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Europawahlkampf in Frankreich:Le Pen fordert Macron erneut heraus

French far-right National Rally (Rassemblement National) party leader Marine Le Pen addresses supporters during a political rally for the European elections in Metz

Vor zwei Jahren scheiterte Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl an Macron. Nun setzt sie ihn bei der Europawahl unter Druck.

(Foto: REUTERS)
  • Weder Präsident Macron noch Rassemblement-National-Chefin Le Pen kandidieren für einen Platz im Europäischen Parlament. Und doch stehen sie im Zentrum des Europawahlkampfs.
  • Die Rechtsextreme Le Pen ist die prominenteste Oppositionspolitikerin Frankreichs.
  • Macron hat durch die Protestbewegung der Gelbwesten seinen ersten heftigen Rückschlag erlitten.
  • Um Profit aus seiner Schwäche zu schlagen, erklärt Le Pen die Europawahl zu einer Frage der Innenpolitik, ja zu einem "Referendum".

Vor Frankreichs Rathäusern und Schulen stehen die metallenen Stellwände bereit, auf denen von heute an die Kandidaten der Europawahl um die Wette lächeln. Dann beginnt die letzte Phase eines Wahlkampfes, der gefühlt schon seit November vergangenen Jahres ausgetragen wird. Emmanuel Macron oder Marine Le Pen?

Weder der Präsident noch die Chefin der rechtsradikalen Opposition kandidieren für einen Platz im Europäischen Parlament, doch die Frage, vor der die Franzosen stehen, lässt sich auf diese zwei Personen zuspitzen. Wollen sie ihren Präsidenten stärken? Oder geben sie dem Rassemblement National ihre Stimme und verschaffen damit Marine Le Pen zwei Jahre nach ihrem Scheitern bei der Präsidentschaftswahl späte Genugtuung?

Fährt man heute zu Wahlkampfveranstaltungen von Macrons La République en Marche (LREM), skandieren die Menschen dort dasselbe wie bei den Treffen der Rechtsradikalen: "On va gagner!" Wir werden gewinnen. LREM-Parteichef Stanislas Guerini erinnert immer wieder daran, dass bei Europawahlen nur einmal abgestimmt wird und nicht wie beim französischen Präsidentschaftsrennen in zwei Runden, doch die Dynamik erinnert sehr an den Mai 2017.

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Als stünde Frankreich wieder vor einer The-Winner-takes-it-all-Entscheidung, bei der grundsätzlich über die Laufrichtung der Nation entschieden wird. Auf der einen Seite Le Pen und ihre Anhänger, die die Europäische Union ebenso verteufeln wie Migration und den Islam. Auf der anderen Seite Macron, der Zuversicht predigt und Europafahnen schwenken lässt.

Le Pen ist heute die prominenteste Oppositionspolitikerin Frankreichs, Macron ein Präsident, der durch die Protestbewegung der Gelbwesten seinen ersten heftigen Rückschlag erlitten hat. Um Profit aus der Schwäche zu schlagen, erklärt Le Pen die Europawahl zu einer Frage der Innenpolitik, ja zu einem "Referendum". Sollte Macrons Partei die Europawahl nicht gewinnen, müsse er zurücktreten, behauptet Le Pen.

Wahlkampf in schwarz-weiß

Der Rechtsextremen ist bewusst, was es bedeuten würde, wenn sie die meisten Stimmen bekommt. Im Zentrum stünde nicht ihr Triumph, sondern Macrons Niederlage. Die wenigsten, die Le Pen wählen, geben an, dies aus Überzeugung zu tun. Auch wenn Le Pen im politischen Establishment angekommen ist, glauben viele Wähler, ein Kreuz bei den Rechtsextremen sei ein Protestakt und keine Unterstützung xenophober Positionen.

Macron und seine Europaliste "Renaissance" reagieren auf die Konkurrenz von rechts, indem sie Wahlkampf in schwarz-weiß führen. Eine der beliebtesten Metaphern, die sowohl Parteichef Guerini als auch Spitzenkandidatin Nathalie Loiseau in den vergangenen Wochen immer wieder verwendet haben, beschwört die Angst vor einem Weltkrieg herauf. Die Franzosen und die Europäer müssten sich entscheiden, "welche 30er-Jahre sie wollen, die des vergangenen Jahrhunderts oder die 2030er-Jahre", so das Team Macron.