Regierungskritischer Journalist Saudi-Arabien räumt Tötung Khashoggis ein

Der saudische Journalist Jamal Khashoggi ist tot. Das bestätigte das Staatsfernsehen Saudi-Arabiens.

(Foto: dpa)
  • Saudi-Arabien hat eingeräumt, dass Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat getötet worden ist.
  • Im Staatsfernsehen hieß es, Khashoggi sei nach einem Streit bei einem Faustkampf ums Leben gekommen.
  • Diese Version widerspricht Indizien, dass es sich um einen geplanten Mord handelte.
  • 18 Verdächtige seien festgenommen, hochrangige Beamte entlassen worden.

Saudi-Arabien hat bestätigt, dass Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Königreichs umgebracht worden ist. Zwischen dem 59-Jährigen und einigen Personen im Konsulat sei es zu einem Streit gekommen, meldeten das Staatsfernsehen und die staatliche Nachrichtenagentur Spa unter Berufung auf die saudische Staatsanwaltschaft. Daraus habe sich ein "Faustkampf" entwickelt, der zu Khashoggis Tod geführt habe. Dieser Tathergang widerspricht türkischen Medienberichten, in denen unter Berufung auf örtliche Ermittler von einer gezielten Tötung die Rede war.

Wie es laut Staatsmedien in Riad weiter heißt, seien 18 Verdächtige saudischer Nationalität festgenommen worden. Die Untersuchung zum Fall dauere an. Zudem wurde ein königlicher Erlass zitiert, wonach der Vizepräsident des Geheimdienstes, Ahmad al-Assiri, entlassen worden sei. Auch Saud al-Kahtani, ein hochrangiger Berater des Königs, wurde demnach entlassen.

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Khashoggi wollte am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul Papiere abholen und war seitdem verschwunden. Die türkischen Behörden gingen bereits seit Tagen davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Spezialkommando getötet wurde. Ermittler durchsuchen derzeit einen Wald nördlich von Istanbul und Gebäude in der Stadt Yalova im Süden. Sie vermuten, dass sich dort die Leiche des Journalisten befindet.

Kronprinz im Zentrum der diplomatischen Krise

Die saudische Führung wies bislang jede Verantwortung zurück und hatte zunächst behauptet, der Journalist habe das Konsulat lebend verlassen. Seit dem Verschwinden Khashoggis war der internationale Druck gewachsen, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Um das Königreich hatte sich eine diplomatische Krise entsponnen.

US-Präsident Donald Trump sagte, er halte die von Saudi-Arabien gegebene Erklärung für Khashoggis Tod für glaubwürdig. "Es ist noch früh, wir haben unsere Überprüfung oder Ermittlung noch nicht beendet", fügte er hinzu. Trump betonte, er wolle an den Rüstungsgeschäften mit Riad festhalten.

Europäische Regierungschefs geben sich hingegen nicht mit der Erklärung aus Saudi-Arabien zufrieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Geschehnisse im saudischen Konsulat seien immer noch nicht aufgeklärt, "und natürlich verlangen wir, dass sie aufgeklärt werden". Auch der dänische Regierungschef Lars Lokke Rasmussen sagte, er sei nicht überzeugt.

Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass Saudi-Arabien den Tod einräumen wolle, dabei aber unbedingt Kronprinz Mohammed bin Salman schützen möchte, der mit der Veranlassung der Tat in Verbindung gebracht wird. Dabei waren Überlegungen bekannt geworden, den nun entlassenen Vize-Geheimdienstchef al-Assiri für den Tod Khashoggis verantwortlich zu machen. Diese Meldungen könnten sich nun als richtig erweisen.

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