bedeckt München 17°
vgwortpixel

Brexit:"Dann können wir nur unsere Nase an die Scheibe drücken und zusehen"

Cameron will den Briten eines einhämmern: Die EU mag als Organisation nicht perfekt sein. Im Gegenteil: "Wenn Sie mich fragen, gibt es Frustrationen; dann sage ich, natürlich sind da Frustrationen." Er würde "nicht eine Minute hier sitzen und sagen, die EU ist perfekt". Und manchmal, gesteht er zu, manchmal "this organisation drives me crazy" - "bringt mich diese Organisation an den Rand des Wahnsinns".

Aber: Die EU wird nicht aufhören zu existieren, sollte sein Land austreten. Und dann "können wir nur unsere Nase an die Scheibe drücken und zusehen". Es gebe keinen Grund, den gemeinsamen Wirtschaftsraum EU, den größten Markt der Welt, zu verlassen und dann zuzusehen, wie die da drin die Regeln machen für einen Markt, auf den Großbritannien existenziell angewiesen sei.

Das ist sein Kernargument: Ohne EU mag es auch gehen, aber viel, viel schlechter. Er könnte auch einfach einen früheren Berater von US-Präsident Bill Clinton zitieren: "The economy, stupid", - "Die Wirtschaft, Dummkopf!"

Eine Frau aus dem Publikum will wissen, wie er mit dem großen Druck auf das staatliche Gesundheitssystem NHS umgehen will. Camerons Antwort: Wenn das Land die EU verlässt, wird das die Wirtschaft schwächen. Und eine schwache Wirtschaft erhöht den Druck auf das Gesundheitssystem.

Ein Flugzeug-Ingenieur will wissen, wie er den Stahlmarkt schützen will. Camerons Antwort: Das geht nur mit der EU. Wenn China Stahl zu Dumpingpreisen anbieten will, kann die EU das gemeinsam verhindern. Ohne EU wäre Großbritannien dem Problem allein ausgeliefert.

Eine Mutter will wissen, wie ihre Tochter einen Einstiegs-Job bekommen soll, wenn sie darum mit hochqualifizierten Ausländern in Konkurrenz steht. Camerons Antwort: Genug Jobs gibt es nur, wenn Großbritannien in der EU bleibt.

Camerons Argumentation wirkt zwar flach, aber eindringlich: Ein Austritt, sagt Cameron, würde der britischen Wirtschaft "fundamental schaden". Das wäre ein "Akt der Selbstverletzung".

Ryanair Billigflüge zur Abstimmung - Ryanair verärgert Brexit-Fans
Fluglinie

Billigflüge zur Abstimmung - Ryanair verärgert Brexit-Fans

Viele Befürworter eines britischen EU-Austritts ärgern sich maßlos über eine Werbeaktion von Ryanair. Die Fluglinie facht den Streit nun weiter an.   Von Björn Finke, London

Er scheint es ehrlich zu meinen. Soraya Bouazzaoi glaubt das nicht. War sie vielleicht doch ein wenig unhöflich gegenüber dem Premierminister, wird sie nach der Sendung gefragt. Sie findet das nicht.

"Ich glaube, er hat nur etwas von dem Geschmack seiner eigenen Medizin bekommen", sagt sie nach der Sendung. "In seinen sechs Jahren im Amt war er verlogen und unehrlich und hat viele schlimme Dinge unter den Teppich gekehrt." Sie wolle eine ehrliche Debatte über das EU-Referendum führen. Cameron scheint sie da nicht für den geeigneten Gesprächspartner zu halten. Dennoch: Sie will in der EU bleiben. Camerons Verdienst ist das nicht.