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Suchtpolitik:Wie das Drogenverbot Dealer zu Millionären macht

Soldiers are silhouetted as marijuana and other drugs are being incinerated at a camp of the Mexican Army's 28th infantry battalion in Tijuana

Mexikanische Soldaten verbrennen in einer Kaserne in Tijuana beschlagnahmte Drogen. Doch der Kampf gegen Rauschmittel ist gescheitert.

(Foto: Jorge Duenes/Reuters)

Mehr als ein halbes Jahrhundert haben die Vereinten Nationen im Kampf gegen Heroin, Kokain und Crystal Meth auf scharfe Verbote gesetzt. Nun wächst die Einsicht: Sie bringen nichts - im Gegenteil.

Man nehme eine illegale Droge und rechne es mal nüchtern durch, wie ein Ökonom: Angenommen also, die Polizei verfolgt verstärkt die Hersteller der Substanz, die nun weniger produzieren. Der Stoff wird knapper, der Dealer erhöht den Preis. Die Nachfrage nimmt ab. Nur leider nicht so stark, wie der Preis steigt. Der Versuch, den Konsum der Droge an der Wurzel zu bekämpfen, verkehrt sich daher ins Gegenteil. Die Abhängigen bleiben abhängig. Der Dealer verdient mehr Geld als vorher - der Polizei sei Dank.

Es ist eine simple Formel, die Tom Wainwright seinen Lesern vermittelt. Aber wie vieles, was der ehemalige Mexiko-Korrespondent des Economist in seinem Buch "Narconomics" über den internationalen Drogenhandel vorrechnet, macht auch diese Formel auf haarsträubende Weise klar, welchen Irrweg die internationale Drogenbekämpfung seit Jahrzehnten gegangen ist. Und um diesen Irrweg wird es von diesem Dienstag an gehen, wenn sich die Vereinten Nationen zu einer Sondersitzung in New York treffen.

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Die UN wollen einen neuen Kurs in der internationalen Drogenpolitik einschlagen. Der seit den 1970er-Jahren geführte Krieg gegen Drogen ist verloren. Weder ist es gelungen, die Zahl der Abhängigen auf der Welt zu verringern, noch ließ sich eine Zunahme des Drogenkonsums insgesamt verhindern. Den Kartellen hat der verbissen geführte Kampf gegen illegale Substanzen nicht geschadet, im Gegenteil. Dank der Verbote hat sich das Drogengeschäft zu einer Multimilliardenindustrie ausgewachsen.

"In der Drogenpolitik steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht das Verbot."

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Wissenschaftler, Mediziner, Strafrechtler und Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft hegen deshalb keine Zweifel mehr: Ein Kurswechsel ist notwendig. Unter anderen macht sich der Friedensnobelpreisträger und ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan dafür stark, den privaten Drogenkonsum zu entkriminalisieren und die Abhängigen besser zu behandeln.

Auch in Berlin will man sich dem nicht verschließen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, sagt: "In der Drogen- und Suchtpolitik steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht das gesetzliche Verbot." Abhängigkeit sei eine Gesundheitsstörung, die behandelt werden könne. Das soll in New York die Devise sein. Für den gesamten Markt illegaler Substanzen.

Leicht wird das nicht. Viele Bürger könnten sich wohl mit der Legalisierung einer vermeintlich weichen Droge wie Cannabis anfreunden. Aber ein gelockerter Umgang mit Ecstasy, Kokain, Heroin, womöglich sogar mit Crystal Meth, würde das breite Zustimmung finden? Die Angst um die Jugend und deren Schicksal in einer Welt voller Rauschmittel, sie schnürt vor allem Eltern die Luft ab. Es ist die Sorge vor dem abgerutschten Kind, verloren an die Abhängigkeit, an die Beschaffungskriminalität, an einen frühen Tod. Seit mehr als 50 Jahren wird den Menschen erzählt, dass nur eine Prohibitionskultur solche Schicksale verhindere.

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