bedeckt München
vgwortpixel

Fluglinie:Billigflüge zur Abstimmung - Ryanair verärgert Brexit-Fans

-

Hallo, Europa! Ryanair wirbt für seine Flüge - und spricht sich gegen den Brexit aus.

(Foto: Remko de Waal/AFP)

Viele Befürworter eines britischen EU-Austritts ärgern sich maßlos über eine Werbeaktion von Ryanair. Die Fluglinie facht den Streit nun weiter an.

Für umgerechnet 25 Euro in die Heimat fliegen? Diese Preise sind kriminell niedrig. Das finden zumindest die Befürworter eines Brexit, eines Austritts Großbritanniens aus der EU. Und deswegen verlangen die Europa-Gegner, dass Scotland Yard, also die Londoner Polizei, gegen die Fluggesellschaft Ryanair ermittelt.

Am 23. Juni stimmen die Untertanen Ihrer Majestät darüber ab, ob sie in der Europäischen Union bleiben. Auch Briten, die im Ausland leben, dürfen wählen. Mindestens 1,2 Millionen Briten wohnen in anderen EU-Staaten. Die Billigfluggesellschaft Ryanair spricht sich gegen eine Trennung von der EU aus. Darum bietet sie für den 22. und 23. Juni besonders günstige Tickets zu allen britischen Flughäfen an. Der Werbeslogan dafür lautet: "Fliege in die Heimat, um für den Verbleib in der EU zu stimmen." Neben dem Spruch sind auf den Anzeigen zwei Stewardessen mit einer britischen und einer EU-Flagge zu sehen. Der Preis der Tickets ist für EU-Freunde verlockend. Die billigsten Tickets kosten umgerechnet 25 Euro.

Vote Leave, die Kampagne, die für den Austritt kämpft, sieht das als verbotene Beeinflussung von Wählern an und fordert eine rasche Untersuchung. Vote-Leave-Direktor Dominic Cummings schrieb an den Chef der Londoner Polizei: Wäre das Angebot der irischen Fluggesellschaft legal, dürfte ja auch jeder Pub neben einem Wahllokal verbilligte Getränke offerieren, damit mehr Bürger im Sinne des Pubbesitzers abstimmen. Mit solchen Aktionen werde der "demokratische Prozess untergraben vom Reichtum, der Macht und dem Einfluss internationaler Konzerne, die ein wirtschaftliches Interesse daran haben, das korrupte System der EU beizubehalten".

Ryanair-Chef Michael O'Leary sagte dazu, die Austritts-Kampagne müsse "wirklich verzweifelt" sein, wenn sie nun gegen billige Tickets für britische Bürger kämpfe. Seine "Brexit Special"-Aktion galt ursprünglich nur für einen Tag. Doch nach dem Brief an die Polizei verlängerte der trotzige Ire sie um einen weiteren Tag, so dass die günstigen Flüge nach Großbritannien noch bis Freitagabend um Mitternacht britischer Zeit gebucht werden können.

Früher wetterte der Ryanair-Chef schon mal gegen die EU

Umfragen prophezeien ein enges Rennen bei der Volksabstimmung, aber die Pro-EU-Seite scheint leicht vorne zu liegen. Die Mehrheit der britischen Unternehmer spricht sich für den Verbleib aus, weil die Manager ansonsten Nachteile beim Handel mit dem Rest Europas fürchten, dem wichtigsten Exportmarkt. Ryanair und O'Leary gehören zu den lautstärksten Gegnern eines Austritts. Der meinungsfreudige Selbstdarsteller drohte schon im Februar, er werde "jeden zu Tode langweilen damit", dass er bis zum Referendum seine Pro-Europa-Botschaft wiederhole.

Auch die Flugzeuge des Unternehmens verbreiten diese Botschaft. Anfang der Woche posierten O'Leary und der Europa-freundliche Schatzkanzler George Osborne am Flughafen London-Stansted vor einem Jet, auf dem groß "Stärker, sicherer und wohlhabender in Europa" zu lesen war. Darunter: "Ryanair sagt: Stimme für den Verbleib in Europa." Rivale Easyjet kämpft ebenfalls gegen einen Austritt. Die Unternehmen profitieren davon, dass die EU die Märkte in den Mitgliedsstaaten geöffnet und Hürden für ausländische Fluggesellschaften abgebaut hat.

O'Leary hat früher allerdings nicht gerade als EU-Freund von sich reden gemacht. So bezeichnete er die EU-Kommission als "Reich des Bösen", nachdem diese seinen Plan vereitelt hatte, den irischen Konkurrenten Aer Lingus zu übernehmen. Das Berlaymont - also das Gebäude, in dem die Kommission sitzt - sei "der Todesstern, wo jeder Hauch von Innovation draußen vor der Tür bleiben muss, wenn du reingehst, um dich mit Bürokraten und Politikern zu treffen", schimpfte er. Kein Zweifel: Der Mann streitet gerne - früher gegen, nun für Europa.

Brexit Darum fürchten deutsche Unternehmen den Brexit
Brexit

Darum fürchten deutsche Unternehmen den Brexit

Tausende Arbeitsplätze stünden bei einem britischen EU-Austritt auf der Kippe - ganz zu schweigen von milliardenschweren Exporten.   Von Caspar Busse