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Corona:EU macht Druck bei Impfstofflieferung

Vor Astra Zeneca hatte auch der deutsch-amerikanische Hersteller Biontech-Pfizer bereits Lieferprobleme angekündigt

(Foto: AFP)

Nach der Ankündigung des Herstellers Astrazeneca, weniger Vakzin auszuliefern als geplant, droht Brüssel mit rechtlichen Schritten. Auch Deutschland ist von den Verzögerungen betroffen.

Von Karoline Meta Beisel, Brüssel, und Nico Fried, Berlin

Nachdem mit Astra Zeneca ein zweites Pharmaunternehmen Probleme mit der Impfstofflieferung angekündigt hat, will die EU den Druck auf die Hersteller erhöhen, um die pünktliche Lieferung sicherzustellen. "Wir erwarten, dass die Verträge, die die Pharmaindustrie unterschrieben hat, auch eingehalten werden", sagte Ratspräsident Charles Michel am Sonntag. Vor allem müsse man Klarheit über den Grund der Verzögerung bekommen. Notfalls werde die EU juristische Mittel einsetzen, sagte er. Auch aus der EU-Kommission heißt es, man prüfe die rechtlichen Möglichkeiten. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides wollte Astra Zeneca am Sonntag per Brief daran erinnern, dass sich die Firma vertraglich dazu verpflichtet habe, schon vor Freigabe des Impfstoffs mit der Produktion zu beginnen.

Astra Zeneca hatte am Freitag mitgeteilt, in der EU zunächst weniger Corona-Impfstoff auszuliefern als geplant. Grund sei eine geringere Produktion an einem Standort in der EU-Lieferkette. Der Impfstoff von Astra Zeneca ist in der EU noch nicht zugelassen, die Freigabe wird aber für kommenden Freitag erwartet. Die Kommission hat sich im Namen der Mitgliedstaaten im August 400 Millionen Impfdosen bei Astra Zeneca gesichert. Unbestätigten Berichten zufolge vermindert sich die Liefermenge um etwa 60 Prozent.

Vor Astra Zeneca hatte auch der deutsch-amerikanische Hersteller Biontech-Pfizer bereits Lieferprobleme angekündigt. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte kritisierte die Firmen heftig. "Diese Verlangsamungen der Lieferungen stellen schwere Vertragsverletzungen dar, die in Italien und anderen europäischen Ländern enorme Schäden verursachen", schrieb er am Samstag bei Facebook. Auch er kündigte juristische Schritte an. Da die Kaufverträge mit den Unternehmen zwar auf Basis der EU-Kontingente, aber letztlich von den Hauptstädten selbst geschlossen werden, können diese auch selbst gegen die Lieferanten vorgehen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zufolge ist auch Deutschland von der verminderten Liefermenge betroffen. "Wenn der Impfstoff von Astra Zeneca Ende Januar zugelassen wird, rechnen wir für Deutschland bereits im Februar mit mindestens drei Millionen Impfdosen", sagte Spahn der Bild am Sonntag. Er räumte jedoch ein, dass das weniger sei als erwartet. Spahn äußerte sich nicht zu etwaigen juristischen Schritten gegen das Unternehmen.

Die reduzierten Lieferungen sorgen in den Bundesländern für Verzögerungen in den Impfplänen. So finden in Nordrhein-Westfalen diese Woche keine neuen Erstimpfungen statt. In Bayern wurden in einzelnen Landkreisen fest vereinbarte Impftermine kurzfristig abgesagt und um bis zu zwei Monate verschoben.

Wie Spahn weiter mitteilte, setzt die Bundesregierung nun auch auf Medikamente, die einen milderen Verlauf der Covid-Infektion bewirken können. Das Gesundheitsministerium hat 200 000 Dosen entsprechender Präparate für 400 Millionen Euro gekauft. Laut Ministerium handelt es sich um Kontingente von zwei verschiedenen Medikamenten, die Antikörper enthalten. "Nach vorliegender Studienlage könnte die Medikation möglicherweise dabei helfen, die Virusmenge im Körper zu begrenzen und so einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben", teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Mit einem solchen Präparat soll auch der frühere US-Präsident Donald Trump behandelt worden sein, als er sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte.

© SZ/stad
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