Albaniens Krieg gegen Drogen Albanien ist ein fruchtbares Land für Cannabis

Mit durchschnittlich 218 Sonnentagen im Jahr und mehr als ausreichender Wasserversorgung aus den Bergen ist Albanien ein fruchtbarer Boden für Cannabis.

Der kommunistische Diktator Enver Hoxha, der Albaniens Grenzen während der vier Jahrzehnte paranoider stalinistischer Herrschaft nach dem Zweiten Weltkrieg abgeriegelt hatte, verbot den Albanern 1946 den Anbau von Cannabis. Zuvor war die Droge für den Freizeitkonsum und als Beruhigungsmittel für Kinder frei im Handel erhältlich gewesen.

Unter Hoxha übernahm der Staat die Kontrolle und baute die Pflanze für den industriellen Export auf dem Gelände der heutigen Fakultät für Landwirtschaft in Kamza an, einer Gemeinde der Region Tirana.

"Es handelte sich um hochwertiges Cannabis", berichtet Ahmet Osja, der letzte Landwirtschaftsminister der Regierungspartei vor dem Fall des Kommunismus 1991-92 gegenüber BIRN. "Die Schweizer schätzten seine hohe Qualität aufgrund der guten Lichtverhältnisse. Es wurde für Arzneimittel, Heilkräuter und zur Herstellung von Tauen und Seilen verwendet."

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Legalisierung von Cannabis

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In den meisten Ländern der Welt ist Kiffen illegal. Noch. Doch es gibt schon grasgrüne Flecken. Und es werden immer mehr. Wo Cannabis erlaubt ist und wo jahrelange Haft droht. Eine interaktive Grafik.   Von Esther Widmann (Recherche) und Steffen Kühne (Grafik)

Das Ende des Kommunismus leitete ein Jahrzehnt ausgeprägter Instabilität ein, mit Unruhen im eigenen Land und bewaffneten Konflikten im benachbarten ehemaligen Jugoslawien. Waffen gehörten zum Alltag, die Politik war zutiefst polarisiert und kriminelle Banden florierten. Albanien, Nato-Mitglied seit 2009, ringt nach wie vor mit dem Erbe der 1990er-Jahre und der Macht fest verwurzelter organisierter krimineller Netzwerke, die sich weit nach Westeuropa erstrecken.

Forscherin Arsovska glaubt, dass die kurzlebigen Bemühungen aufeinanderfolgender albanischer Regierungen seit dem Zusammenbruch des Kommunismus im Kampf gegen den Drogenhandel "mehr aus Ruhmes- und Publicitygründen" erfolgt seien, oft motiviert durch die "Zuckerbrot-und-Peitsche"-Politik der EU gegenüber den Balkanländern, die danach streben, einmal Teil der Gemeinschaft zu werden.

"Generell mangelt es an zuverlässigen, langfristigen institutionellen Vereinbarungen, um das organisierte Verbrechen in Albanien zu bekämpfen", so Arsovska. "Das organisierte Verbrechen lebt in Symbiose mit den staatlichen Institutionen."

"Eine flexible Anpassung ausgehend von einer Analyse der Möglichkeiten, die Antidrogenpolitik der Regierung zu umgehen, ist einer der Gründe, warum es in Kolumbien und Albanien noch immer eine illegale Drogenindustrie gibt, obwohl beide Regierungen einige der Kernorganisationen, darunter die Medellin- und Cali-Kartelle [kolumbianische Drogenkartelle] und die Lazarat-Gruppen zerschlagen haben."

Dem World Factbook des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA ist zu entnehmen, dass es "in Albanien eine eingeschränkte Opium- und eine wachsende Cannabisproduktion" gibt und ethnisch-albanische Drogenhandelsorganisationen "in Europa aktiv sind und sich ausdehnen".