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Österreich:Das deplatzierte Eigenlob von Kanzler Kurz

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz

(Foto: AP)

Österreich darf zu Recht zufrieden sein: Die Corona-Maßnahmen greifen, Lockerungen sind in Aussicht. Aber muss sich der Regierungschef auf Kosten anderer Europäer profilieren?

In diesen düsteren Corona-Zeiten wird gern nach einem Licht am Ende des Tunnels Ausschau gehalten. Bislang ist das nirgends zu sehen. Doch immerhin hat die Regierung Österreichs nun ein paar Kerzlein aufgestellt in der finsteren Röhre, in dem sie für den Handel erste Lockerungen nach Ostern ankündigte. Von Mitte April bis Mitte Mai sollen schrittweise alle Geschäfte bis hin zur Gastronomie wieder öffnen. Der Tunnel selbst aber wurde gleich noch einmal verlängert: Die Ausgangsbeschränkungen gelten nun bis Ende April, die Schulen bleiben bis Mitte Mai geschlossen, bis Ende Juni sind alle Veranstaltungen verboten, mindestens.

Natürlich ist es erfreulich und überdies auch dringend nötig, dass nach vier Wochen des vom Kanzler ausgerufen "Minimalbetriebs" der Versuch starten soll, schrittweise Teile des Wirtschaftslebens wieder anzukurbeln. Die rigiden Maßnahmen haben gegriffen, die Infektionszahlen wurden stabilisiert. Nachdem Mitte März zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen die tägliche Steigerungsrate der Infektionen in Österreich noch bei mehr als 40 Prozent gelegen hat, so ist dies nun auf unter zwei Prozent gesunken. Die Zahl der Infizierten liegt derzeit bei etwas mehr als 12 000, sie verdoppelt sich demnach aktuell nur noch alle 16,5 Tage. Die Regierung hat also Grund, sich selbst und auch die disziplinierte Bevölkerung zu loben. Doch gewonnen ist damit noch nichts.

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Mit diesem ersten Plan für die Zeit danach ist Österreich den anderen europäischen Ländern lediglich um einen Schritt voraus. Deshalb wirkt es deplatziert, dass Kanzler Kurz das Eigenlob stets mit dem Verweis auf andere Länder garniert, die weniger gut durch die Krise kommen. Schließlich geht es in diesem Kampf gegen das Cornavirus nicht um ein Wettrennen, nicht darum, wer als Erster gehandelt hat und nun als Bester aus dem Schlamassel herauskommt.

Was nottut in diesen Tagen ist europäische Solidarität, sind abgestimmte europäische Konzepte. Denn am Ende werden sich nur alle gemeinsam an die Aufräumarbeiten machen können. Daran sollte auch Kanzler Kurz denken. Er muss gewiss sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, doch mit solch eitlem Blendwerk ist niemandem geholfen.

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© SZ.de/fie
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