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Coronavirus in Spanien:Ein Land im Schockzustand

Ein Mann hinter einem Gitter in Madrid. Mehr als die Hälfte der Corona-Toten in Spanien entfällt auf die Hauptstadt.

(Foto: AP)
  • 3434 Menschen sind in Spanien inzwischen infolge des Coronavirus gestorben - damit ist Spanien nach Italien das zweite Land, das China bei den Corona-Sterbefällen überholt.
  • Für große Aufregung sorgten Berichte, dass in einer Eissporthalle im Norden Madrids mehrere Dutzend Leichensäcke und Särge zwischengelagert worden seien.
  • Schutzkleidung und -masken fehlen - knapp 14 Prozent aller Infizierten gehören dem medizinischen Personal an.
  • Die Debatte um das unzureichend vorbereite Gesundheitswesen nimmt heftige Züge an.

Als zweites Land nach Italien hat Spanien am Mittwoch, zumindest nach den offiziellen Statistiken, China bei der Zahl der Corona-Toten überholt. Das Gesundheitsministerium teilte am Mittag mit, dass ihre Zahl auf 3434 gestiegen sei, mehr als die Hälfte davon entfalle auf die Region Madrid. Im ganzen Land seien 47 600 Ansteckungen registriert. Zudem gab die Regierung am Abend bekannt, dass Vize-Regierungschefin Carmen Calvo sich mit dem Corona-Virus infiziert hat - als nunmehr drittes Mitglied des Kabinetts.

In der heftig ausgetragenen Debatte über die unzureichende Vorbereitung des gesamten Gesundheitswesens auf die Pandemie setzte das Oberste Gericht in Madrid einen Akzent: Es wies in einem Eilverfahren den Antrag des Verbandes der Medizinergewerkschaften zurück, die Regierung zur sofortigen Verteilung von Schutzkleidung und -masken zu zwingen. Dafür sei die Zentralregierung nicht zuständig. Doch ein Sozialgericht in Madrid verurteilte die konservative Regionalpräsidentin Isabel Ayuso dazu, die Bestände an derartigen Materialien sofort an die Krankenhäuser zu verteilen.

Geklagt hatte der Verband der promovierten Oberärzte, der sich auf Mitteilungen des Gesundheitsministeriums berief, nach denen alle erforderlichen Materialien in Magazinen vorhanden seien. Doch ein Sprecher Ayusos sagte, in der Region Madrid werde nichts davon zurückgehalten. Die Madrider Zeitungen beklagen seit Tagen ein Kompetenz- und Informationswirrwarr zwischen den Behörden.

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Das Ministerium gab bekannt, dass für 432 Millionen Euro Materialien in China geordert seien, darunter 550 Millionen Schutzmasken, 5,5 Millionen Virustests und 950 Beatmungsgeräte. Transportflugzeuge der spanischen Luftwaffe sollen das Material abholen. Die Regierung bat auch die Nato-Partner, bei der Deckung der Versorgungslücken auszuhelfen. Knapp 14 Prozent der Infizierten gehören dem medizinischen Personal an.

Bekannt wurde, dass auch zwei Ärzte am Virus gestorben sind, eine 59-jährige Hausärztin in Salamanca, die eigentlich nur leichte Symptome aufgewiesen habe, sowie der 63-jährige Arzt eines öffentlichen Gesundheitszentrums in Córdoba.

Der Direktor der Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES), Fernando Simón, erklärte, dass die Zunahme der Infektionen und Todesfälle sich stark verlangsamt habe. Man rechne damit, dass in der kommenden Woche der Höhepunkt erreicht sei, danach würden die Kurven vermutlich wieder sinken. Nach seinen Worten bedeutet dies, dass die rigorosen Maßnahmen greifen: Ausgangssperre, abgesehen von Arztbesuchen, dem Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten; erlaubt sind auch Fahrten zur Pflege von Angehörigen. Das Parlament verlängerte die zunächst für zwei Wochen verfügten Maßnahmen bis zum 11. April. Allerdings meinten Vertreter der Ärzteverbände, dass dies nicht reiche; es sei zu erwarten, dass das öffentliche Leben bis mindestens Ende April paralysiert sei.

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