Balkankriege 1912 und 1913 Testfeld für Kanonen und Maschinengewehre

Wenig später, im Juni 1913, kam es zum nächsten Krieg. Diesmal bekämpften sich die zuvor verbündeten Länder Bulgarien sowie Serbien und Griechenland wegen konkurrierender Territorialansprüche. Bald schalteten sich auch Rumänen und Osmanen mit ein. Am Ende verlor Bulgarien seine Gebietsgewinne aus dem Ersten Balkankrieg.

Während der Kämpfe kamen moderne Waffen zum Einsatz, die aus der französischen Waffenschmiede Schneider-Creusot und aus den deutschen Krupp-Werken stammten. So wurde der Balkan zum grausamen Testfeld für Kanonen und Maschinengewehre, die im Ersten Weltkrieg Europa in ein Menschenschlachthaus verwandeln sollten.

Ebenfalls fatal: In Paris und Berlin glaubte man nach den Balkankriegen, waffentechnisch auf dem höchsten Stand zu sein - und damit in einer besonders günstigen Ausgangsposition bei einem großen militärischen Konflikt.

Diese beiden lokalen Kriege zeigten die Konfliktlinien des späteren Weltkrieges: Bulgarien und die Osmanen kämpften auf der Seite der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn, weil sie glaubten, ihre Terretorien rückerobern zu können. Serbien, Griechenland und Rumänien kämpften aus dem selben Kalkül gemeinsam mit Frankreich, Russland und Großbritannien.

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Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Wie Deutschland 1914 den Krieg plante

Kaiser Wilhelm II. und sein Umfeld ersehnten sich einen Krieg gegen Frankreich und Russland. Im Sommer 1914 taten diese Männer alles, um den Frieden zu sabotieren. Die These von der "Unschuld" Berlins kann nur vertreten werden, wenn man die Ergebnisse penibler Archivforschung ignoriert.   Gastbeitrag von John C. G. Röhl

Das zaristische Russland sah in den Serben Brüder, die ebenso dem christlich-orthodoxen Glauben anhängen. Die Partnerschaft von damals hat das Jahrhundert überdauert und zeigt sich immer wieder bei Krisen wie etwa während des Kosovo-Krieges 1999 oder der aktuellen Ukraine-Krise.

Vor 100 Jahren ging es Russland vor allem darum, den eigenen Einfluss auf dem Balkan auszudehnen - ein Ziel, das auch die Habsburger Monarchie verfolgte. "Das intensivierte Engagement in Serbien verpflichtete Russland zu einem direkten Konfrontationskurs gegen Österreich-Ungarn", sagt der Historiker Christopher Clark und hebt den Zusammenhang zwischen den Balkankriegen und dem Ersten Weltkrieg hervor: "Es wuchs die Entschlossenheit Österreichs, den serbischen Gebietsansprüchen Einhalt zu gebieten".

Ähnlich wie auch in anderen Staaten wie Deutschland oder Österreich-Ungarn hatte im serbischen Königreich die Armee großen Einfluss auf den Kurs des Landes. "Die Siege Serbiens in den Balkankriegen haben die militärischen Strukturen im Land auf Kosten der Politik gestärkt", sagt Husnija Kamberovic, der als Professor am Institut für Geschichte in Sarajevo die Auswirkungen der Balkankriege erforscht. "Allmählich setzte sich in Belgrad die Auffassung durch, dass man seine Grenzen gewaltsam durch Kriege vorschieben könne".

Die Waffengänge auf der Balkanhalbinsel führten auch zu einer verstärkten inneren Gefährdung der Habsburger Monarchie. Durch seine Siege stieg Serbien in der Gunst seiner slowenischen und kroatischen "Verwandten".

Balkankriege 1912 und 1913

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