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Kristina Schröder und der Feminismus:"Die Stammtische sind längst weiter als Sie"

In einem offenen Brief, den Schwarzer auf ihrer Homepage veröffentlicht hat, kritisiert sie die Ministerin denkbar hart. "Die einzig aufregende Nachricht aus Ihrem Amt war Ihr Namenswechsel von Köhler auf Schröder", so endet der erste Absatz. Seit Schröders fast einjähriger Amtszeit habe sich weder die Lage der Familien verbessert, noch sei die Gleichberechtigung der Frau vorangekommen.

Alice Schwarzer, die bislang ihre Sympathie für Angela Merkel zeitweise unverhohlen gezeigt hat, schreibt: "Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen - die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein."

Die Kölner Journalistin, Jahrgang 1942, hält Schröder, 1977 geboren, vor, sie verwende "Stammtischparolen aus den 1970er Jahren". Dabei seien "die Stammtische längst weiter, viel weiter als Sie", giftet Schwarzer in Richtung der jungen Konservativen. Die CDU-Politikerin verbreite "billige Klischees". So könne man nicht über "die folgenreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts" sprechen.

Wie sehr sich Schwarzer persönlich angegriffen sieht, wird an einer anderen Stelle deutlich: "Sodann bürsten Sie mich ab, klar." Schröder behaupte "hanebüchenen Unsinn" über ihre - Schwarzers - Bücher, die sie wohl nicht richtig gelesen habe. Unsinn sei der Satz, wonach sie behauptet haben soll, der "heterosexuelle Geschlechtsverkehr sei kaum möglich ohne die Unterwerfung der Frau". Richtig sei nach wie vor, dass manche Frauen unter "Liebe vor allem Selbstaufgabe" verstünden und Sexualität "noch viel zu oft mit Gewalt verbunden" sei.

Schwarzers Furor richtete sich auch gegen das von Schröder in ihrem Ressort eingerichtete Referat für benachteiligte Jungs. Die Ministerin begründete dies im Spiegel-Interview unter anderem mit dem Satz: "Ich finde, dass wir das Thema Jungen- und Männerpolitik sträflich vernachlässigen."

Dazu Alice Schwarzer: Man dürfe feministischen Pädagoginnen nicht unterstellen, dass sie Jungen vernachlässigen. Schwarzer nennt Schröders These "unmoralisch". Es sei reines Klischee, dass eine Überzahl von weiblichen Erziehern und Pädagogen Mitursache für schlechte schulische Leistungen bei einigen Jungen seien. Fakt sei dagegen, dass Männer diese schlecht bezahlten und nicht anerkannten Jobs einfach nicht machen wollten.

Schröder und die rechtskonservativen Männerbünde

Im letzten Absatz des offenen Briefes setzt Schwarzer zur finalen Polemik an. Sie spricht der jungen Ministerin jegliche Kompetenz ab, Irrtum ausgeschlossen: "Ich halte Sie für einen hoffnungslosen Fall. Schlicht ungeeignet."

Eine Job-Empfehlung gibt die Feministin der Politikerin, die bereits im Backfischalter für Helmut Kohl schwärmte, noch mit auf den Weg: "Vielleicht sollten Sie Pressesprecherin werden", schreibt Schwarzer, "Pressesprecherin der neuen, alten, so medienwirksam agierenden, rechtskonservativen Männerbünde und ihrer Sympathisanten".

Bild-Gerichtsreporterin Alice Schwarzer (Fall Kachelmann) hilft Kristina Schröder bei einem Jobwechsel sicher gerne weiter.

© sueddeutsche.de/jab
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