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Atomkonflikt:Vom neuen Koreakonflikt profitiert nur einer: Kim Jong-un

Kim Jong-un, diktatorischer Anführer eines Verbrecherstaats, dokumentiert im Streit mit den USA seine Entschlossenheit.

(Foto: AP)

Es wäre besser gewesen, den Streit in der Region ruhen zu lassen. Wenn er keinen Krieg führen will, muss US-Präsident Trump jetzt über das nordkoreanische Atomprogramm verhandeln.

Kim Jong-un mag ein junger Mann mit hohem Gewaltpotenzial sein. Wer Nordkorea im Griff hält, dem mangelt es bestimmt nicht an Kälte und Härte. Dieser Mensch wird gottgleich behandelt. Schüler brechen unter Tränen zusammen, wenn sie dem "Obersten Führer" leibhaftig begegnen. Nun hat Kim ein politisches Meisterwerk abgelegt. Die Zeit der Provokation und Eskalation möge vielleicht zu Ende gehen. Seine besten Tage als diktatorischer Anführer eines Verbrecherstaates aber beginnen erst.

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Die politische Aufwertung verdankt Kim dem amerikanischen Präsidenten, der sich auf das Spiel von Provokation und Eskalation eingelassen und damit die strategische Gleichung in Ostasien verschoben hat. Denn wenn Donald Trump keinen Krieg führen will - und das kann man trotz aller Aufplusterei des Mannes getrost behaupten -, dann bleibt ihm jetzt nur, über das nordkoreanische Atomprogramm und Raketenarsenal zu verhandeln. Und das hat seinen Preis.

Die Region schleppt viel historischen Ballast mit sich herum

Das große Spiel um Macht und Einfluss funktioniert in Ostasien nicht anders als sonstwo auf der Welt. Allerdings kommen in dieser Weltregion ein paar Besonderheiten hinzu, die Machtspiele besonders leicht entflammbar und damit gefährlich machen: viel zu viel historischer Ballast, eine frische Großmachtrivalität, Nukleares, Nationalismus. Nordkorea hat von diesen Zutaten immer gut gelebt.

Die koreanische Halbinsel stellt eine historische Anomalie da, weil hier seit mehr als einem halben Jahrhundert ein Krieg eingefroren ist, ohne dass die Zeit neue Optionen im Zusammenspiel der Staaten eröffnet hätte. Die beiden Koreas bleiben geteilt und belagern sich militärisch, mehr oder weniger mithilfe der Kriegsparteien aus den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Dieser Antagonismus hat den Zusammenbruch der Sowjetunion überlebt und den Wandel Chinas hin zur kapitalistischen, autoritären Großmacht.

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In all den Jahrzehnten hat die Region auch nur wenig historischen Ballast abwerfen können. Das gilt besonders für Japan, das seinen brutalen Imperialismus nie glaubwürdig der Vergangenheit überantwortet hat. Nun taut in Korea also der alte Konflikt auf und spuckt Probleme aus, als würde ein schmelzender Gletscher Geheimnisse aus einem vergangenen Jahrtausend preisgeben.