bedeckt München 21°
vgwortpixel

Debatte um Maskenpflicht:Kampf den Tröpfchen

Coronavirus - Österreich

In Wien ist die Maskenpflicht bereits Realität.

(Foto: dpa)
  • Von kommender Woche an ist ein Mund- und Nasenschutz in Jena überall dort verpflichtend, wo Mindestabstände oft nicht eingehalten werden können. So zum Beispiel im Supermarkt oder in Bus und Bahn.
  • Die thüringische Universitätsstadt ist die erste Kommune in Deutschland, die eine solche Maßnahme ergreift. Im Rest des Landes streiten Politiker noch, wie sinnvoll eine solche Maskenpflicht ist.
  • Hinzu kommt, dass auch bei einfachen Schutzmasken bereits Engpässe bestehen - in Jena sind die Bürger deshalb zum Selbernähen aufgerufen.
  • Das RKI warnt: Professionelle Masken müssten dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben.

Thomas Nitzsche (FDP) ging mit Beispiel voran, als er sich vor wenigen Tagen mit einer Videobotschaft an die Einwohner Jenas wandte. Der Oberbürgermeister saß in seinem Büro, sprach über Fahrplanänderungen im Nahverkehr, Mindestabstand, Solidarität. Unter dem bärtigen Kinn klemmte eine Atemschutzmaske. "Es ist wichtig, dass wir alle anderen schützen im Moment, das wissen Sie", sagte Nitzsche. Nachdem er sich verabschiedet hatte, zog er das Stück Stoff wie selbstverständlich zurück über Mund und Nase.

Von kommender Woche an soll eine solche Maske nun für alle in Jena verpflichtend werden. Beim Betreten des Supermarkts, in Bus und Bahn, überall dort, wo Mindestabstände oft nicht eingehalten werden können. Auch Tücher oder Schals werden, sofern sie Mund und Nase bedecken, als Schutz anerkannt.

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Die Universitätsstadt ist die erste Kommune in Deutschland, die eine solche Maßnahme ergreift. Die Maskenpflicht sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden, hieß es am Dienstag von der Stadt. Es gehe vor allem darum, die Sicherheit von Personal im öffentlichen Leben zu erhöhen.

Die Bürger sollen selber nähen

Dabei ist Schutzkleidung - so wie in ganz Deutschland und im Grunde auf der ganzen Welt - auch in Thüringen knapp. Masken und Einweghandschuhe sind in vielen Apotheken und Drogerien ausverkauft. Die Stadt Jena verfügt nach eigenen Angaben über eine Grundausstattung für Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im Nahverkehr, könne aber nicht auf einen Schlag 110 000 Menschen versorgen.

An die Bevölkerung erging deshalb der Aufruf: "Nähen Sie sich selbst und anderen Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen." Bis Ende der Woche sollen Stoffläden und Änderungsschneidereien in Jena wieder geöffnet sein. Übergangsweise könnten auch zweilagige Geschirrtücher oder Bettlaken aus dicht gewebter Baumwolle zurechtgeschnitten und vor das Gesicht gebunden werden, heißt es auf der Internetseite der Stadt.

Coronavirus - Neunkirchen

Knappes Gut: Mitarbeiterinnen nähen Schutzmasken in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Neunkirchen im Saarland.

(Foto: Oliver Dietze/dpa)

Jena schließt sich mit dieser Maßnahme Österreich an, wo Bundeskanzler Sebastian Kurz angekündigt hat, dass die Supermärkte voraussichtlich von Mittwoch an mit der Verteilung von Masken an den Eingängen beginnen. Beim Einkaufen soll dann eine Maskenpflicht gelten, und Kurz deutete an, dass der Mund-Nasen-Schutz in Österreich auch bald am Arbeitsplatz vorgeschrieben sein könnte.

Wird dieses Vermummungsgebot nun bald auch für Deutschland gelten? In Berlin reagierte die Koalition am Dienstag zunächst zurückhaltend auf die Idee einer bundesweiten Mundschutzpflicht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, "in der jetzigen Lage" sehe er "keine Notwendigkeit für eine Verpflichtung". Dass Menschen freiwillig ihren Mund schützten, nannte er aber "ein gutes Signal".

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte zwar der Bild-Zeitung, er könne nicht ausschließen, dass auch eine solche Maßnahme je nach Entwicklung einmal nötig werden könnte - man müsse aber "nicht jede Stunde einen neuen Vorschlag bringen", sondern erst einmal die getroffenen Beschlüsse wirken lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite