Enthüllung von Wikileaks:Pakistan fördert Taliban

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Auch über die enge Verbindung zwischen Taliban und pakistanischem Geheimdienst gibt es mit den nun offengelegten Dokumenten viele neue Belege: Demnach hat der pakistanische Geheimdienst Directorate for Inter-Services Intelligence (ISI) die Taliban mit aufgebaut und gefördert, als nach dem Abzug der Sowjets 1989 Afghanistan im Bruderkrieg der siegreichen Mudschahedin versank. Trotz aller Beteuerungen pakistanischer Politiker, die alten Verbindungen seien gekappt, betreibe das Land weiter eine doppelbödige Politik, schreibt der Spiegel.

In den Dokumenten werde deutlich, dass der pakistanische Geheimdienst der vermutlich wichtigste außerafghanische Helfer der Taliban ist. Der Krieg gegen die afghanischen Sicherheitskräfte, die USA und ihre Isaf-Verbündeten werde noch immer aus Pakistan heraus geführt. Seit den Anschlägen der al-Qaida auf das World Trade Center in New York steckt das Nachbarland von Afghanistan in der Klemme: Offiziell schließt sich Pakistan der Anti-Terror-Koalition an; inoffiziell ist das Land Rückzugsraum und Aufmarschbasis für alle feindlichen Kräfte.

Über die pakistanisch-afghanische Grenze strömten die neuen Rekruten der Taliban, darunter gefürchtete ausländische Kämpfer, zu denen inzwischen auch Islamisten aus Europa gehören. ISI-Abgesandte seien dabei, wenn sich Kommandeure der Aufständischen zum Kriegsrat treffen. Sie geben sogar präzise Mordbefehle, berichtet der Spiegel mit Bezug auf das Logbuch des Afghanistan-Kriegs. Am 21. August 2008 heißt es in einer festgehaltenen Warnung lapidar: "Colonel Mohammad Yusef vom ISI hat den Talib Maulawi Izzatullah angewiesen, dafür zu sorgen, dass Karsai ermordet wird."

Über das Internetprojekt Wikileaks werden brisante Dokumente aus anonymer Quelle öffentlich zugänglich gemacht. Dass der Name an Wikipedia erinnert, ist gewollt. Zum einen ähnelt der Internetauftritt optisch der Online-Enzyklopädie; zum anderen kann wie bei dem großen Mitmach-Lexikon jeder etwas veröffentlichen. Bei Wikileaks geht es speziell um geheime Dokumente - das englische Wort "leak" bedeutet: undichte Stelle. Wikileaks versteht sich als Informantennetzwerk. Die Idee dahinter: Kritische Journalisten und Blogger sollen die geheimen Informationen aufgreifen.

Hinter dem Projekt steckt eine Non-Profit-Organisation namens The Sunshine Press, über die allerdings auch nicht viel bekannt ist. Im sozialen Netzwerk Facebook heißt es, die Organisation sei unter anderem von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Anwälten ins Leben gerufen worden.

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