Ausschreitungen im Schanzenviertel:Der G-20-Gipfel endet mit der dritten Krawall-Nacht

  • In Hamburg, dem Austragungsort des mittlerweile beendeten G-20-Gipfels, ist es die dritte Nacht in Folge zu Krawallen gekommen.
  • Die Polizei setzte Pfefferspray und Wasserwerfer ein.
  • Politiker von CDU, FDP und AfD fordern ein härteres Vorgehen gegen Linksextremismus.

Auch nach dem Ende des G-20-Gipfels ist es in Hamburg erneut zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. In der Nacht setzte die Polizei Wasserwerfer, Pfefferspray und Tränengas ein, um Sitzblockaden im Schanzenviertel aufzulösen. Randalierer warfen Flaschen, Steine oder Böller. Die Polizei meldete mehrere Festnahmen. Es seien auch Beamte verletzt worden. Insgesamt sei die Nacht aber ruhiger gewesen als die davor.

Wenn die Hundertschaften anrückten, zerstreuten sich die Gruppen oft und verstecken sich in Nebenstraßen. Sobald die Polizei sich aus einer Straße zurückzog, bauten sie neue Barrikaden auf. Vermummte warfen Flaschen auf Häuser, aus denen ihnen "Haut ab" entgegengerufen wurde. In mehreren Stadtteilen wurden der Polizei zufolge Autos in Brand gesetzt. Schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte der Polizei zogen zeitweise am Rande des Schanzenviertels auf, griffen aber anders als 24 Stunden zuvor nicht ins Geschehen ein. Zum Morgen beruhigte sich die Lage deutlich.

In der Nacht zum Samstag war es im Schanzenviertel zu schweren Krawallen und Plünderungen von Geschäften gekommen. Die Randalierer hatten zunächst mehrere Stunden lang freie Hand, bis die Polizei mit einem massiven Aufgebot samt Spezialeinsatzkräften einrückte. Bundesinnenminister Thomas de Maizière verteidigte die Vorgehensweise der Polizei. "Bei diesem Ausmaß an völlig enthemmter Gewalt, die nur darauf gerichtet ist, willkürlich möglichst große Schäden auch bei völlig unbeteiligten Bürgern zu verursachen, kann trotz aller Konsequenz und auch bei bester Vorbereitung nicht jede Ausschreitung erfolgreich sofort unterbunden werden", sagte er der Bild am Sonntag. Man habe erst "robuste Kräfte heranführen" müssen.

In der dritten Nacht der gewalttätigen Proteste, griff die Polizei frühzeitig durch. "Unbeteiligte sollten sich unbedingt aus dem Bereich entfernen", hatte sie zuvor gewarnt. Die Räumung der Straßen im Schanzenviertel wurde mit Angriffen auf Einsatzkräfte begründet. Zudem seien bei einer Sparkassen-Filiale Fenster zu Bruch gegangen. Der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt war erneut zeitweilig gestört.

Gabriel fürchtet Ansehensverlust Deutschlands in der Welt

Außenminister Sigmar Gabriel von der SPD warnte, dass die Hamburger Krawalle dem Ansehen des Landes in der Welt schaden. "Deutschlands Bild in der internationalen Öffentlichkeit wird durch die Ereignisse in Hamburg schwer in Mitleidenschaft gezogen", schrieb Gabriel in einem Gastbeitrag in der Bild am Sonntag.

Alle angeblichen politischen Motive seien ein Deckmantel, während es den Tätern nur um Gewalt an sich gegangen sei. "Die Täter unterscheiden sich überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen. Mit angeblich "linken Motiven" hat das alles nichts zu tun", schrieb Gabriel. Bundeskanzlerin Merkel hatte in ihrer Abschluss-Pressekonferenz in Hamburg jedoch erklärt, dass sie von keinem Imageschaden für die Bundesrepublik ausgehe.

Politiker von CDU, AfD und FDP riefen angesichts der Krawalle nach einem verschärften Vorgehen gegen Linksextremisten. FDP-Chef Christian Lindner forderte, "dass die linksextreme Szene viel stärker vom Verfassungsschutz in den Blick genommen wird". Das CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte, Linksextremismus werde "in Deutschland seit Jahren verharmlost". AfD-Politikerin Frau Petry forderte auf Twitter die gesellschaftliche Ächtung von Linksextremismus.

Die Polizei erklärte am frühen Sonntagmorgen, seit Beginn der Proteste gegen den G-20-Gipfel seien 144 Personen festgenommen und 144 weitere in Gewahrsam genommen worden. Am Hamburger Hauptbahnhof fuhr ein Sonderzug los, der G-20-Gegner in Richtung Basel bringen sollte. Die Abfahrt verzögerte sich um gut eine Stunde, weil die Polizei die Personalien von Mitfahrenden aufnehmen und Videos von ihnen machen wollte. Mit der Maßnahme sollte nach mutmaßlichen Straftätern gesucht werden. Letztlich kontrollierten die Beamten nur oberflächlich. Festnahmen gab es nicht.

Für den Vormittag hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Hamburg angekündigt. Das Staatsoberhaupt wolle mit Sicherheitskräften und Bewohnern über die Ausschreitungen sprechen, kündigte das Präsidialamt in Berlin an.

© SZ.de/dpa/AFP/jael/mati
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