Chemiewaffen:Parallelen zu einem Sarin-Angriff von 2013

Assad hatte sich 2013 verpflichtet, sein Chemiewaffenprogramm aufzugeben und der Chemiewaffenkonvention beizutreten. Er wendete damit einen unmittelbar bevorstehenden Angriff der USA auf seine Militäreinrichtungen ab. Vorangegangen war eine massive Attacke mit Sarin auf mehrere Vorstädte von Damaskus, bei der am 21. August 2013 mehr als 1400 Menschen getötet wurden.

Auch damals beschuldigte das Regime die Rebellen, hinter dem Angriff zu stehen, um eine Militärintervention der USA zu provozieren - hatte doch der damalige US-Präsident Barack Obama den Einsatz von Chemiewaffen als rote Linie bezeichnet. Erhärten konnte es diesen Vorwurf nicht. Ake Sellström, Chef der UN-Inspektoren, die den Angriff auf die Region Ghouta bei Damaskus untersuchten, sagte 2014 in einem Interview, er habe Syriens Regierung gefragt, wie Aufständische an Chemiewaffen gelangt sein könnten. Die habe aber nur "ziemlich ärmliche Theorien" geliefert, wie Schmuggel durch die Türkei oder Labore im Irak; auch habe sie bestritten, dass Rebellen Armeebestände erbeutet haben könnten. "Wenn sie wirklich die Opposition beschuldigen wollen, sollten sie eine gute Geschichte haben, wie diese an die Munition gekommen sein soll - und die haben sie nicht geliefert", sagte er.

Sarin wird kurz vor dem Einsatz aus zwei Komponenten gemischt

Sellströms Team hatte auf Verlangen Russlands nicht das Mandat, die Verantwortlichen für Angriffe zu nennen, die von den UN eingesetzte internationale Kommission zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen in Syrien aber kam auf Grundlage des Berichts und eigener Nachforschungen zu dem Ergebnis, dass in Ghouta "signifikante Mengen Sarin in einem gut geplanten Angriff" eingesetzt worden seien. Die "vorliegenden Informationen bezüglich der Natur, Qualität und Menge der Kampfstoffe" zeigten, dass die "Verantwortlichen wahrscheinlich Zugang zum Chemiewaffen-Arsenal der syrischen Armee hatten" und über das Wissen und die Ausrüstung verfügt hätten, sicher große Mengen Chemiewaffen zu handhaben - ein Verweis darauf, dass Sarin in aller Regel erst kurz vor dem Einsatz aus zwei Komponenten zusammengemischt wird.

Während westliche Geheimdienste mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Einheiten der Regierung für die Attacke verantwortlich waren, beharren Russland und die syrische Führung bis heute darauf, es habe sich um eine Provokation der Rebellen gehandelt - wie jetzt auch in Khan Scheikhun. Die Erklärungen dazu aus Moskau aber sind widersprüchlich: Am Mittwoch hieß es erst, die Rebellen dort hätten Kampfstoffe produziert, die in den Irak geliefert werden sollten - obwohl die Gruppen in Khan Scheikhun gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpfen, die im Irak aktiv ist.

Am Donnerstag sollte das Gift umgekehrt von dort oder aus der Türkei gekommen sein. Der Guardian-Journalist Kareem Shaheen, dem es am Donnerstag gelungen war, nach Khan Scheikhun zu kommen, fand zwar die Spuren der Einschläge des Angriffs. Die bombardierten Gebäude, eine Lagerhalle und Getreidesilos, seien aber leer und dem Augenschein nach schon lange nicht mehr genutzt worden. Keine Spur von einem Chemiewaffen-Labor.

Russische Truppen können Marschflugkörper abwehren

US-Präsident Obama war Assads Abrüstungsversprechen damals nicht ungelegen gekommen: Er wolle vermeiden, dass die USA in einen weiteren Krieg im Nahen Osten hineingezogen werden. Sein Nachfolger Donald Trump hat sich davon nicht abschrecken lassen, sich aber für einen gezielten Schlag entschieden, der die Gefahr einer Eskalation mit Russland begrenzen soll - immerhin sind mehrere Hundert US-Soldaten in Nordsyrien unterwegs. Auf dem Stützpunkt al-Schairat waren russische Soldaten stationiert; das US-Militär warnte Moskau vor dem Angriff und attackierte nicht die Bereiche, die von den Russen genutzt werden.

US-Flugzeuge drangen nicht in den syrischen Luftraum ein, den Russland zu großen Teilen mit modernen Luftabwehrsystemen kontrolliert. Diese sind anders als die syrische Luftabwehr auch in der Lage, Marschflugkörper abzufangen. Russland hat Kampfjets in Syrien stationiert, dazu Kampfhubschrauber und Elite-Einheiten am Boden. Seine Truppen könnten durchaus zu einer Bedrohung für US-Soldaten in Syrien werden, sollte sich Putin für militärische Vergeltung entscheiden.

Allerdings dürften Trump und seine Generäle davon ausgegangen sein, dass die US-Präsenz in der Region ausreicht, Russland oder Syrien abzuschrecken. Im Persischen Golf kreuzt der Flugzeugträgerverband um die USS George H. W. Bush, zudem sind US-Kampfjets auf dem türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik und in mehreren Golfstaaten stationiert - die die Amerikaner lange gedrängt haben, in Syrien zu intervenieren und ihre Bereitschaft erklärt haben, sich daran zu beteiligen.

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