagten, "wir haben einst unseren Kolonialherren Steuern bezahlt, jetzt gehen wir in unsere Mutterländer".

In der täglichen Tabelle steht in der Spalte Türkei-Rückkehrer meist eine Null

Noch schwieriger als in Chios ist die Lage auf Lesbos. Das Lager Moria ist notorisch überfüllt, 7470 Menschen sind dort gegenwärtig untergebracht, auf offiziell 3100 Plätzen. Die Spannungen sind hoch, es gibt Auseinandersetzungen unter den Migranten, aber auch mit Inselbewohnern. Jüngst schoss ein 78-jähriger Grieche auf einen 16-jährigen Syrer und verletzte ihn schwer. Er habe ihn, so sein Anwalt, plötzlich in seinem Hof gesehen.

Migrationsminister Vitsas will die Asylverfahren auf den Inseln bald auf drei bis vier Monate verkürzen, dann soll auch die zweite Instanz schneller arbeiten, und dann sollen auch Flüchtlinge in die Türkei zurück. In der täglichen Tabelle des Ministeriums steht in der Spalte der Rückkehrer in die Türkei meist eine Null.

Vitsas ist auch bereit, mit dem deutschen Innenminister eine bilaterale Vereinbarung über die Rücknahme von schon in Griechenland registrierten Flüchtlingen zu treffen. Es geht dabei bislang um verhältnismäßig kleine Zahlen. Um etwa 3300 Menschen, die in der Eurodac-Datei in Griechenland registriert wurden. Dafür sollen 3500 Flüchtlinge, die in Griechenland auf eine Familienzusammenführung warten, nach Deutschland dürfen. Auf die Inseln, hat Vitsas versichert, werde er aber keinen der aus Deutschland Zurückgeschickten bringen lassen.

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