Bangladesch:Der größte asiatische Exodus seit dem Vietnamkrieg

In lokalen Zeitungen ist von 4000 bis 7000 Flüchtlingen die Rede, die auf Listen der Regierung stehen und den Anfang machen sollen. Niemand solle zu einem Umzug gezwungen werden, versichern Vertreter der Regierung. Aber das Wort "freiwillig" hat einen hohlen Klang für Menschen, die zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen wurden und nun in eine ungewisse Zukunft blicken.

Der Flüchtling Abul Kalam sagte der Zeitung New Age, dass die Regierung ihnen Versprechungen gemacht habe. Der neue Ort auf der Insel sei sicher und es werde für sie gesorgt. "Wir haben ja kaum eine andere Wahl, als dorthin zu gehen, denn wir können nicht zurück nach Hause nach Rakhine."

Er spricht von seiner Heimat im Westen Myanmars, wo das Militär 700 000 Muslime vertrieb. Es war der größte asiatische Exodus seit dem Vietnamkrieg. Myanmar verweigert den Rohingyas Staatsbürgerrechte. Die UN beklagen, dass die religiöse Minderheit 2017 mit "genozidaler Absicht" aus dem überwiegend von Buddhisten bevölkerten Myanmar vertrieben worden sei. Die Täter blieben bisher straffrei.

Wie ein Gefängnis für die Rohingya

Für die Rohingya bedeutet dies, dass ihnen der Weg in die Heimat versperrt ist, eine Rückkehr nach Myanmar wäre lebensgefährlich. Viele lehnen einen Umzug auf die Insel ab. Als die Regierung die Pläne für Bhasan Char, erstmals bekannt machte, sagten manche Rohingya, dass sie lieber sterben wollten als hinaus aufs Meer zu ziehen. Der 23-jährige Maung Maung Soe sagte dem australischen Newsnetwork ABC: "Bhasan Char wird wie ein Gefängnis für die Rohingya sein."

Brad Adams von Human Rights Watch Asia drückte in einem Kommentar aus, was viele Flüchtlingshelfer denken: "Verfolgte und traumatisierte Menschen einfach auf Bhasan Char abzuladen, wo ihr Leben erneut in Gefahr ist, das bringt keine Lösung". Er nannte den Plan schon 2017 "grausam" und "nicht umsetzbar". Hinzu kommen Befürchtungen, dass eine massenhafte Umsiedlung an ungeeignete Orte neue Krisen provoziert.

Erfahrungen mit Flüchtlingszentren auf pazifischen Inseln, die Australien nutzt, um Migranten fernzuhalten, sind warnende Beispiele. Sie gleichen Internierungslagern, Menschen leiden dort unter gewaltigem psychischen Stress, weil die Orte keine Beschäftigung bieten, weil sie ausweglos erscheinen.

Dhaka drängt darauf, dass die Internationale Gemeinschaft die Pläne absegnet, die Vereinten Nationen sind noch damit beschäftigt, das Vorhaben zu prüfen. Der Druck aber wächst, denn kaum ein Land ist bereit, Rohingya aufzunehmen, um Bangladesch zu entlasten. Insofern sieht sich Dhaka gezwungen, selbst neue Plätze zu finden in einem Staat, der schon ohne Flüchtlinge extrem dicht besiedelt ist und durch einen steigenden Meeresspiegel auch noch viel Land verlieren wird.

© SZ vom 02.11.2019/lala
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