Albaniens Krieg gegen Drogen "Ohne Verbindungen zu Polizei und Politik ist niemand so forsch"

Es gibt Anzeichen dafür, dass die Cannabiszüchter in Folge des harten Durchgreifens in Lazarat auf andere Gebiete ausgewichen sind, um die Nachfrage zu befriedigen; sie kultivieren ihre Pflanzen vermehrt auf öffentlichen Böden - in Wäldern oder auf entlegenen Berghängen - und weniger auf Privatbesitz. Dies erschwert es der Polizei nach eigenen Angaben, Plantagen aufzuspüren und zu ermitteln, wem diese gehören.

In einer internen Analyse des Büros des albanischen Generalstaatsanwalts, die den albanischen Medien im Juni auszugsweise zugespielt wurde, heißt es: "In den letzten Jahren hat sich der Cannabisanbau über das ganze Land und in jeder Region verbreitet."

Einem BIRN vorliegenden Auszug aus dem Bericht zufolge würden "Hanfbauern Flächen öffentlichen Eigentums nutzen, hauptsächlich in Wäldern und auf Weideland oder in der Nähe von Wasserquellen und weit weg von Wohngebieten."

Ein Sprecher des Generalstaatsanwalts Adriatik Llalla, der 2012 vom Parlament unter der vorherigen demokratischen Regierung auf diesen Posten berufen wurde, reagierte nicht auf eine Anfrage von BIRN, die Existenz des Berichts und dessen Ergebnisse zu bestätigen.

"Die diesjährige Situation lässt sich aufgrund des enormen Zuwachses an Anbaugebieten nicht mit den vergangenen Jahren vergleichen", sagt Hivzi Bushati, der ehemalige Polizeichef des Sonderkommandos für Nordalbanien, der entlassen wurde, als die Sozialisten die Macht übernahmen und jetzt Mitglied der oppositionellen Demokraten ist.

Sucht und Drogen Wie Uruguay zum Vorbild für die Welt wird
360° Legalisierung von Cannabis
Cannabis-Legalisierung

Wie Uruguay zum Vorbild für die Welt wird

Der Krieg gegen die Drogen ist verloren. In Südamerika erkennen das sogar konservative Politiker. Uruguay hat deshalb Cannabis vollständig legalisiert. Was bei uns eine verbotene Droge ist, kurbelt dort die Wirtschaft an.   Von Boris Herrmann, Montevideo, und Sebastian Schoepp

"Ohne Verbindungen zu Vertretern der Polizei und Politik ist niemand so forsch und unerschrocken, Tausende Cannabispflanzen im ganzen Land zu züchten", erzählt er BIRN in einem Kaffeehaus in Shkodra.

Die Regierung bestreitet, dass die Cannabisproduktion zugenommen hat und Polizeibeamte darin verwickelt sind. Sie weist auch Anschuldigungen der oppositionellen Demokraten zurück, sie mache mit den Schwarzhändlern gemeinsame Sache.

"In der Öffentlichkeit entsteht der falsche Eindruck, dass die Größe der Cannabisanbauflächen zunimmt", sagt Altin Qato, der stellvertretende Generaldirektor der albanischen Staatspolizei bei einer Pressekonferenz im August. "Dem ist aber nicht so, die Polizei ist einfach besser darin geworden, die illegalen Plantagen aufzuspüren und Maßnahmen durchzusetzen."

Das Innenministerium verfüge über keine Hinweise, die Polizeibeamte belasten würden. "Wenn wir Hinweise hätten, würden wir die Verdächtigen verhaften, weil Kollaborateure gleichermaßen zu verurteilen sind wie Züchter." Später, im September, so Qato, seien acht Polizeibeamte entlassen und gegen 21 Ermittlungen aufgenommen worden wegen des Verdachts, ihre Zuständigkeitsbereiche nicht ordnungsgemäß kontrolliert zu haben.