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Schutz vor dem Coronavirus:Die Maske ist Pflicht, für alle!

Coronavirus · Berlin

Eine Familie in Berlin trägt selbstgenähte Masken.

(Foto: Wolfram Steinberg/dpa)

Lebensretter dürfen gern ein bisschen blöd aussehen: In der Corona-Krise sollte das Tragen von Mundschutz in der Öffentlichkeit erzwungen werden.

Kommentar von Christina Berndt

Überall in Deutschland rattern gerade die Nähmaschinen. Weißer Zellstoff, gestreifter Jersey, kariertes Tuch: Nach Anleitungen aus dem Internet basteln unausgelastete Schulkinder jetzt ebenso wie hochbetagte Omas Gesichtsmasken und unterstützen damit Kliniken und Pflegeheime, denen der Mundschutz ausgeht. Das ist eine tolle Aktion: Maskennähen ist zum Akt der Solidarität geworden.

Noch toller wäre es, wenn auch Maskentragen endlich ganz selbstverständlich als ein Akt der Solidarität akzeptiert wäre. Aber bisher ist das Gegenteil der Fall: Die Menschen in Deutschland werfen Maskenträgern immer noch einen abschätzigen "Der spinnt ja"-Blick zu oder gehen ihnen aus Angst, Menschen mit Maske hätten bestimmt Coronaviren in sich, sorgenvoll aus dem Weg. Deshalb ist es richtig, diese Solidarität nun einzufordern. Gut, dass die Stadt Jena ab der kommenden Woche das Maskentragen in der Öffentlichkeit erzwingen will. Dem Vorbild sollte in dieser Krise ganz Deutschland folgen.

Die Botschaft ist leider noch nicht in allen Köpfen angekommen: Einfache Masken schützen nicht ihre Träger. Sie sind zum Schutz aller anderen da. Allzu lange hat der Ruf der Masken mit dem Verweis gelitten, dass sie ja angeblich sowieso nichts nützen. Doch das ist nicht wahr. Wenn alle Menschen beim Einkaufen und beim Spazierengehen in übervollen Parks Masken tragen, wird die Ansteckungsgefahr dramatisch eingedämmt. Denn wer hinter einer solchen Maske hustet, schnieft, ausatmet oder niest, behält seine Viren bei sich, statt sie in die Umgebung zu verbreiten. Das darf gerne auch, wie in Jena geplant, mit Schals, Tüchern oder Buffs geschehen. Hauptsache, Mund und Nase sind bedeckt. Masken sind ja ohnehin schon nicht mehr zu bekommen; und die, die es gibt, sollen bitteschön Ärzten, Pflegern und anderen Menschen in Körperkontaktberufen vorbehalten bleiben. Eine Maskenpflicht ist deshalb der nächste, längst überfällige Schritt im Versuch, die Corona-Pandemie mit möglichst wenig Toten zu bewältigen.

Der Maskenträger wird mit einem Schlag vom Nerd zum Alltagshelden

Masken sehen blöd aus, keine Frage. Das gilt umso mehr auch für Schals und Tücher, je frühlingshafter das Wetter wird. Aber Lebensretter dürfen gerne auch ein bisschen blöd aussehen. Nun, da eine gefährliche Infektionswelle den Planeten im Griff hat, ist es an der Zeit, unsere Kultur zu überdenken. Ohnehin schwindet der Eindruck, dass Maskenträger albern aussehen, von ganz allein, wenn das Maskentragen nicht mehr Ausdruck einer seltsamen, übertriebenen Angst ist, sondern Ausdruck dessen, dass hier jemand eine Maske aufhat, weil er die anderen schützen will oder muss. Der Maskenträger wird mit einem Schlag vom Nerd zum Alltagshelden.

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Eine Verpflichtung hat übrigens noch einen weiteren, sehr hilfreichen Nebeneffekt: Menschen mit Masken im Gesicht zeigen in aller Deutlichkeit, wie ernst die Lage gerade ist. Auch das ist ja immer noch nicht in allen Köpfen angekommen. Dass diese Corona-Pandemie eine echte Gefahr ist, vor allem für die Alten und Kranken, aber am Ende für alle.

© SZ.de/jael
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