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Corona-Tracking:Debatte um Wirksamkeit der Corona-Warn-App

Hand hält Smartphone mit Corona Warn-APP im Klassenzimmer einer Schule, Corona-Krise, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deu

Seit Juni wurde die Corona-Warn-App rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen.

(Foto: Michael Weber IMAGEPOWER via www.imago-images.de/imago images/Michael Weber)

Der bayerische Ministerpräsident Söder erachtet die Anwendung als praktisch nutzlos. Andere Politiker und Experten hingegen sehen einen hohen Nutzen.

Von Christina Berndt und Simon Hurtz

Um die Corona-Warn-App ist eine politische Debatte entbrannt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hält die App, die Gesundheitsämtern bei der Kontrolle des Sars-CoV-2-Virus helfen soll, bislang für praktisch nutzlos. "Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung", sagte der CSU-Vorsitzende den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Dienstag. "Daher braucht es ein digitales Update, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit die Corona-App wirksam wird." Wie genau dieses Update aussehen soll, ließ Söder offen.

Experten und andere Politiker verteidigten am Dienstag den Wert der Anwendung. "Die App funktioniert im Prinzip gut", sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der Süddeutschen Zeitung, er habe sich über die Bemerkung Söders sehr gewundert. Die Kinderkrankheiten des Programms seien mittlerweile überwunden und "die Weiterentwicklung sei in vollem Gange", sagte Lauterbach, der selbst einer Arbeitsgruppe zu Weiterentwicklung der App angehört. Beteiligt sind Bundesgesundheitsministerium, Robert-Koch-Institut (RKI) sowie die Unternehmen Telekom und SAP, die mit der Entwicklung und dem Betrieb der App beauftragt wurden.

Die Corona-Warn-App wurde seit Juni rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen. Sie wird von rund 16 Millionen Menschen aktiv genutzt und warnt User, wenn diese Kontakt zu einem Infizierten hatten. Allerdings müssen wegen der Datenschutzbestimmungen Infizierte der App dazu aktiv mitteilen, wenn sie positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Derzeit geben 60 Prozent der positiv getesteten Nutzer ihren Befund für Warnungen durch die App weiter.

Inzwischen ist eine grenzübergreifende Nachverfolgung möglich

Schätzungen zufolge haben fast 15 000 Personen ihr positives Testergebnis über die App geteilt und damit Warnungen bei anderen Nutzern ausgelöst. Derzeit kommen täglich mehr als 500 neue positive Testergebnisse dazu, die in der App eingetragen werden. Das entspricht etwa zehn Prozent aller Neuinfektionen und zeigt, wie stark die Fallzahlen steigen - aber eben auch, dass die App von immer mehr Menschen aktiv genutzt wird und sich zu einem wichtigen Baustein im Kampf gegen die Pandemie entwickelt. "Die App wird gut angenommen. Jede Infektionskette, die hierdurch zusätzlich unterbrochen wird, ist wichtig", sagte Gottfried Ludewig, Leiter der Digital-Abteilung im Bundesgesundheitsministerium.

Auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) rief am Dienstag erneut zur Nutzung der Corona-Warn-App auf. Dies sei vor allem angesichts steigender Infektionszahlen wichtig. "Da, wo die Gesundheitsämter in den Hotspots mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr hinterherkommen, ist die Corona-Warn-App das einzige Instrument, was einen noch auf Corona-Kontakte hinweist", sagte Braun.

Erst am Montag erschien ein Update, das zusätzliche Funktionen enthält. Nutzer können nun ihre Symptome eintragen, wenn sie sich mit Sars-CoV-2 infiziert haben. Außerdem ist es möglich, grenzübergreifend Kontakte nachzuverfolgen. Ursprünglich sollte die Corona-App schon in der Urlaubszeit im Sommer kompatibel mit den Anwendungen der Nachbarländer sein, doch die Entwicklung verzögerte sich. Zum Start funktioniert der Datenaustausch mit Irland und Italien, weitere Länder sollen bald folgen. Mit diesen Neuerungen werde die App in der zweiten Welle der Pandemie ihren wahren Wert zeigen, ist Lauterbach überzeugt. Sie werde dann "eine ganz wesentliche Unterstützung" sein.

© SZ/saul
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