Alternative für Deutschland:Sachsen ist das rechteste deutsche Bundesland

In Merkels CDU spielen die Rechtskonservativen kaum noch eine Rolle. In der Wählerschaft ist das anders. Da sucht sich das Unbehagen an der modernen Gesellschaft eine behagliche Andockstation - und findet sie derzeit bei der Alternative für Deutschland. Zumal in den konservativen deutschen Provinzen, zu denen das sächsische Land ganz besonders gehört, ist das so.

Sachsen, einst Wiege der roten Sozialdemokratie, ist heute das konservativste und rechteste deutsche Bundesland. Darum findet die AfD dort ihre Heimat, darum hat die NPD dort immer noch ihren größten Stützpunkt. Fünfzehn Prozent der Wähler in Sachsen wählten stark rechts: rechtsaußen und rechtsdraußen. Und weil in Sachsen eine jüngere Frau an der Spitze steht, merkt man dort auch nicht gleich, dass die AfD eigentlich eine Partei älterer Männer ist.

Anders als die Piraten zerbricht die AfD nicht

Sie ist noch eine Partei in der Anfangsphase, die einige Turbulenzen hinter und noch weitere vor sich hat. Aber offenbar zerbricht sie daran (anders als die Piratenpartei) nicht. Manche Beobachter sehen in der AfD den Ersatz für die FDP in der Parteienlandschaft. Andere sehen in ihr die Lightversion der NPD. Die kurze Entstehungsgeschichte der Partei spricht zunächst dafür, in ihr eine professoral-liberale Partei (freilich ohne bürgerrechtlichen Anspruch) zu sehen.

Leute wie der emeritierte Ökonomieprofessor Joachim Starbatty stehen für diese Richtung; und, natürlich, Hans-Olaf Henkel, der Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Hätte die AfD 2013 den Einzug in den Bundestag nicht knapp verpasst, wäre diese Richtung wohl die tragende geworden: eine wertkonservativ-bürgerliche Partei mit wirtschaftsliberalen Repräsentanten. Diese sitzen aber jetzt nicht im Bundestag, sondern im EU-Parlament, also nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die FDP ist verdorrt, die AfD schießt in die Höhe

In den Wahlkämpfen für die ostdeutschen Landtage erlebt die AfD soeben einen Rechtsruck: weg von der bürgerlichen, hin zu einer kleinbürgerlichen, tendenziell nationalistischen, fremdenfeindlichen und ressentimentgeladenen Politik. Wenn die AfD mit solchen Kampagnen Landtags-Wahlerfolge feiert, wird es die Bundesparteiführung schwer haben, diese Töne wieder leiser zu stellen.

Die scheinbar ewige Stärke der Merkel-CDU verstellt den Blick auf die neue politische Fauna und Flora in Deutschland: Die FDP ist verdorrt. Die AfD sprießt nicht nur, sondern schießt wie wild in die Höhe. SPD und Linke blühen eher bescheiden; das sächsische SPD-Großtalent Martin Dulig hat keine Wunder vollbringen können; das wird noch viele Jahre dauern. Und der wachstumsgehemmte Baum der Grünen? Er streckt seine Arme nicht nur nach links, sondern immer mehr auch nach rechts; seine Blüten werden dabei gelblich. Der politische Lebensraum in Deutschland verändert sich.

© SZ vom 01.09.2014/zoch
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