Coronavirus:"Bei uns kann man sich noch nicht einmal testen lassen"

Sicher ist in Südafrika zumindest, dass die allermeisten davon in privaten Kliniken stehen und keines in der Township Imizamo Yethu. "Bei uns kann man sich noch nicht einmal testen lassen", sagt Sozialarbeiter Tokwe. Zwei Kliniken hat die Township, von denen derzeit nur eine geöffnet ist, ein Flachbau, vor dem zwei Wachmänner stehen, die jedem Besucher etwas Desinfektionsmittel in die Hände versprühen, viel mehr kann man hier derzeit nicht tun gegen Corona. Wer sich testen lassen will, fährt über die Ausläufer des Tafelberges in ein größeres Krankenhaus, wo es vielleicht einen Test gibt, vielleicht aber auch nicht.

Manchmal hat auch Tokwe über den Hügeln zu tun, dann sieht er Nachbarn in der Klinik einen Aids-Test machen oder sich Medikamente holen. "Sie wollen zu Hause nicht erkannt werden, das Stigma ist zu groß", sagt Tokwe. Mindestens jeder Zehnte in der Township ist HIV-infiziert, eine Zahl, die man in vielen Ländern im südlichen Afrika findet, dazu kommen Millionen, die an Tuberkulose erkrankt sind, an Malaria oder Dengue-Fieber. Ist ihr Immunsystem imstande, der Krankheit standzuhalten? Ja, sagen Forscher, was diejenigen HIV-Kranken angeht, die regelmäßig Medikamente nehmen. Verschiedene Malaria- und Ebola-Präparate könnten womöglich sogar erfolgreich gegen Corona eingesetzt werden, gerade haben verschiedene Tests begonnen. Nur haben Millionen Afrikaner überhaupt keinen Zugang zu diesen Medikamenten.

Und Hilfe scheint auch nicht zu nahen. In normalen Zeiten vergeht kaum eine Woche, in der internationale Organisationen nicht um Spenden für Afrika bitten, um Geld, mit dem der Hunger bekämpft werden soll, zu viel Wasser bei Überschwemmungen oder zu wenig bei einer Dürre.

Nun aber, in einer der größten Krisen der jüngeren Geschichte, gibt es kaum jemanden, der zu Spenden aufruft. Der eine Idee hat, wie man dem Kontinent helfen kann. Jedes Land ist sich erst einmal selbst am nächsten. "Lasst die Ärmsten nicht im Stich", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus fast jeden Tag. Er stammt selbst aus Äthiopien und sorgt sich um die Länder, die kein wirkliches Gesundheitssystem haben.

Was kann also helfen?

Ausgerechnet das, was sonst so oft als Nachteil des Kontinents beschrieben wird. Die häufig tropischen Temperaturen und die Millionen jungen Menschen.

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Während Italien, das Land mit den bisher meisten Corona-Toten, ein Durchschnittsalter von mehr als 46 Jahren hat, liegt es in vielen afrikanischen Ländern bei etwa einem Drittel: in Mali bei 15,8 und in der Demokratischen Republik Kongo bei 16,2 Jahren, das macht nicht unverwundbar, steigert aber die Chancen massiv, dass nur ein geringer Teil der Bevölkerung schwere Symptome entwickelt. "Ich denke, dass Afrika nicht mal annähernd so unter der Pandemie leiden wird wie Europa und Nordamerika", sagte Paul Hunter von der University of East Anglia der Financial Times. Manch einer seiner Kollegen ist da aber deutlich skeptischer.

Dann ist da noch das Wetter. Der Himmel über der Township in Kapstadt ist mal wieder himmelblau, die Sonne brennt auf die Blechhütten. Was diesmal kein Nachteil sein muss. "Nach unseren bisherigen Aufzeichnungen fällt es dem Virus schwerer, sich zwischen den Menschen zu verbreiten, die in wärmeren Klimazonen leben", sagt Mohammad Sajadi von der Universität von Maryland. Auch hier gibt es Wissenschaftler, die es ganz anders sehen. Die Realität ist der Test.

In Kapstadt, sagt Sozialarbeiter Kenny Tokwe, werde es jetzt ohnehin Winter, und der könne ziemlich kalt und ungemütlich werden.

© SZ vom 26.03.2020/mkoh
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