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US-Präsident:Ex-Model beschuldigt Trump des sexuellen Angriffs

Ein Ex-Model erhebt Vorwürfe gegen US-Präsdient Donald Trump: Er habe sie sexuell angegriffen.

(Foto: AFP)

26 Frauen sind es, die dem US-Präsidenten vorwerfen, er habe sie in den vergangenen Jahrzehnten sexuell angegriffen oder sogar vergewaltigt. Eine neue Beschuldigung kam nun hinzu.

Wäre da nicht diese Aufnahme von Trump - dieses Band, auf dem der spätere Präsident 2005 sagt, als Star könne man Frauen "an die Pussy fassen" -, es wäre wohl leichter für ihn, Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und Attacken von sich zu weisen.

Die inzwischen bereits lange Reihe solcher Beschuldigungen ist nun um einen weiteren Fall gewachsen: In einem Interview mit dem britischen Guardian behauptet das ehemalige US-amerikanische Model Amy Dorris, Donald Trump habe sie 1997 sexuell angegriffen. Er habe sie während der US Open in New York in seiner VIP-Lounge festgehalten, geküsst und angefasst - obwohl sie versucht habe, sich seinem Griff zu entwinden.

Dorris hatte eigenen Angaben zufolge mehrere Tage mit Trump verbracht, der ein guter Freund ihres damaligen Partners, des Publizisten Jason Binn, gewesen sei. Ihr Treffen belegte Dorris mit mehreren Fotos, die sie und Trump zusammen mit weiteren Prominenten zeigen. Wie sie dem Guardian sagte, habe Trump sie angegriffen, als die übrigen Gäste sie beide nicht sehen konnten. Ihren damaligen Freund habe sie danach gebeten, Trump zu sagen, er solle sie in Ruhe lassen. Dem Guardian zufolge behauptet Binn, keine Erinnerung an den Vorfall zu haben.

Trumps Anwälte vermuten politische Motiviation

Trump bestreitet, Dorris belästigt zu haben, berichtet die Zeitung. Seine Anwälte geben an, ihre Behauptungen ließen sich nicht belegen. Sie vermuten, Dorris' Aussage so kurz vor der Präsidentschaftswahl sei möglicherweise politisch motiviert.

Dass sie nach dem Angriff weiterhin Zeit mit Trump verbracht hat, begründete Dorris damit, dass sie mit ihrem Freund dort war und selbst kein Geld hatte, um nach Florida zurückzukehren. Auch habe sie erst später vollständig verarbeitet, was passiert sei.

Die heute 48-Jährige gibt an, sie habe nach dem Vorfall sowohl ihre Mutter als auch eine Freundin in New York angerufen, die das bestätigten. Sie habe bislang aus Angst um ihre Familie geschwiegen, sogar 2016, als mehrere Frauen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ähnliche Vorwürfe gemacht hatten. Dass sie nun an die Öffentlichkeit gehe, erklärt sie damit, dass sie ihre Töchter warnen möchte. Die dreizehnjährigen Zwillinge sollten wissen, dass sie sich von niemanden etwas antun lassen müssen, was sie nicht wollten.

Mit Dorris beschuldigen insgesamt 26 Frauen Trump, sie innerhalb der vergangenen 40 Jahre sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Dass er sexuelle Angriffe wie jenen auf Dorris verüben würde, damit hatte Trump in dem Video von 2005 selbst geradezu geprahlt: "Weißt Du, ich bin automatisch zu Schönheit hingezogen, ich beginne, sie zu küssen. Es ist wie ein Magnet." Nachdem das Video öffentlich bekannt geworden war, hatte Trump die Sprüche verglichen mit nicht ernst gemeinten Männergesprächen in Sport-Umkleiden - und sich entschuldigt. Konkrete Beschuldigungen weist er jedoch bislang zurück.

© SZ/mcs

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