Einreise in die Volksrepublik:Peking lockert Visaregeln

Einreise in die Volksrepublik: Der Flughafen in Peking: Auch für Deutsche mit längeren Reiseplänen soll es einige Erleichterungen geben.

Der Flughafen in Peking: Auch für Deutsche mit längeren Reiseplänen soll es einige Erleichterungen geben.

(Foto: Alamy Stock Photos / tingimage/mauritius images / Alamy Stock P)

Wer bis zu 15 Tage lang China besuchen will, braucht als Deutscher künftig in der Regel kein Visum mehr. Das Land wirbt für sich, doch für Regimekritiker dürfte es nicht leichter werden.

Von Lea Sahay, Peking

China hebt die Visumspflicht für deutsche Staatsbürger teilweise auf. Das teilte das chinesische Außenministerium am Freitag in Peking mit. Demnach brauchen Deutsche vom 1. Dezember an für eine bis zu 15-tägige Reise in der Regel kein Visum mehr, wenn sie geschäftlich, privat oder zum Besuch von Freunden und Verwandten in die Volksrepublik kommen wollen. Mit der Entscheidung wolle sich das Land weiter öffnen und für seine Entwicklung werben, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Die Regelung soll zunächst für ein Jahr getestet werden und gilt auch für Staatsbürger aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien und Malaysia. Wieso gerade diese sechs Länder für den Testlauf ausgesucht wurden, sagte Peking nicht. Bisher galt eine ähnliche Regelung nur für Singapur, Brunei und - vor Corona - Japan.

Chinesen, die in den Schengenraum einreisen, brauchen weiterhin ein Visum

Die Entscheidung hat keinen Einfluss auf chinesische Reisende in Deutschland. Chinesen, die in den europäischen Schengenraum einreisen, brauchen weiterhin ein Visum.

Für Deutsche bedeutet die Entscheidung, dass sie zukünftig lediglich einen Reisepass besitzen müssen, der bei Ankunft in China noch mindestens sechs Monate gültig ist. Auch für Besucher mit längeren Reiseplänen gibt es eine kleine Erleichterung: Diese können ihren Visumsantrag nun ohne Termin in einem der fünf chinesischen Visazentren in Deutschland einreichen. Die Gebühren bleiben allerdings mit etwa 125 Euro pro Antrag recht hoch.

Ausgenommen von Lockerungen sind auch Journalistenvisa, die Peking seit einigen Jahren nur noch sehr restriktiv genehmigt. Viele Korrespondenten erhalten gar keine Arbeitserlaubnisse mehr, auch Kurzzeitvisa für Journalisten werden fast gar nicht mehr ausgestellt. In der Vergangenheit hatten deutsche Staatsbürger aber auch bei der Beantragung von Touristenvisa Probleme, wenn diese Nachnamen trugen, die vermuten ließen, dass sie oder ihre Familie aus der Türkei oder dem Nahen Osten stammen.

Während der Pandemie hatte sich das Land stark abgeschottet

Für die Einreise nach China war bisher in aller Regel ein Visum erforderlich. Ausnahmen bilden sogenannte visafreie Transite: So bieten einige Städte wie Peking unter anderem für Deutsche die Option eines Transitaufenthalts für weniger als 72 oder 144 Stunden. Dafür müssen die Reisenden am Flughafen einen Weiterflug in ein Drittland nachweisen.

Erst im März hatte China wieder angefangen, in größerem Umfang Visa aller Art auszustellen. Während der Pandemie hatte das Milliardenland seine Grenzen fast vollkommen geschlossen. Selbst Ausländer, die vorher in China gelebt, aber sich zum Zeitpunkt der Entscheidung im Ausland aufgehalten hatten, erhielten keine Genehmigung für eine Rückkehr. Wer einreisen durfte, musste nach Einreise zum Teil bis zu drei Wochen in zentrale Quarantäne.

Die Abschottung hatte auch große Auswirkungen auf den Tourismussektor. 2019 waren laut Peking noch allein etwa 32 Millionen ausländische Touristen nach China gereist und hatten umgerechnet 70 Milliarden Euro umgesetzt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres registrierte China lediglich 8,4 Millionen Ein- und Ausreisen von Ausländern, 2019 lag die Zahl noch bei 977 Millionen.

Die Hoffnung auf neue Touristen und mehr Geschäftsreisende dürfte dementsprechend groß sein. Aber zumindest bei den Deutschen war die Reiselust auch schon vor Corona hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Viele beklagten die massive Überwachung im Land und ein allgemeines Unwohlsein in Bezug auf das Reisen in einem Staat, der international zunehmend aggressiv agierte.

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