Außenansicht Tillerson sprach von einer "unmittelbar drohenden Gefahr"

Was wird die neue Regierung Trump in Washington tun? Während Angela Merkel in Washington weilte, befand sich der neue Außenminister Rex Tillerson in der fernöstlichen Region. Vor ihm war bereits Verteidigungsminister James Mattis in Südkorea und der Region gewesen.

Allein diese schnelle Abfolge von Reisen wichtiger Minister der Trump-Regierung gleich nach dem Amtsantritt macht klar, für wie gefährlich man in Washington die Lage auf der Koreanischen Halbinsel einschätzt. Tillersons Sprache war zudem alles andere als beruhigend: Er sprach von einer "unmittelbar drohenden Gefahr", davon, dass die "Politik der strategischen Geduld" des früheren Präsidenten Obama beendet werde, und dass "alle Optionen auf dem Tisch lägen" (faktisch die Androhung einer Militäraktion, falls nötig).

Wenn die harsche Sprache des amerikanischen Außenministers dazu diente, Druck auf Beijing und Pjöngjang auszuüben, um zu einer Verhandlungslösung zu kommen, dann mag sie durchaus gerechtfertigt sein. Was aber, wenn es dazu nicht kommt? Ein Krieg in Korea würde nicht absehbare Risiken, nukleare und konventionelle, regionale und globale, mit sich bringen. Alle Optionen befinden sich eben nicht auf dem Tisch, wenn man die Dinge zu Ende denkt.

Es führt daher an der Erkenntnis kein Weg vorbei, dass nur eine diplomatische Lösung auf dem Tisch liegt, so schwer diese auch immer zu erreichen sein mag. Und diese diplomatische Lösung wird nur erreichbar sein, wenn Washington und Beijing eng zusammenarbeiten und sich von Fehlern der Vergangenheit verabschieden. Ob es angesichts der drohenden Krise um Nordkorea tatsächlich klug ist, dass die Regierung Trump ihre Chinapolitik zum Beispiel im Südchinesischen Meer aggressiver gestalten möchte, muss bezweifelt werden.

Und auch die Regierung in Beijing muss sich fragen, wie lange sie denn noch warten will, wie lange sie ihre bedingungslose Unterstützung des Regimes in Nordkorea (das völlig von chinesischen Lieferungen abhängig ist) aufrechterhalten will, anstatt maximalen Druck auf Pjöngjang auszuüben. Beide Seiten werden eine gemeinsame Vorgehensweise verabreden und vor allem gemeinsam Nordkorea ein weiteres Gesprächsangebot mit dem Ziel einer Wiederaufnahme der "Sechs-Parteien-Gespräche" machen müssen, um eine drohende militärische Konfrontation abzuwenden.

Man sieht, auch unter Präsident Trump ist es für die Vereinigten Staaten alles andere als einfach, sich von ihrer Rolle als globaler Ordnungsmacht zu verabschieden. Und die Führung Chinas wird auf der Koreanischen Halbinsel beweisen müssen, dass das Land im 21. Jahrhundert seiner Verantwortung als Ordnungsmacht gerecht werden kann.

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