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US-Präsidentschaft:Bloomberg will Trump herausfordern

  • Im März sagte Michael Bloomberg noch Nein zu einer Präsidentschaftsbewerbung. Doch der US-Demokrat überlegte es sich anders.
  • Seit Tagen gab es Spekulationen darüber, dass der Milliardär das Rennen aufmischen könnte. Nun ist es offiziell: Er macht genau das.

Der Milliardär und frühere New Yorker Bürgermeister, Michael Bloomberg, will US-Präsident Donald Trump bei der Wahl 2020 herausfordern. Der Demokrat kündigte am Sonntag an, offiziell ins Präsidentschaftsrennen seiner Partei einzusteigen. Schon seit Tagen war mit seine Kandidatur erwartet worden.

"Ich bewerbe mich als Präsident, um Donald Trump zu besiegen und Amerika wieder aufzubauen", teilte der 77-jährige Bloomberg mit. "Wir können uns vier weitere Jahre von Präsident Trumps rücksichtslosen und unethischen Handeln nicht leisten. Er repräsentiert eine existenzielle Bedrohung für unser Land und unsere Werte."

Bloombergs Einstieg zehn Wochen vor Beginn der Vorwahlen spiegelt Sorgen in der Demokratischen Partei wider, dass die bisherigen Bewerber Trump möglicherweise nicht besiegen können. Bloomberg wird der politischen Mitte zugerechnet und hat sich in den vergangenen Jahren insbesondere für den Schutz des Klimas und gegen Waffengewalt eingesetzt.

Bloomberg hatte bereits Vorbereitungen getroffen und in mehreren Bundesstaaten die nötigen Unterlagen für eine mögliche Teilnahme an den Vorwahlen eingereicht. Der Demokrat Bloomberg, der einst das nach ihm benannte Finanz- und Medienunternehmen gegründet hatte, gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Die Zeitschrift Forbes schätzt sein Nettovermögen auf ungefähr 50 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro), womit er Trumps geschätztes Vermögen von etwas mehr als drei Milliarden Dollar weit überragt.

Spott von Trump

Bloomberg hatte bereits zugesagt, im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampfs mindestens 150 Millionen Dollar seines privaten Vermögens auszugeben, darunter 100 Millionen Dollar für Internet-Werbung gegen Trump. Er sagte nicht, wie viel er insgesamt für seine eigene Bewerbung ausgeben wird, doch sei ranghoher Berater Howard Wolfson sagte: "Was auch immer erforderlich ist, um Donald Trump zu besiegen."

Bloomberg werde keine Wahlkampfspenden annehmen, sagte Wolfson. Schon vor der offiziellen Bekanntgabe seiner Bewerbung kritisierte der demokratische Rivale Bernie Sanders Bloombergs Absicht, nur sein eigenes Vermögen einzusetzen. "Ich bin angewidert von der Idee, dass Michael Bloomberg oder irgend ein Milliardär denkt, er könne den politischen Prozess umgehen und zig Millionen Dollar ausgeben, um Wahlen zu kaufen", twitterte er am Freitag.

Er kann damit erhebliche Finanzmittel in einen Wahlkampf gegen den 73 Jahre alten Trump einbringen, der bei der Wahl 2020 erneut für die Republikaner antreten will. Trump hatte bereits vor Tagen mit Spott auf die Berichte über eine mögliche Präsidentschaftsbewerbung Bloombergs reagiert. Dem "kleinen Michael" Bloomberg fehle die nötige "Magie", die Wahlen in einem Jahr zu gewinnen, sagte Trump. "Er wird nicht gut abschneiden."

Bloomberg reiht sich - extrem spät - in das übervolle Bewerberfeld der Demokraten ein. Obwohl bereits zahlreiche Parteikollegen ausgestiegen sind, bewerben sich noch immer fast 20 Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei. Die meisten von ihnen machen bereits seit Monaten Wahlkampf. Die Vorwahlen, bei denen die Demokraten ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November 2020 endgültig bestimmen, beginnen Anfang Februar in Iowa.

Prominente Anwärter auf die Kandidatur der Demokraten hatten sich in den vergangenen Tagen angesichts der Spekulationen über seine Kandidatur bereits gegen Bloomberg in Stellung gebracht. Insbesondere die linken Senatoren Elizabeth Warren und Bernie Sanders, die in Umfragen bislang mit an der Spitze liegen und immer wieder Position gegen Superreiche beziehen, zielten auf Bloombergs Reichtum ab. Sanders etwa sagte, man könne die Wahl nicht kaufen.

Bloomberg gilt als moderater Demokrat und macht vor allem dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden Konkurrenz, der in Umfragen noch vorne liegt. Zuletzt schwächelte Biden aber und wurde von der internen Konkurrenz fast eingeholt, beim Sammeln der in den USA äußerst wichtigen Spendengelder für den Wahlkampf wurde er teilweise bereits von Konkurrenten überholt.

Im März hatte Bloomberg noch öffentlich erklärt, er wolle nicht Präsidentschaftskandidat werden. Berichten zufolge verzichtete er damals bewusst auf eine Kandidatur, um Biden nicht in die Quere zu kommen.

© dpa/AP/lala/leja
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