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Neuer US-Botschafter für Berlin: Verbitterter Kriegsheld und glühender Trump-Unterstützer

Douglas A. Macgregor durfte nicht General werden. Jetzt soll er zum Botschafter in Berlin aufsteigen.

(Foto: BMG-2048/Wikimedia Commons/CC-BY-SA-4.0; Bearbeitung SZ)

Die ganz große Militär-Karriere blieb dem ehemaligen Panzer-Kommandeur versagt. Jetzt soll Oberst a. D. Douglas Macgregor Botschafter in Deutschland werden.

Von Thorsten Denkler, New York

Als der irakische Diktator Saddam Hussein im August 1990 das Nachbarland Kuwait überfiel, freute sich Douglas Macgregor. "Saddam Hussein hat mir einen Gefallen getan", sagte er in einem Interview Jahre nach seiner Pensionierung. "Er hat mich vor einer weiteren langweiligen Tour nach Deutschland gerettet."

Jetzt wird er wohl doch wieder nach Deutschland geschickt. Oberst a. D. Macgregor soll nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump Botschafter der USA in Deutschland und Nachfolger von Richard Grenell werden, wie das Weiße Haus am Montag bekanntgab. Der Senat muss die Entscheidung noch bestätigen.

Macgregors herausstechende Qualifikationen: Er kann offenbar recht anständig Panzer-Einheiten kommandieren. Und ist gut darin, die Generalität der USA zu kritisieren. Noch wichtiger aber: Er ist ein loyaler Trump-Fan, der 2019 bereits zu Trumps Top-Auswahl möglicher Nachfolger für John Bolton im Amt des Nationalen Sicherheitsberaters gehörte.

Auf Panzer ist Macgregor schon als Schüler gekommen. Weltkriegs-Filme haben ihn fasziniert. Als Fünftklässler habe er im Supermarkt das Buch "Panzerschlachten" entdeckt, eine Selbstbeweihräucherung des deutschen Wehrmachts-Generals Friedrich Wilhelm von Mellenthin über seine Schlachten an der Ostfront. Das Buch war ein Bestseller in den USA. Und machte Macgregor zum Panzer-Fan. Er nennt es die "Faszination der Mobilität".

Deutschland blieb auf Macgregors Schirm. Er wuchs in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania auf. Die elfte Klasse aber verbrachte er in Deutschland. Nach der Schule ging es bald an die Militärakademie West Point, wo er 1976 seine Ausbildung abschloss. Er machte eine nicht überragende Offiziers-Karriere, mit Einsätzen in Deutschland und Europa. In Büchern beschäftigte er sich mit dem Kalten Krieg und dem Einfluss der Sowjetunion auf das deutsch-deutsche Verhältnis. Im Kosovo-Krieg war Macgregor Planungschef des Oberbefehlshabers der Nato-Streitkräfte.

"Wer zuerst schießt, gewinnt"

Seinen großen Moment aber hatte er in der Operation "Desert Storm" im Irak Anfang 1991. Die Operation war die Reaktion der USA auf den erwähnten Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait. Macgregor kommandierte zwei Einheiten mit 19 Kampfpanzern und anderem schwerem Gerät, die als Erste die Grenze zum Irak passierten. In der "Schlacht um Easting 73" zerstörten er und seine Soldaten in kaum einer halben Stunde ohne eigene Verluste 70 gepanzerte Fahrzeuge der Iraker. Für ihn als Panzerkommandeur waren die endlosen Wüsten "wie ein Paradies" oder ein "Indianapolis 500 für schwere Waffen", sagte er Jahre nach seiner Pensionierung. Er nimmt da Bezug auf das berühmte 500-Meilen-Autorennen. Sie hätten ihre Gegner überrannt, schwärmt Macgregor. Nach dem Motto: "Wer zuerst schießt, gewinnt."

Macgregor bekam Auszeichnungen und Medaillen, wurde aber nur Kommandeur einer Ausbildungseinheit in der Heimat. Immer wieder stieß er mit der Generalität zusammen. In Wettkämpfen gegen andere Ausbildungseinheiten führte er seine Einheiten von Trainingssieg zu Trainingssieg. Mit unsauberen Methoden, wie ihm vorgeworfen wurde. Statt aus Fehlern zu lernen, sollten seine Soldaten aus Siegen lernen.

1997 erschien sein Buch "Breaking the Phalanx", die Phalanx durchbrechen. Darin legte er sein Modell eines von Grund auf reformierten US-Militärs dar. Das Buch fand Beachtung. Verstärkte aber auch seinen Ruf, arrogant und überambitioniert zu sein. Er galt als Außenseiter. Weitere Beförderungen wurden ihm verweigert. Als Macgregor 2004 aus dem militärischen Dienst ausstieg, war er immer noch nur Colonel - Oberst. Er soll verbittert in den Ruhestand gegangen sein.

Macgregor gründete eine Beratungsfirma und schrieb eine Handvoll weiterer militärtaktischer Bücher. Ansonsten fiel er vor allem als Gast-Kommentator in rechten Medien wie Fox News auf, wo er sich regelmäßig über die angebliche Abgehobenheit der US-Generäle echauffierte.

Diese Auftritte dürften ihm die Aufmerksamkeit von Donald Trump beschert haben. Macgregor hatte den Präsidenten immer wieder dafür gelobt, US-Truppen aus Afghanistan und Syrien abziehen zu wollen. Er hält das für absolut notwendig. Die USA seien nur deshalb noch dort engagiert, weil die Rüstungsindustrie viel Geld verdienen wolle - ebenso wie die Generäle, die die Industrie nach ihrer Dienstzeit beraten.

Womöglich diese Woche will Trump seine Truppenabzugspläne für Deutschland präsentieren. Macgregor dürfte er da auf seiner Seite haben. "Die Deutschen fühlen sich dank uns nicht verpflichtet, sich selbst zu verteidigen", sagte Macgregor im Sommer 2018 auf Fox News. "Und der Präsident hat einfach gesagt: Schauen Sie, warum sollte der amerikanische Steuerzahler sie verteidigen, wenn sie nicht willens sind, sich selbst zu verteidigen?"

Auch sonst argumentiert er gerne auf Trump-Niveau. 2012 gab er einem rechten Online-Magazin mit Tendenz zu verschwörungstheoretischen Inhalten ein umfassendes Interview. Darin bezeichnete er die meisten der Regierenden in Westeuropa und Nordamerika als "sozialistische Elite", die zudem korrupt sei. Über die Nato sagte er im vergangenen Jahr, sie sei "ein Zombie". Und "auch Zombies sterben irgendwann".

Trump dürfte sich darauf verlassen können, dass Macgregor das Werk von Richard Grenell fortführt. Grenell hat mit undiplomatischer Kritik an Deutschland und als kaum zu überhörendes Sprachrohr von Trump die deutsch-amerikanischen Beziehungen weiter gen Nullpunkt geführt. Als er im Mai das Amt abgab, soll im politischen Berlin überall erleichtertes Aufatmen zu hören gewesen sein. Die Vermutung liegt nahe, dass es ähnliche Reaktionen geben wird, wenn Macgregor eines Tages sein Amt wieder verlässt. Bis zu seinem Amtsantritt kann allerdings noch viel Zeit vergehen. Die Pandemie hat auch die Prozesse im Senat stark verlangsamt.

© SZ.de/cat
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Douglas Macgregor sei als "Experte für Streitkräfteplanung" bekannt, teilt das Weiße Haus mit. Der Veteran wird bei Fox News immer wieder als Experte zu US-Militäreinsätzen herangezogen.

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