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FDP:Mit besten Grüßen nach Berlin

Landesparteitag der Thüringer FDP

Mit fast 67 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt: der Thüringer FDP-Landesvorsitzende Thomas Kemmerich.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Liberale in Thüringen wählen Thomas Kemmerich erneut zu ihrem Vorsitzenden, worüber sich in der Bundespartei nicht alle freuen dürften.

Von Daniel Brössler, Berlin

Ein Comeback ist es nicht, denn zumindest in Thüringen war Thomas Kemmerich nie weg seit seiner Wahl zum Kurzzeit-Ministerpräsidenten. Am Samstag ist der 56-Jährige nun im Amt bestätigt worden als Vorsitzender des FDP-Landesverbandes. Auf einem Parteitag wählten ihn die Delegierten in Erfurt mit 66,7 Prozent der Stimmen erneut zum Landeschef. Kemmerichs Gegenkandidat, der Weimarer Kreisvorsitzende Hagen Hultzsch, erhielt 29 Prozent der Stimmen. Hultzsch hatte seine Kandidatur auch damit begründet, er wolle den Delegierten eine personelle Alternative bieten. Die Wiederwahl Kemmerichs ist keine Überraschung, kommt aber für die Bundespartei dennoch ungelegen. Die Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten auch mit Stimmen der AfD hatte die Partei im vergangenen Jahr in eine Krise gestürzt und zu einem zeitweiligen Tief in den Umfragen geführt.

"Ich danke für das Vertrauen, das mir die Delegierten des Landesparteitags entgegenbringen", twitterte Kemmerich nach der Abstimmung, was auch als Botschaft an Parteichef Christian Lindner verstanden werden konnte. Lindner hatte nach anfänglichem Zögern und Verständnis dafür, dass Kemmerich "übermannt" worden sei, scharfe Kritik daran geäußert, dass dieser die Wahl zum Ministerpräsidenten angenommen hatte. Zwischen beiden eskalierte der Konflikt, als klar wurde, dass Kemmerich sein Verhalten nicht als falsch erkennen mochte. "Ich habe nicht gefoult, ich bin der Gefoulte", sagte Kemmerich noch ein Jahr nach seiner Wahl.

Tiefes Zerwürfnis mit Parteichef Lindner

Bereits im Oktober hatte Kemmerich in einem Tweet die "anderen demokratischen Parteien" für die Krise im Februar in Thüringen verantwortlich gemacht. Das FDP-Präsidium und die 15 Vorsitzenden der anderen Landesverbände maßregelten ihn daraufhin und entzogen ihm die Unterstützung für eine mögliche Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl. "Das FDP-Präsidium distanziert sich geschlossen von den aktuellen Äußerungen von Thomas Kemmerich", hieß es damals. Als Horrorszenario galt eine Belastung des Bundestagswahlkampfs. Kemmerich erklärte seinen Verzicht. Wegen der Verschiebung der Landtagswahl erübrigte sich das aber ohnehin.

Scharfe Kritik an der Wiederwahl Kemmerichs kam von anderen Parteien. "Wenn Du Dich als FDP-Spitzenkandidat von Faschisten zum Ministerpräsidenten wählen lässt, und danach - als wäre nichts geschehen - von der FDP wieder an die Spitze gewählt wirst...", twitterte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz. Die FDP könne "natürlich weiter so tun, als würde sie den Herrn nicht kennen, der sich von Nazis vor Kurzem zum Regierungschef wählen ließ, aber er ist jetzt erneut Landesvorsitzender ihrer Truppe", schrieb der Linken-Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich.

© SZ/kus
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